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Diablo III: Reaper of Souls

Diablo III: Reaper of Souls

Blizzard auf Erweiterungsmission: Es gibt mehr Handlung, mehr Schätze, mehr Ideen und mehr Zufall in dem teuflischen Action-Rollenspiel.

Wenn wir uns die Veröffentlichung von Diablo III: Reaper of Souls in dieser Woche anschauen, dann sehen wir, wie weit der Weg ist, den Diablo III seit der Veröffentlichung im Jahr 2012 gegangen ist. Während es zum Start damals noch massig Server-Probleme und technische Fehler gab, die das Spiel in den ersten Tagen und Wochen nahezu unspielbar machten, verlief die Veröffentlichung diesmal ganz ohne Vorkommnisse. 23:55 ploppte ein Feld im spieleigenen Chat auf, in dem zu lesen war, dass die Erweiterung online sei. Sofort beobachtete ich, wie sich der Erfahrungsbalken mit jedem getöteten Monster wieder weiter füllte. Dazu gab es den fünften Akt, die neue Klasse Kreuzritter und die Möglichkeit, den neuen Adventure-Modus zu entdecken.

Der Start von Diablo III: Reaper of Souls war das komplette Gegenteil zum desaströsen Launch des Hauptspiels und zeigte, wohin die Reise 2014 mit Diablo gehen sollte.

Ich habe schon gut 100 Stunden in Diablo III verbracht und jede Menge Spaß dabei gehabt. Trotzdem: Man kam nur schwer umhin, die vielen Macken zu sehen. Ganz abgesehen von der missglückten Veröffentlichung gab es da noch das unheilvolle Auktionshaus, welches sich negativ auf die Suche nach neuen und besseren Ausrüstungsgegenständen auswirkte. Mit Erreichen von Level 60 und dem Sieg über Diablo im höchsten Schwierigkeitsgrades Inferno gab es dann auch kaum noch etwas zu tun.

Diablo III: Reaper of SoulsDiablo III: Reaper of Souls
Mit der neuen Erweiterung wird das Action-Rollenspiel endlich zu dem Spiel, das es von Anfang an hätte sein sollen.

Viele Elemente haben sich seit dem Release bereits verändert und wurden angepasst. Dennoch hat sich Blizzard mit Reaper of Souls dazu entschlossen, einige der Kernmechaniken von Diablo III über den Haufen zu werfen. Und das war zum Glück die richtige Entscheidung. Mit der neuen Erweiterung wird Diablo III endlich zu dem Spiel, das es von Anfang an hätte sein sollen.

Wer das Action-Rollenspiel den letzten Wochen gespielt hat, dem kommen sicher bereits viele der hier beschriebenen Änderungen bekannt vor. Schließlich hat Blizzard die Anpassungen der Kernmechaniken für alle verfügbar gemacht. Das bedeutet, dass jeder nun Zugang zu dem neuen, verbesserten Beute-System erhält, durch das wir endliche interessantere Beute von Monstern und aus Truhen erhalten. Die Schwierigkeitsgrade Normal, Hölle, Alptraum und Inferno, mit denen wir das Spiel im Ganzen vier Mal durchspielen mussten, haben ebenfalls ausgedient. Das neue Level-Limit liegt bei 70, wobei Level 60 nun schon in einem Durchgang erreicht werden kann. Die Stärke der Gegner wird automatisch oder manuell an die eigene angepasst je nach dem, ob wir ordentliche Herausforderungen suchen oder eher weniger. Dank all dieser Änderungen macht Diablo III immer noch richtig viel Spaß. Vor allem aber inhaltlich liefert Reaper of Souls ordentlich ab.

Mit der Erweiterung gibt es einen neuen fünften Akt, der in und um die Hauptstadt Westmark herum spielt sowie das Schlachtfeld Pandemonium, auf dem Engel und Dämonen seit Jahrzehnten gegeneinander kämpfen. Malthael, der Engel des Todes, ist nach jahrelanger Abwesenheit zurückgekehrt und hat entschieden, dass alle Dämonen ausgerottet werden und der ewige Konflikt zwischen Himmel und Erde somit ein für alle Male beigelegt werden soll. Leider fallen auch die Menschen unter Malthaels Definition von Dämonen. Klar, dass wir ihn nun aufhalten müssen. Und das ist dann auch schon die ganze Geschichte im Kern zusammengefasst.

Diablo III: Reaper of Souls
Der neue fünfte Akt bietet eine größere Vielfalt an Umgebungen und Gegnern als die vorangegangen Kapitel.

Der neue fünfte Akt bietet eine größere Vielfalt an Umgebungen und Gegnern als die vorangegangen Kapitel. Außerdem gibt es neue Nebenmissionen und Mini-Events, die sich während des gesamten Aktes entdecken lassen. Öfter finden wir nun mysteriöse Truhen, verführerische Türen oder Menschen in Not, die in einen Hinterhalt geraten sind. Das sind nette Ablenkungen und am Ende gibt es dafür eine hübsche Belohnung. Das Beste: Nicht nur die Dungeons auch die Umgebungen werden jetzt bei jedem Neuladen des Spiels zufällig generiert. Damit erwarten uns in Westmark bei jedem Besuch immer neue Wege und Straßen.

Es gibt eine breite Palette neue Gegnertypen und sie gehören zu den innovativsten, die die Serie hervorgebracht hat. Weiche Höhlenkreaturen graben sich in den Boden und treten mit einem Panzer aus massiven Granit wieder hervor. Gigantische Zombie-Hunde schnappen uns und schütteln uns wie Kauspielzeug. Und es gibt die starken Bogans, welche sich kleine Bobbit-Kreaturen vom Boden greifen und auf uns werfen. Es fühlt sich auch so an, als würde das Spiel noch großzügiger (oder auch bösartiger) mit Elite-Gegnern umgehen, die besonders stark sind und mehr Fähigkeiten haben als normale Monster. Ich habe immer wieder erlebt, dass eine Gruppe blauer Champions zusammen mit goldenen, einzigartigen Monstern gleichzeitig aufgetaucht ist - oft noch mit tödlichen Kombinationen ihrer Fähigkeiten, die uns einkästelten, den Boden mit Feuer und Gift überzogen und uns dann Eisbälle und Laserstrahlen auf uns zielten.

Es sind diese Momente, in denen Diablo III: Reaper of Souls besonders glänzt. Dann, wenn wir von einer Armada starker Gegner an unsere Grenzen gebracht werden, uns freikämpfen und einen Ausweg suchen müssen, um etwas Schaden zu verursachen, um dann wieder Deckung zu suchen. Diese Kämpfe können sehr intensiv sein und wenn uns die Herausforderung zu groß ist, können wir den Schwierigkeitsgrad im Menü rasch etwas reduzieren.

Diablo III: Reaper of Souls
Die Handlung des Hauptspiels war grässlich erzählt und zum Glück haben die Schreiberlinge mit Reaper of Souls wieder auf den rechten Weg zurückgefunden.

Die Handlung von Diablo III war grässlich erzählt und Charaktere wie Azmodan oder Diablo selbst, der eigentlich einschüchternd und beängstigend sein sollte, wurden auf weinerlich und ziemlich pathetisch Typen reduziert, die Briefe an ihre Untertanen schickten, wie es damit vorangeht, uns aufzuhalten und welche Konsequenzen drohen. Sie waren nur Haaresbreite davon entfernt, wie der schwarze Ritter in Monty Python: Die Ritter der Kokosnuss zu klingen. So schlecht war es, als Diablo etwa sagte: "Sicher, es mag sein, dass du meine Portale zur Hölle geschlossen hast und mein Nachschub an Dämonen versiegt ist, aber ich kann immer noch gewinnen, harhar!"

Glücklicherweise haben die Schreiberlinge mit Reaper of Souls wieder auf den rechten Weg zurückgefunden. Die meisten der Geschichten werden durch Konfrontationen mit den Schergen von Malthael erzählt und wenn wir Texte bei seinen Anhängern finden. Es gibt sogar einige nette Nebengeschichten auf dem Weg. Die Handlung funktioniert viel besser und wird dem Universum viel besser gerecht.

Die Bosskämpfe sind zahlreich und sie sind alle grandios. Im Vordergrund stehen unsere Reflexe und Positionierung und dieser Mischung wurden noch ein paar coole Mechaniken spendiert. Beispielsweise weckt ein Boss Erinnerungen an klassische Kugelhagel-Shoot'em Ups. Aber egal, wie gut Akt V während der wenigen Stunden wirklich ist, die er Spielerfahrung bietet, es ist nur ein Teil des Gesamtpakets. Die wahrscheinlich wesentlichste Ergänzung ist der neue Adventure-Modus, der uns Typisches von Diablo mit einer großes Dosis Wiederspielwert bietet.

Diablo III: Reaper of Souls
Die wahrscheinlich wesentlichste Ergänzung ist der neue Adventure-Modus, der uns Typisches von Diablo mit einer großes Dosis Wiederspielwert bietet.

Im Adventure-Modus gibt es keine Geschichte, durch die wir uns kämpfen müssen, bevor wir unsere Lieblingsorte besuchen können. Die gesamte Spielwelt ist von Beginn an freigeschaltet und wir können reisen, wann und wohin wir auch wollen. In jedem der fünf Kapitel gibt es mehrere Auftragsmissionen, bei denen wir Belohnungen in Form von Gold oder Erfahrungspunkten gewinnen können. Diese Aufträge folgen der einfachen Formel von "Töte diesen Boss", "Schließe diesen Dungeon ab" oder "Beende diesen Event". Alle können in der Regel in nur wenigen Minuten abgeschlossen werden - je nachdem wie viel Zeit wir damit verbringen, einem falschen Weg zu folgen. Sind alle fünf Aufträge in einem Akt abgeschlossen, dann werden wir mit dem Horadrim-Beute belohnt, der Schätze wie ein Geysir ausspuckt, wenn wir ihn öffnen.

Zusätzlich zu dem neuen Ausrüstungsgegenständen, Schmuck und Materialien gibt es auch eine Belohnung, die sich Nephalem-Portalschlüssel-Fragmente nennen. Hinter dem hoffnungslos umständlichen Namen steht aber eines der wichtigsten Gegenstände. Mit fünf dieser Fragmente im Rucksack können wir einen brandneuen Dungeon öffnen, der nur für uns und unsere Freunde gemacht ist. Die Nephalem-Portale bestehen für gewöhnlich aus drei Ebenen und bieten Kombinationen von Schauplätzen und Monstern, wie wir sie für gewöhnlich in der Kampagne nicht haben. Wir können einfach von der Gruft zum Sumpf und dann zu den Ruinen. Außerdem wird ganz clever farbiges Licht eingesetzt, damit alles frisch und neu aussieht.

Es gibt Horden von Monstern, die wir niederstrecken müssen und so bald wir das geschafft haben, wird ein neuer Boss auftauchen, der einen Haufen Schätze zurücklässt, so bald er besiegt ist. Wie in der Kampagne ist der Schwierigkeitsgrad im Adventure-Modus dynamisch und in der Theorie können wir, nur diese Variante gespielt, auch einen Charakter von Level 1 bis Level 70 hochbekommen und dann direkt nach Westmark springen. Allerdings empfehle ich zumindest ein bisschen etwas von der Kampagne zu spielen, weil neue Charaktere fast gar keine Fähigkeiten besitzen.

Diablo III: Reaper of Souls
Der Kreuzritter ist ein schwer gepanzerter Paladin-mäßiger Typ mit einer Vorliebe für schwere Rüstungen und Schilde.

Und wo wir schon bei Charakteren sind, es gibt auch eine neue Klasse, die sich Kreuzritter nennt. Dieser ist ein schwer gepanzerter Paladin-mäßiger Typ mit einer Vorliebe für schwere Rüstungen und Schilde. Zu den Fähigkeiten gehört das Talent, Zweihandwaffen in nur einer Hand zu tragen, Schilde zu einem Feuerregen explodieren zu lassen und als eine Art Artilleriegranate in die Luft aufzusteigen. Ich hab es mit dem Kreuzritter bisher noch nicht sehr weit gebracht, aber mein Eindruck von der Klasse aus der Beta waren überwiegend positiv.

Aber auch die anderen Klassen wurden überarbeitet und haben alle eine neue Fähigkeit auf Level 61 bekommen, zusammen mit drei neuen passiven Talenten. Ich habe Reaper of Souls hauptsächlich mit meinem Mönch gespielt und es war eine freudiges Wiedersehen. Zur gleichen Zeit habe ich auch den Dämonjäger wiederentdeckt, der mich vor dem kleinen Umschwung noch zu Tode gelangweilt hat.

Reaper of Souls fühlt sich in vielerlei Hinsicht so an, als hätte Diablo III endlich das enorme Potenzial bemerkt, welches es eigentlich immer hatte. Es ist jetzt endlich das Spiel, das hätte Diablo III von Anfang sein sollen und ein absolutes Muss für alle, die Diablo mögen. Mit den vielen neuen Inhalten und Überarbeitung der Kernspielmechaniken, fühlt Diablo III: Reaper of Souls in vielerlei Hinsicht frischer als Diablo III vor zwei Jahren.

Diablo III: Reaper of Souls
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
neuer Akt, Adventure-Modus, tolle neue Charakterklasse, viele Spielmechaniken wurden massiv verbessert
-
neuer Akt ist relativ kurz
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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