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Kritiken
Carrion

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Unseren menschlichen Entführern sind wir im monströsen neuen Horrorspiel von Devolver Digital entkommen.

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Ich werde sicher niemanden auf den Schlips treten, wenn ich behaupte, dass wir im Laufe der Jahre alle einige außerirdische Bestien getötet haben. Für einige von uns ist das praktisch zu einer Art Teilzeitjob geworden, doch Carrion dreht den Spieß um. Das neue Spiel von Phobia Game Studio versetzt uns in die Rolle des Monsters, denn es ist quasi eine Art umgekehrter Horror. Während wir uns durch enge Korridore quetschen und nervige Wissenschaftler fressen, die uns einst gefangen gehalten haben, ziehen wir eine Spur der Angst und der Zerstörung hinter uns her.

Carrion lässt sich von allen Teilen des Horrorgenres inspirieren, doch was wohl am auffälligsten ist, ist der Einfluss aus John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt (wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, dann holt das mal nach). Wir sind jedenfalls ein deformiertes, amorphes Stück Fleisch mit Zähnen und langen Tentakeln, mit denen wir Leute greifen und über den Boden wischen können. Es ist alles sehr eklig und ich liebe es.

Im Kern ist Carrion ein Metroidvania, wir schalten im Verlauf der Kampagne also regelmäßig neue Fähigkeiten frei, mit denen zuvor unerreichbare Orte plötzlich passiert werden können. Gleichzeitig lernen wir, mit den zunehmend herausfordernden Feinden umzugehen, die uns das Spiel im Verlauf der nur etwa vierstündigen Story entgegenwirft. Es ist ein Genre, das das Beste aus seiner Umgebung herausholt, doch für den Spieler bedeutet das eine Menge Backtracking, da die Areale sehr verschroben angeordnet sind. Die Umgebungen bleiben einfach nicht hängen und deshalb wird die Navigation erschwert. Dass ich mich ab und verlaufen habe, ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt und im Allgemeinen ging meine Flucht vor den Menschen ohne allzu viele Probleme vonstatten.

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Zerbrochene Glühbirnen und herausgebrochene Trümmer zeugen von unserer wachsenden Kraft, während das Blut an den Wänden und auf dem Boden die Wut in uns veranschaulicht.

Das Spiel ist manchmal ein bisschen vage mit unserem aktuellen Ziel, doch es hat noch niemandem geschadet, sich ein bisschen umzuschauen oder mal seinen Kopf anzustrengen. Carrion gehört auf jedem Fall zu den besseren Beispielen des Genres, denn viele Plätze haben ihren Reiz, weil sie von unseren Untaten berichten: Zerbrochene Glühbirnen und herausgebrochene Trümmer zeugen von unserer wachsenden Kraft, während das Blut an den Wänden und auf dem Boden die Wut in uns veranschaulicht.

Wie bereits erklärt sind die Fähigkeiten, die wir unterwegs freischalten, der Schlüssel zu unserem Fortschritt. In diesem Bereich toben sich die Entwickler kreativ wirklich aus, denn uns stehen häufig viele Optionen zur Verfügung. Wir erhalten zum Beispiel ein webartiges Projektil, das Hebel aus der Entfernung für uns aktiviert, oder wir werden nach einer Weile unsichtbar, wenn wir uns aufgeladen haben. Die Umgebungen in Carrion deuten zudem grob an, welche Herausforderung uns als Nächstes erwartet, das werdet ihr mit fortschreitender Spielzeit sicher auch feststellen.

Wenn es zum Beispiel einen Generator gibt, dann wird der auch zum Einsatz kommen. Entdeckt ihr irgendwo ein Wasserbecken, wird die Lösung für unser kommendes Problem darin bestehen, dass wir dort einen Teil unserer Biomasse ablegen, um auf Fähigkeiten zuzugreifen, die eine andere Evolutionsstufe voraussetzen. Es gibt einige Puzzle-Räume, in denen der Weg nach vorne auf dem ersten Blick versperrt zu sein scheint, doch die größte Herausforderung in Carrion ist mit Abstand die Navigation, da uns manchmal die fummelige Steuerung im Weg steht.

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Besonders in den hektischen Kämpfen mit mehreren Feinden ist es ein beeindruckendes Schauspiel, wenn Gliedmaßen, Kugeln und Trümmer hin- und herfliegen.

In Carrion wird intelligentes, vielschichtiges Spiel-Design durch einige ekelhafte Grafiken ergänzt. Es fühlt sich zugegeben bizarr an, wie sehr ich meinen bitterbösen Amoklauf durch die verwinkelten und manchmal unverständlichen Umgebungen dieser wissenschaftlichen Anlage so sehr genossen habe. Dafür erwarten uns einige schöne Pixelkunst-Designs, wenn wir sie entdecken. Ich habe bereits die angenehm reaktiven Umgebungen erwähnt, aber die Animationen sind ebenfalls ziemlich gut gelungen. Die Menschen bewegen sich meist ein wenig steif, aber unser Wesen rollt und greift und spritzt sich mit einer befriedigenden Fließfähigkeit über den Bildschirm, was in Anbetracht der Geschwindigkeit umso beeindruckender ist. Besonders in den hektischen Kämpfen mit mehreren Feinden ist das ein beeindruckendes Schauspiel, wenn Gliedmaßen, Kugeln und Trümmer hin- und herfliegen.

Wenn dieses Chaos seinen Lauf nimmt, leisten die meisten Menschen, denen wir begegnen, nicht viel Widerstand und werden schnell von uns verzehrt, doch sobald die Flammenwerfer und die Energieschilde ins Spiel kommen, werden die Dinge entschieden schwieriger. Carrion ist kein besonders umfangreiches Spiel, bietet aber herausfordernde Momente. Wenn es funktioniert, alle Elemente zusammenklicken und wir unsere Aktionen mit grausamer Eleganz ausführen, dann gleitet dieses eklige rote Alien geschmeidig durch die Gänge und lässt sich von nichts stoppen. Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, habe ich dieses blutige Durcheinander eines Spiels sehr genossen, denn es ist ebenso makaber wie befriedigend. Wenn ihr euch nach einem Metroidvania sehnt und einen starken Magen habt, dann schaut euch das Spiel von Phobia Game Studio ruhig an.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
hervorragende Ausführung dieses grausamen Konzepts, sieht dank exzellenter Pixelkunst sehr gut aus, läuft flüssig.
-
Umgebungen fühlen sich manchmal erfunden an und bleiben nicht in Erinnerung, Steuerung etwas fummelig.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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