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Film-Kritiken
Cruella (Disney+)

Cruella (Disney+)

Die ikonische Bösewichtin kehrt in einer eigenständigen Geschichte zurück. Wie gut stehen Emma Stone die Farben schwarz-weiß?

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Estellas Kindheit war keine Einfache, das bemerken wir bereits als wir sie zum ersten Mal treffen. Sie wird aufgrund ihrer schwarz-weißen Haare gemobbt, verliert früh ihre Mutterfigur und ist später gezwungen, als Diebin mit zwei verwaisten Jungen zusammenzuleben. Doch als sie im Erwachsenenalter die Chance bekommt, für eine weltberühmte Modeikone zu arbeiten, sieht sie auch die Chance, ihr inneres Ego zu verwirklichen, um die Modewelt zu verändern - und sich an dem Mann zu rächen, der ihr so über die Jahre viel Schmerz verursacht hat.

Die Frage "Brauchten wir diese Geschichte wirklich?" stellt Disney gar nicht mehr und deshalb meine ich sie ebenfalls rhetorisch. Im Film bekommt Estella immer wieder Gelegenheit, ihre dunkle Seite raushängen zu lassen, denn der kleine Rebell ist ja so missverstanden (und absolut brillant). Die Präsentation ist nicht überzeugend, aber sobald wir die Kindheitstage und die weniger talentierten Kinderdarsteller verlassen, wird der Film plötzlich viel besser.

Emma Stone übernimmt den Film daraufhin mit ihrer Energie und ihrem Charisma vollständig. Die liebevolle Dynamik zwischen ihrer Figur und dem diebischen Duo Horace und Jasper (die Schurken beauftragt Cruella im Cartoon) wird sehr gut umgesetzt. Stone stiehlt ihnen allen die Show, wie es auch sein sollte, wenn Perücken und schillernde Kostüme am Fließband präsentiert werden. Hier fällt auf, dass Regisseur Craig Gillespie (Lars und die Frauen) viel Spaß mit dem Material hatte, während er Großbritannien in den Siebzigern in einer Explosion rebellischer Farben eintaucht und mit wilden Kamerafahrten den Unterschied zwischen den Slums und der High Society kontrastiert.

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Cruella (Disney+)

Der Film beginnt jedoch erst, sobald Estella ihre dunkle Seite umarmt. Cruella funktioniert am besten, wenn sie grausam, rücksichtslos und besessen ist, aber sie ist in diesem Portrait nicht das Welpen-tötende Böse. Die junge Frau ist eher ein rachsüchtiges Genie, das sich immer noch darüber bewusst ist, dass ihre Taten möglicherweise die Gefühle ihrer Lieben verletzt. In dieser Hinsicht fühlt sich Cruella wie Der Teufel trägt Prada auf Steroiden an, nur dass der emotionale Antrieb des Films viel schwächer ausfällt.

Denn wenn der Film an etwas leidet, dann ist es der letzte Akt. Die Geschichte ist viel zu lang und die Wendungen der Handlung betonen dieses Manko geradezu. Die Anzahl der dramatischen Auftritte wird mit der Zeit immer anstrengender, auch weil der Film dazu neigt, potenziell emotionale Momente mit einem unbefriedigenden Szenenwechsel abzuschließen. Dadurch wird Cruellas Kreuzzug gegen ihre Konkurrenz ermüdend.

Cruella wurde schon sehr früh mit Joker und Harley Quinn verglichen, was ästhetisch nicht ganz falsch ist. Die audiovisuellen Qualitäten tragen den Film an vielen Stellen, aber leider wird die Krimikomödie durch ihre übertriebenen Charaktere abgeschwächt. Diese Figuren wirken unwirklicher als ihr Cartoon-Varianten und den Diebstahlszenen fehlt es an Finesse. Obligatorische Erklärungen, wie die Herkunft des Namens Cruella De Vil sind zudem etwas forciert. Ich halte fest: Stone beherrscht den Gang auf dem Catwalk mit Bravour, doch der Laufsteg bröckelt bereits beim Drehbuch.

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