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Call of Duty: Infinite Warfare

Call of Duty: Infinite Warfare

Wir haben uns in London eine ganze Weile durch alle Angebote von Call of Duty: Infinite Warfare geballert - und Katrine ist wirklich sehr happy mit dem Ergebnis.

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Call of Duty hat so seinen Ruf. Man kann den Titel nicht erwähnen, ohne irgendeine Reaktion zu bekommen - und der neuste Teil der Reihe Call of Duty: Infinite Warfare wurde nicht gerade herzlich begrüßt. Der Ankündigungstrailer hält schon lange den Platz als das zweit-unbeliebteste Video auf Youtube.

 Es scheint, als würde das Internet Call of Duty hassen, bevor es überhaupt erschienen ist. Die Kritik: Entweder sieht es zu sehr nach den Vorgängern aus oder es wurde zu viel verändert. Aber die Spiele verkaufen sich trotzdem gut.

Ich bin nach London gefahren, um mir möglichst unvoreingenommen einen Eindruck zu verschaffen.

 Ich setze mich also vor den riesigen Bildschirm und schaue dem Helden des Spiel, Captain Reyes, direkt in die Augen. Mir ist hier noch nicht bewusst, welch großartige Story er mir erzählen würde. Alles fängt damit an, dass das die Menschheit gezwungen ist, Ressourcen auf anderen Planeten zu finden, weil die Erde nicht mehr ausreicht. Die Rebellen (SDF) mit ihrem Anführer Admiral Kotch versuchen derweil, über den Flaschenhals der Ressourcen die Erde zu übernehmen und die Menschheit zu kontrollieren. Während einer Parade der UNSA auf der Erde schlagen sie zu. Die gesamte Flotte nimmt teil und die Verluste sind überwältigend. Einer der Gefallenen ist der Boss von Reyes, der nun selbst plötzlich zum Befehlshaber des riesigen Kriegsschiffs Retribution und seiner Crew wird.

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Call of Duty: Infinite WarfareCall of Duty: Infinite Warfare
Die Kampagne erzeugt große und überwältigende Gefühle von Verantwortung für die Soldaten und Zivilisten.
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Dieses Mal haben wir einen völlig anderen Auftrag. Wir spielen nicht als Soldat unter tausenden Soldaten, sondern sind Anführer und Captain. Wir sind derjenige, der all die schweren Entscheidungen treffen muss und müssen mit den Konsequenzen leben. Reyes will natürlich, dass jeder einzelne Soldat lebend von den Missionen zurückkehrt. Aber so funktionieren Kriege eben nicht, also muss sich Reyes trotz seiner Intentionen großen Ängsten stellen, wenn er die Erde retten will.



Die Kampagne erzeugt große und überwältigende Gefühle von Verantwortung für die Soldaten und Zivilisten. Es zerreißt einem das Herz und man fühlt mit den lebendig wirkenden Charakteren. Die Immersion wird durch die wunderschöne Grafik und das Gameplay, das nahtlos mit den Zwischensequenzen verbunden ist, noch weiter verstärkt. 

Neben der Erzählweise hat Infinity Ward auch an den Spielerfreiheiten gearbeitet. Auch wenn die Geschichte selbst linear verläuft, darf man jetzt optional Nebenmissionen angehen. Man kann an Schiffsangriffen teilnehmen und gegnerischen Schiffe infiltrieren. Dabei wird man zum Schleichen ermuntert - das Messer in der Hand, versucht man die Gegner der Reihe nach auszuschalten. Aber man kann auch die Knarre auspacken und durchdrehen.

Die Nebenmissionen sorgen für Abwechslung und sind eine angenehme Pause vom action-geladenen Geballer der Hauptgeschichte. Es gibt auch Nebenmissionen, in denen Reyes seinen kleineren, agilen Jetfighter besteigt und sich in Luftkämpfe stürzt.

 Es hagelte reichlich Kritik für den Sci-Fi-Ansatz - und auch ich war skeptisch. Aber der futuristische Ansatz von Infinite Warfare wird nie zu viel. Es ist keine unglaubwürdiger Nonsens und die Waffen wirken nicht übertrieben. Ich finde, dass Infinity Ward eine schöne Mischung aus einem zeitlosen Märchen und dem futuristischen Hintergrund gelungen ist.



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Ein schöner Kontrast zur Kampagne ist der Zombie-Modus mit seiner bunten und albernen Optik.

Ein schöner Kontrast zur Kampagne ist der Zombie-Modus mit seiner bunten und albernen Optik. Die Geschichte beginnt mit der Ankunft der hoffnungsvollen Schauspieler beim Casting für eine Rolle im neuen Film des berühmten Horror-Regisseurs Willard Wylers. Sie wissen aber nicht, dass dieses Casting innerhalb des 1980er-Retrofilms "Zombies in Spaceland" spielt. Wir treffen Zombies mit neonfarbenen Hosen, verrückten Frisuren und Stulpen. Und als würde das nicht reichen, findet dies alles noch in einem geschlossenen Vergnügungspark statt, den wir wieder mit Strom versorgen müssen. Der Vergnügungspark ist wohl die größte Karte, die der Zombie-Modus je spendiert bekommen hat.



Auf unseren Reisen durch den Park versorgt uns David Hasselhoff mit den größten Hits der Achtziger. Es gibt Fallen aus Ghettoblastern, durch die die Zombies zum Tanzen gezwungen werden, bis die Soundanlage explodiert. Der Park ist vollgestopft mit spaßigen und verrückten Elementen, die man unmöglich in ein paar Stunden alle entdecken kann. Das Zombie-Gemetzel hat wirklich viel Spaß gemacht.

 Ich weiß, dass der Zombie-Modus nicht grade für seine Grafikpracht bekannt ist, aber nach der wunderschönen Kampagne bekommt man hier wirklich ordentlich Augenschmerzen. Ist zwar "nur" ein Bonus, aber die Grafik könnte wirklich hübscher sein.



Dann wäre natürlich noch der berühmte Multiplayer. Dank des futuristischen Settings gibt es wieder Wall-Running, Boosting und futuristische Waffen. Es gab viele Beschwerden, dass genau diese Elemente den Multiplayer ruinieren würden, weil die Spieler herumfliegen und wie irre die Wände entlang rennen. Ich finde, die Balance ist dieses Mal besser gelungen und die Matches sind weniger verwirrend. Ich kann nicht garantieren, dass ihr diese Elemente in Infinite Warfare nicht trotzdem hassen werdet - aber es besteht die Chance. Die bessere Balance sorgt für geschmeidigere und spaßige Matches.



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Neben dem neuen Klassensystem gibt es jetzt im Multiplayer auch Waffen-Crafting - und man kann die Knarren auch über Supply Drops "kaufen".

Neu sind die sechs Klassen, die Rigs genannt werden. Die Rigs haben ihre eigenen drei passiven Skills, die man freischalten und auswählen kann. Warfighter ist der klassische unter ihnen, Merc der schwer bewaffnete und Synaptic ist ein Roboter für alle, die sich gerne in die Kämpfe stürzen. Mit höherem Level kommen noch FTL, Stryker und Phantom dazu, die etwas unterschiedliche Spielweisen unterstützen. 

Mit den Rigs, ihren passiven Fähigkeiten und ihrer Ausrüstung kann man alles perfekt dem eigenen Spielstil anpassen. Das wäre zum Beispiel der Equalizer von Synaptic, zwei eingebaute Maschinengewehre, mit deren Hilfe man Feinde in Rekordzeit auseinander nehmen kann. Der Eraser von FTL pulverisiert die Gegner wie der Annihilator aus Call of Duty: Black Ops 3. 



Neben dem neuen Klassensystem gibt es jetzt im Multiplayer auch Waffen-Crafting. In jeder Runde erhält man Schrottteile, mit denen man unterschiedliche Waffen verbessern kann. Das beeinflusst nicht nur die Werte der Waffen, sondern gibt uns Zugang zu Spezialfähigkeiten, den Gun Perks. Die verstärken die Waffen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Das Problem mit dem Waffen-Crafting und den Versorgungs-Drops ist aber, dass Infinite Warfare schnell zum "Pay-to-Win"-Titel werden könnte.

Ich habe ein wenig gewartet, um meine Supply Drops, die ich von Activision bekommen habe, zu öffnen, um das System auszutesten. Ich habe also so einige Matches gegen Leute gespielt, die bessere Waffen hatten als ich - und das wurde sehr schnell sehr langweilig. Wer sich für den Grind bis zu den legendären Waffen entscheidet, statt echtes Geld auszugeben, ist klar im Nachteil und kann unmöglich mithalten. Die Zeit wird zeigen, ob das im realen Multiplayer wirklich zum Problem wird.

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Call of Duty: Infinite Warfare ist ohne jeden Zweifel ein Call of Duty-Spiel mit schnellen, actionreichen Schießereien und dazu ein großartiger Egoshooter.

Neben den bekannten Waffen gibt es auch einige neue Spielzeuge. Je höher der eigene Level ist, desto mehr Zeug schaltet man frei. Dazu gehören etwa die spinnenartigen Sucher-Granaten, die sich an den Gegner
heften, bevor sie explodieren. Oder die etwas lächerlichen Black Hole-Granaten, die ein Schwarzes Loch erzeugen, das die Gegner einsaugt. Aber es gibt viele großartige, neue Waffen, mit denen wir herumspielen dürfen. Punkteserien sind auch wieder mit von der Partie - sowohl neue als auch alte Bekannte. Aber als ich endlich die nötigen Punkte beisammen hatte, waren die Streaks eher wenig beeindruckend. Vielleicht müssen sie einfach ein wenig verstärkt werden, damit sie wirklich episch wirken.


 Man kann Waffen auch mit den neuen Mission-Teams freischalten. Man fängt mit nur einem Mission-Team an, aber man kann vier freischalten. Dadurch bekommt man Herausforderungen, die unterschiedliche Spielweisen fördern. Es gibt also viele Möglichkeiten, neue Waffen freizuschalten.



Die Spielmodi im Multiplayer sind Klassiker wie Drop Zone, Infected, Team Deathmatch, Free for All, Domination, Search and Destroy, Hardpoint, Kill Confirmed, Gun Game, Chaos Moshpit, Ground War, Uplink und Capture the Flag. Aber es gibt auch neue Modi wie Defender und Frontline. Defender ähnelt Uplink, hier muss man eine Drohne erobern und verteidigen. Frontline ist eine Variante von Team Deathmatch, bei der beide Teams eine Basis haben, in der sie spawnen. Für Punkte müssen die Spieler in der neutralen Zone getötet werden und nicht in ihrer eignen Basis.

 Die Karten sorgen allesamt für schnelle Matches. Sie haben die richtige Größe, so dass man sich immer sofort in den Kampf stürzen kann, aber auch in Ruhe spawnen darf. Jede Karte bietet offene Areale, lange Korridore und erhöhte Positionen für Scharfschützen. Aber wenn ihr mich fragt, wie die Karten eigentlich ausgesehen haben - ich kann mich nicht erinnern. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten Karten in oder auf Raumstationen sind und sich sehr ähnlich sehen. Es ist natürlich wichtig, dass die Karten für großartige Duelle und tolles Gameplay sorgen, aber ein wenig mehr Abwechslung hätte sicher nicht geschadet.


Call of Duty: Infinite Warfare ist ohne jeden Zweifel ein Call of Duty-Spiel mit schnellen, actionreichen Schießereien und dazu ein großartiger Egoshooter. Es wird die Serie nicht mit neuen, verrückten Elementen oder völlig anderem Spielstil revolutionieren, es ist aber auch keine schlichte Kopie eines der älteren Titel. Infinite Warfare ist ein eigenständiges Spiel, das mir wirklich Spaß gemacht hat. Die Einzelspieler-Kampagne hatte eine tiefe und bedeutsame Story, der Zombie-Modus seine alberne Stimmung und der Multiplayer ist schnell und prima ausbalanciert. Ein Spielerlebnis, das ich wirklich nicht missen möchte.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
tolle Geschichte in der Kampagne, neue Nebenmissionen bieten mehr Variation, schöner Zombies-Modus, Multiplayer mit actionreichen Schlachten, schönes und hohes Tempo
-
Multiplayer-Karten sehen etwas eintönig aus, Waffen für Multiplayer lassen sich mit Echtgeld kaufen
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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