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Bravely Default II

Bravely Default II

Das neue Spiel von Team Asano und Claytechworks wird vielleicht kein Klassiker, doch trotz kleinerer Probleme werden Neulinge und Veteranen gut unterhalten.

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Die Bravely-Spiele hatten immer schon ein ganz bestimmtes Aussehen und dieser Kunststil wird auf der Switch erneut zum Leben erweckt.

Das Nintendo-3DS-Spiel Bravely Default ist eines der besten JRPGs des letzten Jahrzehnts. Die Kombination aus einem herausragenden Kampfsystem, großartigen Charakteren, coolen Kniffen in der Handlung und einem brillanten Soundtrack machte es zu einem Must-Have-Titel für das System. Bravely Default ließ sich klar von den früheren Final-Fantasy-Spielen inspirieren und präsentierte sich als einzigartige Mischung aus alten und neuen Ideen. Dabei wurden die Elemente des Genres, die den Test der Zeit bestanden haben, übernommen und mit einigen neuen Zutaten angereichert, um die Erfahrung für ein modernes Publikum aufzupeppen.

Nach der Erstellung einer direkten Fortsetzung (Bravely Second: End Layer), die trotz weniger Ambitionen und einer eher vergessenswerten Handlung einigen Spaß gemacht hat, sowie dank des großartigen HD-2D-Ausflugs Octopath Traveller, der einige von Bravely-Defaults Kampfmechaniken geerbt hat, ist das Team nun bereit, Bravely Default II auf die Switch zu führen. Falls euch der Name verwirren sollte, hilft der Vergleich mit der Hauptreihe von Final Fantasy: Elemente aus früheren Titeln sind möglicherweise noch vorhanden, Bravely Default II bietet jedoch eine völlig neue Geschichte in einer fremden Umgebung, für die keinerlei Vorkenntnisse erforderlich sind (Bravely Second: End Layer hingegen ist eine direkte Fortsetzung der Ereignisse aus Bravely Default).

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Der gefühlsstarke Klang der Bravely-Default-Spiele ist mit keinem anderen JRPG vergleichbar, und auch Bravely Default II setzt dieses großartige Erbe fort.

Unsere Geschichte beginnt jedenfalls mit dem Seemann Seth, der nach einem schrecklichen Sturm an die Küste des Königreichs Halcyonia geschwemmt wird. Dort begegnet er Gloria, der verbannten Prinzessin von Musa, und ihrem bewaffneten Ritter Sir Sloan. Seth erfährt bei dieser Gelegenheit von den vier Elementarkristallen, die die Natur in Schach halten. Doch als das Königreich Musa vor drei Jahren von der kriegstreibenden Nation Holograd angegriffen wurde, gingen die Erd-, Wasser- und Feuer-Kristalle verloren und mit ihnen das Gleichgewicht der Naturgewalten.

Inzwischen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Welt ins Unglück stürzt, deshalb macht sich Gloria auf den Weg, um die Kristalle wiederzugewinnen. Neben Seth wird sich die Söldnerin Adelle, die nach ihrer verlorengegangenen Schwester sucht, sowie der nonchalante Gelehrte Elvis, der sogenannte „Asterisks" erforscht - mysteriöse Steine - ihrer Sache anschließen. Die Geschichte um die Wiedergewinnung der vier Elementarkristalle dürfte so gut wie jedem Fan eines Final-Fantasy-Spiels der Achtziger- und Neunzigerjahre bekannt vorkommen. Die übergeordnete Rahmenhandlung von Bravely Default II ist also nicht gerade revolutionär und leider sind es die vier Hauptfiguren auch nicht. Elvis und Adelle haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht, während Seth und Gloria ziemlich steife und langweilige Charaktere sind, die man schon bald wieder vergessen wird.

Die mangelnde Charakterisierung der Figuren wird bei den Nebendarstellern noch deutlicher, insbesondere bei einigen der Bösewichte. Die haben manchmal keinerlei Motive für ihre Handlungen, abgesehen von der Tatsache, dass sie eben die Bösen sind. Zum Glück gibt es narrativ auch ein paar positive Beispiele, denn manche Kapitel weisen düstere und komplexe Handlungsverläufe auf, die uns mit spannenden und faszinierenden Hintergründen fesseln. Wie schon beim Vorgänger wird es im Spielverlauf einige Wendungen geben, die durchaus zu überraschen wissen. Bravely Default II hat vielleicht nicht die Qualitäten eines echten Klassikers, aber das bedeutet nicht, dass es die Spieler nicht unterhalten wird.

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Die Geschichte um die Wiedergewinnung der vier Elementarkristalle dürfte so gut wie jedem Fan eines Final-Fantasy-Spiels der Achtziger- und Neunzigerjahre bekannt vorkommen.

Der Kern des Spiels liegt ohnehin im vielschichtigen Kampf- und Klassensystem. Veteranen werden sich von Anfang an wie zu Hause fühlen (bzw. sich schnell wieder einleben), während Neulinge die Struktur des charakteristischen Brave-/Default-Systems der Serie erlernen. Alle Kämpfe in Bravely Default II sind rundenbasiert, doch während eines Zuges kann jeder Charakters den Befehl „Brave" anwenden, um mehrere Aktionen auszuführen. Alle Charaktere erhalten pro Spielzug automatisch einen Brave-Punkt (BP) und wenn ihr euch dazu entscheidet, den Befehl „Default" (die Bezeichnung des Spiels für „Verteidigen") zu wählen, dann wird euer Brave-Punkt für später aufbewahrt.

Ein Charakter kann übrigens auch dann mehrere Aktionen aneinander ketten, wenn sie oder er noch gar nicht über genügend Brave-Punkte verfügt. Dann muss diese Figur allerdings damit rechnen, für mehrere Runden gar nicht mehr reagieren zu können, bis sich ihr BP-Haushalt wieder eingepegelt hat. Der Schlüssel zu den Kämpfen von Bravely Default II besteht folglich darin herauszufinden, wann man die stärksten feindlichen Angriffe abwehren und verteidigen muss, und wann ihr den Brave-Befehl spamt, als gäbe es kein Morgen mehr, um den Gegner mit mächtigen Angriffen hoffentlich zu überrumpeln.

Wenn ihr euch einem der vielen Bosse stellt, werdet ihr nach erfolgreicher Schlacht oft mit einem neuen Asterik belohnt, der eure Gruppe wiederum einen neuen Job eröffnet - den Begriff des Spiels für Charakterklassen. Das Abenteuer beginnt sehr langsam mit Standardklassen, wie dem Schwarzmagier, dem Heiler oder dem Mönch, aber es dauert nicht lange, bis ihr weitere und interessantere Varianten freischaltet. Habt ihr euch auf einen Hauptjob festgelegt, sammelt euer Charakter zusätzlich zur allgemein gewonnenen Erfahrung Jobpunkte. Höhere Job-Level gewähren Zugang zu neuen Fähigkeiten und Talenten, die den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können. Ihr könnt die verschiedenen Klassen des Spiels auch als Sub-Job festlegen, um Zugriff auf bereits gelernte Fähigkeiten zu erhalten. Die passive Klasse verdient allerdings keine Jobpunkte.

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Habt ihr euch auf einen Hauptjob festgelegt, sammelt euer Charakter zusätzlich zur allgemein gewonnenen Erfahrung Jobpunkte.

Zudem könnt ihr pro Charakter bis zu fünf passive Fähigkeiten erlernen, die unabhängig von euren Haupt- und Nebenjobs ausgewählt werden können. Der ständige Zugang zu neuen Fähigkeiten, passiven Talenten und Jobs, die uns das Spiel vehement zur Verfügung stellt, ist wie gesagt die treibende Kraft hinter Bravely Default II. Ihr werdet euch kontinuierlich weiterentwickeln und viel Zeit damit verbringen, neue Klassen zu erlernen, um die Möglichkeiten eines jeden Charakters zu maximieren und bestmöglich für kommende Herausforderungen gewappnet zu sein. Bravely Default II hat übrigens keine Angst davor, euch eine angemessene Herausforderung zu stellen. Wer nicht schnell genug auf neue Feinde und deren Fähigkeiten reagieren kann, wird in Windeseile zum Titelbildschirm zurück geschickt und muss den letzten Speicherpunkt neu laden.

Wenn ihr euch nicht gerade in einem Kampf befindet, werdet ihr exotische Orte erkunden, durch tiefe Kerker streunern oder auf der Weltkarte herumlaufen. Letzteres wird von einer schrecklichen Kamera gequält, die es nahezu unmöglich macht, sich einen Überblick zu verschaffen. Durch die offene Welt zu wandern ist ein Ärgernis, deshalb solltet ihr so schnell wie möglich zu eurem nächstgelegenen Zielort gelangen (die Tatsache, dass Monster auf der Karte sichtbar sind, ist jedoch eine willkommene Abwechslung). In den Städten und Dungeons ist die Kamera statisch positioniert, in einiger Entfernung über dem Geschehen, was die Navigation gleich deutlich verbessert. An friedlichen Orten werdet ihr nach einiger Spielzeit außerdem das Kartenspiel B 'n' D spielen können, das quasi Othello mit ein paar zusätzlichen Regeln ist.

Die Bravely-Spiele hatten immer schon ein ganz bestimmtes Aussehen und dieser Kunststil wird auf der Switch erneut zum Leben erweckt. Die Orte im Spiel sind sehr schön mitanzusehen, besonders die Städte. Einige mögen das Charakter-Design als etwas seltsam und abstoßend empfinden, aber wenn ihr euch ebenfalls gerne an die alte Schule zurückerinnert, bevor JRPGs zu einem auf Waifus ausgerichteten Fan-Service wurden (ja Xenoblade Chronicles 2, ich sehe dich an!), dann werdet ihr mit diesem Stil eine willkommene Abwechslung bekommen. Es ist ein einfaches, gleichzeitig aber auch vollkommenes Design mit vielen kleinen Details, die auf der Switch mit Licht- und Schatteneffekten angereichert werden. Leider kämpft das Spiel hin und wieder mit der Performance, bemerkbar sind zum Beispiel merkliche Framerate-Einbrüche und nachladende Texturen. Wird das eure Erfahrung ruinieren? Wahrscheinlich nicht, aber ihr werdet es immer wieder bemerken.

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Bravely Default II hat übrigens keine Angst davor, euch eine angemessene Herausforderung zu stellen.

Auffällig ist auch der herausragende Soundtrack, der vom Künstler Revo stammt. Den talentierten Musiker werden die meisten von euch vom legendären Attack-on-Titan-Intro kennen, dem er ebenfalls seine persönliche Note aufdrücken konnte. Der gefühlsstarke Klang der Bravely-Default-Spiele ist mit keinem anderen JRPG vergleichbar, und auch Bravely Default II setzt dieses großartige Erbe fort. Obwohl die Musik im ersten Spiel insgesamt besser sein könnte, gibt es in diesem Abenteuer einige großartige Tracks, die sich über eine breite Palette von Genres und Instrumenten erstrecken.

Wenn ihr schon immer einen Videospiel-Soundtrack mit Flamenco, Folk-Melodien, Flöten, Akustikgitarre und abwechslungsreichen Heavy-Prog-Rock-Rhythmen hören wolltet, dann seid ihr hier genau richtig (als erfahrener Akkordeonist hat Revo natürlich auch einige tolle Akkordeon-Tracks aufgenommen). Die verschiedenen Themen und Leitmotive, die im Laufe des Spiels umgesetzt werden, sind faszinierend und natürlich dürfen die langjährigen Fans einige nette Rückbesinnungen an den ersten Teil erwarten.

Bravely Default II ist eine schöne Mischung, die sich gleichzeitig alt und frisch anfühlt. Die Entwickler verneigen sich tief vor den goldenen Zeiten von Final Fantasy, schaffen daraus letztlich jedoch etwas Neues und Modernes für die heutigen Spieler. Das Spiel hat einige offensichtliche Schwachstellen, darunter die technische Performance, die übergeordnete Erzählung oder die schwachen Charaktere (insbesondere die Bösewichte). Das exzellente Kampf- und Klassensystem, sowie die audiovisuelle Präsentation sind jedoch mehr als genug, um eine insgesamt überzeugende Erfahrung zu vermitteln. Die Bravely-Spiele sind vielleicht nicht für jeden Spielertypen geeignet, aber Bravely Default II hat mehr als genug großartige Eigenschaften, um Fans von alten JRPGs anzusprechen.

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Wie schon beim Vorgänger wird es im Spielverlauf einige Wendungen geben, die durchaus zu überraschen wissen.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
komplexes und sich stets veränderndes Kampfsystem, wunderschöner Stil und viele Artworks, großartiger Soundtrack, einige Teile der Geschichte sind sehr spannend, B 'n' D ist ein fantastisches Minispiel.
-
Weltkarte wird von schrecklicher Kamera geplagt, Charakterentwicklung und Story-Fortschritt sind nicht auf einer Stufe, kleinere Leistungsprobleme.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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