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Disaster Report 4: Summer Memories

Disaster Report 4: Summer Memories

Granzella hat die Fackel von Irem übernommen und eine absolute Katastrophe eines Spiels abgeliefert.

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Ich bin selten auf ein Spiel gestoßen, das mich so sehr verwirrt hat, wie Granzellas Katastrophensimulator/RPG-Adventure Disaster Report 4: Summer Memories. Mit der Serie habe ich zuvor keine Erfahrungen gesammelt, war aber zumindest interessiert und wollte einen Blick auf das neue Game werfen. Zuerst ging ich noch davon aus, dass es ein verrücktes, kleines Abenteuer wäre, in dem wir Menschen retten, die einem schweren Erdbeben zum Opfer gefallen sind. Und obwohl das im Grunde stimmt, gibt es gleichzeitig noch viel mehr als das, weil das Spiel bis zum Rand mit Inhalten gefüllt worden ist. Viele dieser Dinge passen aber nicht zueinander, denn mehr ist bekanntlich nicht immer mehr.

Das Spiel beginnt damit, dass man sich seinen Protagonisten auswählt. Wir teilen dem Spiel mit, ob wir ein aufopfernder Held oder ein herzloser Egoist sind und legen anschließend unser Erscheinungsbild fest (macht euch darauf gefasst, dass ihr eine völlig andere Haarfarbe habt, sobald ihr mit dem eigentlichen Spiel beginnt). Nachdem wir einen eigenen Charakter erschaffen haben, finden wir uns in einem Bus wieder. Dort werden wir mit den ersten moralischen Entscheidungen konfrontiert und sollen entscheiden, ob wir einer älteren Dame unseren Platz anbieten wollen oder die alte Frau ausschimpfen und ihr den Platz verwehren.

Ihr seht schon, das sind keine sonderlich subtilen Entscheidungen, die wir in Disaster Report 4: Summer Memories treffen und was wir wählen hat auch keine schwerwiegenden Konsequenzen. Das Spiel enthält einige RPG-Elemente und ordnet unsere Taten einem moralischen Kompass unter. Da wir in so ziemlich jedem Gespräch entweder der liebste Engel oder ein unfassbares Arschloch sein können, kann das alles zu sehr irritierenden Momenten führen (an manchen Stellen sind unsere Auswahlmöglichkeiten absolut wiederwertig und abstoßend - weit über die Grenze des guten Geschmacks hinaus).

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Disaster Report 4: Summer MemoriesDisaster Report 4: Summer Memories
Menschen werden unter Gebäudeteilen zerquetscht, Panik breitet sich aus und ihr erlebt den schlimmsten Tag eures bisherigen Lebens

Nachdem wir unsere Persönlichkeit gefestigt haben, die nur als grobe Orientierung gilt, wird die Stadt plötzlich von einem schweren Erdbeben getroffen, woraufhin viel Gebäude sprichwörtlich im Erdboden versinken. Menschen werden unter Gebäudeteilen zerquetscht, Panik breitet sich aus und ihr erlebt den schlimmsten Tag eures bisherigen Lebens.

Disaster Report 4: Summer Memories lässt uns eine Reihe kleiner, abgeschlossener Level erkunden, in denen man über vorgegebene Ereignisse stolpert. Die Reihenfolge, Zeitpunkte und weitere Fakten sind gescriptet, die Geschichte wird also nicht fortgeführt, bis wir alles Wichtige gesehen oder erlebt haben. Das Spiel sagt uns häufig nur leider nicht wirklich, was als Nächstes zu tun ist (bis wir zufällig darüber stolpern). Meist rennen wir auf der Suche nach Infos in jemanden hinein, der bereits den nächsten Auftrag für uns parat hat, woraufhin sich ein Gebäudeteil absenkt und uns auf magische Art und Weise Zugang zum nächsten Abschnitt gewährt.

Manchmal war ich völlig verloren und habe übersehen, dass ich mit bestimmten Objekten interagieren konnte - das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert. Das Kern-Gameplay à la "Sprich mit Person X, finde Gegenstand/Person Y und kehre zurück" wird durch verschiedene Sammlerstücke (vor allem Kleidungsstücke und Designs für den Kompass) sowie Nebenquests aufgebrochen. Die Erzählung des Spiels ist unglaublich seltsam und das Tempo ist wild. In einem Moment kümmern wir uns inmitten eines Erdbebens um eine Mutter, die dringend Wasser für ihr Kind benötigt, im nächsten Augenblick sind wir ein Multimillionär, der Aktien von zufälligen Geschäftsleuten auf der Straße kauft. Die Dialoge sind, wie bereits erwähnt, verdammt stumpf und grenzen manchmal an der Grenze zur verbalen Attacke auf unsere Ohren.

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Disaster Report 4: Summer MemoriesDisaster Report 4: Summer Memories
Die Dialoge sind, wie bereits erwähnt, verdammt stumpf und grenzen manchmal an der Grenze zur verbalen Attacke.

Und trotzdem hat das Spiel einen gewissen Charme, der nur schwer zu erklären ist. Wenn ihr Titel wie Deadly Premonition gespielt habt, könnt ihr das vielleicht vergleichen. Denn obwohl das Game weder gut aussieht, noch sich angenehm spielt und insgesamt unglaublich komisch ist, behält es sich die meiste Zeit über irgendwie seinen Charme, sodass man es nicht wirklich weglegen kann. Ich konnte zu meiner eigenen Verwunderung nicht anders, als das seltsame Szenario und die ausgefallenen Wendungen nach ein paar Stunden für das wertzuschätzen, was sie sind: fantastischer Schwachsinn.

Deadly Premonition hatte jedoch eine zusammenhängende Geschichte, einige großartige Charaktere, einen lustigen und interessanten Protagonisten und ein großes Rätsel, das die Spieler lösen konnten - fast wie Twin Peaks. Disaster Report 4: Summer Memories hat nichts davon und probiert gleichzeitig unbedacht so viele Dinge aus, dass es am Ende schwer ist zu wissen, welche Art von Spiel, geschweige denn welches Genre man gerade spielt. Begleitet wird all das von der Tatsache, dass das Game einige verrückte technische Probleme hat, darunter Lags, Beleuchtungsfehler, Abstürze, fehlende Texturen und lange Ladebildschirme (ihr werdet euch an die PS3-Ära zurückerinnern). Sagen wir einfach, es ist in einem rauen technischen Zustand, aber seltsam charmant und meistens lustig.

Und das ist auch mein Fazit. Wenn ihr zehn bis 15 Stunden in einem Spiel verbringen möchtet, das euch nichts zu sagen hat, dafür aber ein bisschen von allem bietet, dann könnt ihr euch dieses Projekt ruhig mal anschauen. Es ist eine charmante Katastrophe, mit einigen Ausnahmen unfreiwillig humorvoll (allerdings wie gesagt mit Ausnahmen) und ich hatte tatsächlich eine gute Zeit mit dem Spiel. Trotz und wegen all seiner Unzulänglichkeiten. Wenn ihr von technischen Problemen eher abgeturnt werdet, dann solltet ihr aber vielleicht lieber ganz die Finger davon lassen - so schnell wird sich das Game nicht reparieren lassen. Demoversionen stehen auf allen Plattformen für euch bereit.

05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
+
charmant, manchmal lustig, interessante Mechaniken.
-
sehr verbuggt, Probleme mit der Bildrate, stumpfe Geschichte, grottige Dialoge, merkwürdiges Tempo, Humor manchmal unpassend und aggressiv.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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