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Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)

Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)

In dieser Fortsetzung baut Techland auf den Stärken des indizierten Vorgängers auf. Leider lag die Messlatte für Verbesserungen nie besonders hoch...

Vor sieben Jahren hat Techland ein Zombie-Spiel veröffentlicht, das in Deutschland indiziert ist. Die polnischen Entwickler haben diesen Titel viele Jahre lang unterstützt und parallel dazu an einem Nachfolger gearbeitet. Leider verlief die Produktion nicht wie geplant und deshalb mussten die Spieler immer wieder aufs Neue vertröstet werden. Mit jeder neuen Verzögerung sind leider auch die Chancen gestiegen, dass am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt werden können.

Während ich Dying Light 2 Stay Human spielte, hatte ich oft das Gefühl, dass der Titel ein paar Jahre zu spät auf den Markt kommen würde. Ich kann euch sagen, dass das Original schon kein Meisterwerk war, vor allem was die Geschichte angeht. Gelobt wurde hingegen die Bewegungsfreiheit und die ist auch beim zweiten Teil das Maß aller Dinge. Die Schwachstellen des ersten Spiels konnte Techland zugegeben verbessern, allerdings lag die Messlatte wie gesagt auch nicht sonderlich hoch.

Viele der Elemente, mit denen die Konflikte und die Handlung von Dying Light 2 angereichert wurden, stammen aus eher schlechten Sci-Fi-Filmen: ein fehlgeschlagenes, medizinisches Experiment, persönliche Konflikte, eine Rachegeschichte. Die Zutaten werden nicht mit genügend Feingefühl vermischt, sodass dabei am Ende eine bestenfalls mittelmäßige Geschichte herumkommt. Trotzdem gab es auch einige Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind.

Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)
Ihr müsst auf euren eigenen moralischen Kompass hören, denn es gibt in diesem Spiel keine richtigen Entscheidungen.

Mit Aiden bekommen wir einen Protagonisten, der scheinbar alles kann. Obwohl dieser Umstand im Laufe der Geschichte zumindest mit einigen Hintergründen beleuchtet wird, finde ich solche Leute wahnsinnig unsympathisch. Die Entwickler haben einige interessante Einfälle verfolgt, um zu erreichen, dass uns die Geschichte diesmal etwas berührt, aber ihrem zentralen Helden fehlt es insgesamt an Menschlichkeit. Der Protagonist wirkt nie wie eine vollständige Persönlichkeit mit eigenen Zielen oder Motiven, weil er aus diversen Klischees zusammengesetzt wurde.

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Entscheidungen sind in diesem Spiel ein großes Thema, denn unsere Aktionen beeinflussen die Welt und ihre Bewohner sichtbar. Es gibt verschiedene Fraktionen, die sich alle für irgendetwas einsetzen und den Leuten auf ihre Art und Weise dabei helfen, in dieser unbarmherzigen Welt zu überleben. In der Welt von Dying Light 2 Stay Human gibt es nichts umsonst und da der Tod hinter jeder Ecke lauert, bleibt einfach keine Zeit für halbe Sachen. Mir gefallen diese Unsicherheit und die Grauzone, in der die Figuren Entscheidungen fällen müssen. Viele Spiele trennen Gut und Böse wesentlich stärker voneinander.

Ich habe insgesamt das Gefühl, dass sich Techland stark an Ubisofts Gameplay-Formeln orientiert hat und ich glaube nicht, dass das der richtige Weg war. Wir bekommen einen ausreichenden, aber auch sehr generischen Sandkasten, in dem wir eine Aktivität nach der anderen abhaken dürfen. Die Einflüsse werden spätestens dann offensichtlich, wenn wir die Windmühlen übernehmen, die in diesem Spiel als Siedlungen gelten. Dabei werden nämlich die gleichen Animationen abgespielt, die wir schon aus Far Cry kennen.

Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)
Die Konsequenzen des eigenen Handelns hinterlassen einen deutlich prägenderen Eindruck, als das Versprechen eines gesichtslosen Superhelden, der die Welt retten will.

Die häufigen Bugs und Glitches machen es natürlich auch nicht besser. Zombies tauchen vor unseren Augen aus dem Nichts auf, Interaktionsmöglichkeiten verschwinden grundlos und kleinere Objekte stören oft beim Kampf. Das sind im Großen und Ganzen vernachlässigbare Probleme einer offenen Welt, aber sie summieren sich und ich muss leider zugeben, dass der kleinere und zusammenhängendere Vorgänger die nahtlosere Spielerfahrung bot.

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Das fällt vor allem deshalb auf, weil der zweite Teil zwar hübsch anzusehen ist, aber sicher nicht an die Grenzen des Möglichen geht. Es stehen uns drei Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung: Auflösung (4K) Qualität (Raytracing) oder Leistung (60 fps). Selbst wenn ihr die visuelle Präsentation in den Fokus stellt, wird euch die Bildqualität nicht vom Hocker reißen. Da man eh die meiste Zeit vor Zombie-Horden flüchtet, bleibt aber sowieso nur wenig Zeit, um die Aussicht zu genießen.

Die Parcours-Elemente sind, wie schon beim Vorgänger, der stärkste Aspekt des Actionspiels. Uns stehen am Anfang noch nicht alle akrobatischen Fähigkeiten zur Verfügung, aber wir schalten im Verlauf des Spiels immer mehr von ihnen frei. Dadurch machen die Kämpfe und unsere Ausflüge durch die ausgedehnte Metropole auch später noch Spaß. Obwohl mich die Welt nicht völlig überzeugen konnte, ist es sehr befriedigend, von einem Dach zum nächsten zu springen und dabei perfekt getimte Angriffe aneinanderzureihen.

Neben unseren Parcours-Fertigkeiten stehen uns verschiedene Waffen zur Verfügung, die sich modifizieren lassen. Wir finden Blaupausen und Rezepte für Erste-Hilfe-Päckchen und Granaten, die wir aus den nötigen Ressourcen zusammenschrauben können. Der Herstellungsprozess hat sich nur wenig geändert und das war auch nicht wirklich nötig. Das Spiel steht auf soliden Grundpfeilern und es ist gut, dass Techland darauf aufbauen konnte.

Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)Dying Light 2 Stay Human (deutsche Version)
Wir bekommen ein tolles Bewegungs- und Kampfsystem, aber gleichzeitig werden Mechaniken eingeführt, die unseren Spaß künstlich einschränken.

Besonders spannend wird Dying Light 2 in der Nacht, allerdings lassen sich in diesem Bereich einige Veränderungen gegenüber dem Vorgänger feststellen. Befinden wir uns nach Sonnenuntergang nicht in einem beleuchteten Raum, haben wir nur eine kurze Zeitspanne zur Verfügung, um die Dunkelheit zu erkunden. Das Zeitlimit lässt sich mit bestimmten Gegenständen erhöhen, aber der Timer erzeugt zusätzlichen Druck, der früher nicht Bestandteil der Spielerfahrung war. Wir sterben zwar nicht sofort nach Ablauf der Zeit, müssen aber schneller agieren, als im indizierten Vorgänger.

Die Story versucht natürlich, uns diese künstliche Limitierung zu verkaufen, aber ich bin davon nicht völlig überzeugt. Das Gefühl, bei Nacht in der feindlichen Umgebung gefangen zu sein und ohne jede Sicherheit agilen Feinden gegenüberzustehen, war für mich einer der stärksten Aspekte des Vorgängers. Im zweiten Spiel war ich ziemlich oft nachts unterwegs, aber es war selten meine eigene Entscheidung. Vor allem in den ersten Stunden ist dieser Teil zudem recht lahm, da wir noch nicht auf sehr viele Mechaniken zugreifen können.

Dying Light 2 Stay Human ist für mich ein Spiel voller Widersprüche. Auf der einen Seite hat es eine Geschichte, die bestenfalls ausreichend ist, in einigen Momenten jedoch glänzt, weil sie uns in eine Zwickmühle drängt. Wir bekommen ein tolles Bewegungs- und Kampfsystem, aber gleichzeitig werden Mechaniken eingeführt, die unseren Spaß künstlich einschränken. Das Spiel bietet eine interessante und originelle Welt, die groß genug ist, um all die verschiedenen Elemente unterzubringen, die sie sich bei anderen Titeln ausgeliehen hat. Am Ende hatte ich meinen Spaß mit diesem Titel, allerdings hatte ich mir die Sache ehrlich gesagt ganz anders vorgestellt. Ich hoffe, dass sich Techland in Zukunft mehr auf eigenen Ideen verlassen wird, sonst bleibt die Serie einfach nur ein Far Cry mit Zombies.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
ausgezeichnetes Bewegungssystem, befriedigender Kampf, solides Handwerkssystem, moralische Entscheidungen ziehen echte Konsequenzen nach sich.
-
mittelmäßige Geschichte, viele kleine Fehler stören, endloses Meer sich langweiligen Nebenmissionen, das Spiel hat ein Identitätsproblem.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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