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Dead Island: Riptide

Dead Island: Riptide

Die Spielwelt mag vielleicht neu sein, ansonsten hat sich Dead Island mit Riptide aber kaum verändert, sondern bleibt beim bewährten Konzept.

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Schon von weitem höre ich den Schrei. Nur wenige Augenblicke später dann die Gewissheit: Über den Hügel rennt der erste Typ in wilder Entschlossenheit auf mich zu. Insgesamt sind es zwei, beide infiziert, schnell und aggressiv. Ich laufe nicht davon. In meiner Hand halte ich einen Baseballschläger, den ich erst kurz zuvor mit Nägeln ausgestattet habe. Ruhig warte ich auf die Angreifer. Dem ersten, der versucht mir ins Gesicht zu beißen, trete ich mit einem gezielten Kick gegen die Brust zu Boden. Dort zertrete ich seinen Kopf. Auch den zweiten Zombie nehme ich mir mit einem gut platzierten Fußtritt vor. Dann allerdings muss ich ein wenig von der Langlebigkeit meiner Waffe opfern und schlage dem stöhnenden Zombie den Kopf so heftig von den Schultern, dass selbst Marcus Fenix vor Neid erblasst wäre.

Wem das jetzt all zu vertraut vorkommt ... dafür gibt es einen guten Grund. Genau diesen Abschnitt habe schon in meiner Kritik zu Dead Island von vor zwei Jahren verwendet. Doch tauscht man nun den Baseballschläger gegen einen scharfen Spaten und den Hügel gegen ein halb geflutetes Fischerdorf aus, hat man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was einen in Dead Island: Riptide erwartet. Die Unterschiede zum Vorgänger sind beinahe so verschwindend gering, dass es schwierig war, sie überhaupt zu finden.

Bevor wir uns denen aber zuwenden, werfen wir einen Blick auf die Geschichte. Unsere vier gegen den Zombie-Virus immune Helden sind der Gefahr auf Banoi nur um Haaresbreite entkommen und landen mit ihrem Helikopter auf einem Militärschiff an der Küste. Dummerweise wird die neue Zuflucht von einem finsteren Kapitän geleitet, der mit dem Zombie-Virus herumexperimentiert. Was folgt, ist abzusehen: Noch ehe wir "erstklassige Idee" sagen können, toben die Zombies unkontrolliert über das Deck. Der Verursacher dieser misslichen Lage flieht im Helikopter vom Schiff und lässt den Kahn auf Grund laufen. Unsere Helden und einige wenige Überlebende werden an die Insel Palanai angespült und auf der lauern - natürlich - jede Menge Zombies.

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Dead Island: RiptideDead Island: Riptide
Problematisch: Dead Island: Riptide fühlt sich mehr wie eine Erweiterung denn wie ein eigenständiges Spiel an.

Wer sich schon mal den Eurovision Song Contest angesehen hat, weiß um den alten Trick der Song-Schreiber, ein und dasselbe erfolgreiche Lied meist nur durch einige Töne zu verändern. So verhält es sich auch mit Dead Island: Riptide, das Altbekanntes liefert mit nur wenigen Neuerungen.

Beispielsweise gibt es einen neuen Hauptcharakter, wodurch sich die Anzahl der wählbaren Figuren von vier auf fünf erhöht. Zudem schippern wir nun mit Hilfe eines Bootes über die Dschungelflüsse und müssen gelegentlich an bestimmten Orten Camps gegen eine Horde Zombies verteidigen. Schusswaffen stehen dabei nun wesentlich stärker im Vordergrund. Und das war's dann auch schon fast. Obwohl wir uns natürlich auf einer neuen Insel befinden und wir uns vielen neuen Herausforderungen stellen müssen, fühlt sich Dead Island: Riptide mehr wie eine Erweiterung denn wie ein eigenständiges Spiel an.

Ich mochte das erste Dead Island. Es dauerte zwar unglaublich lange, bis man endlich richtig in das Spiel eintauchen konnte, aber dann überzeugte es mit unterschiedlichen Umgebungen, langen Streifzügen durch trübe und gleichzeitig eindrucksvolle Gegenden und viele interessante Waffen, die wir aufrüsten und den Untoten an die Köpfe schlagen konnten. Der Höhepunkt war kurz, aber bestimmend.

Dead Island: Riptide
Schnell wird klar: Gute Begleiter aus dem echten Leben erhöhen den Unterhaltungswert sofort enorm.

Das Problem von Dead Island: Riptide ist, dass es sich stark an diese Vorlage hält, ohne dabei die Messlatte höher zu legen. Wir verbringen viele, viele Stunden in der Spielwelt, ohne je das Gefühl zu bekommen, wirklich etwas Neues zu erleben. So kämpfen wir gegen dieselben Gegner-Typen, erledigen identische Aufgaben und treffen auf ähnlich leicht verdrehten Leute. Und es dauert erneut eine ganze Weile, bis das Spiel richtig Fahrt aufnimmt. Kurz gesagt: Es ist das gleiche Essen, nur auf einem anderen Teller.

Der Mangel an Neuheiten mündet dann auch wesentlich schneller in Langeweile. Das Zombie-Genre ist gerade dabei, seinen Zenit zu überschreiten. Und wenn wir es dann auch noch mit den immer gleichen Gegnern zu tun bekommen und diese auf die immer gleiche Art erledigen, vermisst man schnell schlicht die Abwechslung.

Dead Island: Riptide bringt trotzdem Spaß. Gemeinsam mit ein paar realen Kollegen ging es zum Beispiel eines Nachts auf eine ausgiebige Erkundungstour. Schnell wird klar: Gute Begleiter erhöhen den Unterhaltungswert sofort enorm. Zum einen liegt es daran, dass es mit Gleichgesinnten mehr Spaß macht, über das sperrige Skript und die Zwischensequenzen zu lachen. Zum anderen funktionieren die Gegner-Mechaniken im Mehrspielermodus aber auch einfach besser. Hinzu kommt: Die Fähigkeit, extra Schaden anzurichten, wenn man einen Zombie in den Rücken sticht, ergibt im Einzelspielermodus kaum Sinn. Wenn wir aber gemeinsam auf die Jagd gehen und einer die Aufmerksamkeit des Gegners erregt, ist die Sache eine ganz andere.

Dead Island: Riptide
Das Spiel passt die Stärke der Gegner individuell an das Level jedes Spielers an.

Gerade im Koop bot das erste Dead Island einige schöne Innovationen und die sind zum Glück beibehalten worden. Der Online-Server behält stets im Auge, wo wir uns auf der Karte aufhalten und welchen Fortschritt wir bereits im Bezug auf Missionen und den Verlauf der Story erreicht haben. Ist ein anderer Spieler in der Nähe, der etwa genauso weit ist, können wir uns durch nur einen einfachen Knopfdruck zusammenschließen. Das funktioniert in der Praxis richtig gut.

Wollen wir mit unseren Freunden spielen, geht Dead Island: Riptide sogar noch einen Schritt weiter. Jederzeit lassen sich Freunde in unser Spiel einladen, während wir weiter spielen. Noch besser: Das Spiel passt die Stärke der Gegner individuell an das Level jedes Spielers an. Der angerichtete und eingesteckte Schaden wir automatisch skaliert. Natürlich behält der der Spieler mit dem höheren Level dabei seine größere Auswahl an Fähigkeiten. Ausrüstung, Beute und Belohnungen für erfüllte Herausforderungen werden ebenfalls angepasst - jeder bekommt also eine nützliche Waffe.

Mit anderen Worten: Dead Island: Riptide genießt man am besten in Begleitung. Allein ist es eine weitaus weniger befriedigende Erfahrung. Noch dazu machen uns Grafikfehler und Steuerungsprobleme das Leben schwer. Es ist zum Beispiel eine erstaunliche Herausforderung, auf eine Reihe von gestapelten Kisten zu springen, obwohl die ganz offenkundig genau zu diesem Zweck dort positioniert wurden. Dead Island: Riptide wirkt am Ende wie ein eiliger Nachfolger, mit dem sich ein schnelles Geschäft machen lässt. An den Grundzügen wurde nur wenig verändert, obwohl bereits zwei Jahre seit dem Erscheinen des Vorgängers vergangen sind. Wem das erste Spiel gefallen hat, der wird mit Sicherheit auch Dead Island: Riptide mögen. Gerade im Koop-Modus liefert das Spiel einen hohen Unterhaltungswert. Am Ende bekomme ich aber nur schwer das Gefühl los, eigentlich lieber Left 4 Dead spielen zu sollen.

Dead Island: Riptide
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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
umfangreich, großartige Koop-Features und darum vor allem in Begleitung unterhaltsam
-
plumpe Erzählweise, weniger unterhaltsam im Einzelspielermodus
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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