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Der ungebrochene Hype des X-Men Franchise

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Im Jahr 1963 nahm die Legende ihren Anfang, denn zu jener Zeit erschufen Stan Lee und Jack Kirby die Superheldengruppe X-Men, die aus Mutanten mit übermenschlichen Fertigkeiten besteht. Zu Anfang war der neuen Comicserie kein großer Erfolg beschieden, bis zwölf Jahre später die Neuinterpretation eines anderen Autorenteams erschien: Plötzlich gingen die Hefte weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, in den 80er und 90er Jahren schrieb die Reihe dann tatsächlich Comic-Geschichte - und eroberte ganz nebenher verschiedene weitere Genres.

Eine richtig gute Geschichte lässt sich immer wieder neu erzählen, in unterschiedlichen Varianten, mit verschiedenen Akzenten, in Nebenstorys und Fortsetzungen. Als die »All New All Different X-Men« in den 70er Jahren plötzlich auf der Erfolgswelle schwammen, setzte dies jede Menge kreative Energien frei. Zur ursprünglichen Comicreihe gesellten sich zunächst einige Nebenserien, in den frühen 90ern gab es dann mit »X-Men: Pryde of the X-Men« einen ersten Versuch, die Story in Zeichentrick umzuwandeln, doch der Pilotfilm fand damals zu wenig Anklang. Wie bereits zuvor klappte erst der zweite Anlauf wie am Schnürchen, dieses Phänomen scheint sich wie ein roter Faden durch die Biographie dieser Heldentruppe zu ziehen.

Die US-amerikanische X-Men-Serie, die ab 1993 in Deutschland ausgestrahlt wurde, umfasste bis zu ihrem Abschluss im Jahr 1997 exakt 76 Folgen, aufgeteilt in 5 Staffeln. Leider wurde die 5. Staffel nicht synchronisiert, da sich der Erfolg nicht in vollem Umfang von den USA auf Deutschland übertragen ließ. Außerdem ging es bei der Produktion etwas chaotisch zu, sodass die Ausstrahlung teilweise in zufälliger Reihenfolge erfolgte und die Handlungsstränge durcheinandergerieten. Doch wie auch immer: Das Marvel Animated Universe erhielt mit »X-Men: The Animated Series« ein starkes neues Standbein, das sich zu Kassenschlagern wie »Der unbesiegbare Iron-Man«, »The Avengers - United They Stand« und »Der unglaubliche Hulk« gesellte.

1994 griff der bekannte Hollywoodproduzent 20th Century Fox beherzt zu und sicherte sich die Filmrechte am X-Men-Franchise. Bis heute dürften die Verantwortlichen diesen Schritt nicht bereut haben, denn zwischen den Jahren 2000 und 2017 entstanden daraus zehn erfolgreiche Blockbuster. Die Regie für die ersten beiden Filme übernahm Bryan Singer, der gerade einen unangenehmen Kinoflop hinter sich hatte. Doch das 100-Millionen-Dollar-Budget für den Streifen mit dem schlichten Titel »X-Men« war bei ihm sichtlich in guten Händen und führte so zum vollen Erfolg. »X-Men 2« übertrumpfte den Einstiegsfilm sogar noch um Längen, doch der erfolgreiche Regisseur zog sich danach trotzdem kurzfristig von diesem vielversprechenden Projekt zurück, um »Superman Returns« zu drehen. So schloss Brett Ratner die Trilogie im Jahr 2006 ab und setzte der Erfolgsserie damit die Krone auf: »X-Men: Der letzte Widerstand« verzeichnete ein noch besseres Einspielergebnis als seine beiden Vorgänger, die Mutanten durften sich spätestens jetzt echte Hollywoodstars nennen.

Die Fans verlangten nach mehr, und ihr Wunsch wurde prompt erfüllt. Bis dato folgten 7 Ableger des üppig sprießenden X-Men-Filmstammbaums, insgesamt spülten die Filme 4,3 Milliarden Dollar in die Kassen von 20th Century Fox. Damit stehen die X-Men auf der Erfolgsliste internationaler Filmreihen an sechster Stelle. Zu diesem unglaublichen Triumph trugen sicher auch die überraschenden Gastauftritte von umjubelten Stars und Sternchen bei, darunter zum Beispiel der Cameo-Auftritt einer lebenden Legende aus der Welt des Sports: In »X-Men Origins: Wolverine« zockt Daniel Negreanu eine Runde Texas Hold'em mit Gambit und Wolverine. Auch Bryan Singer konnte sich nicht enthalten, sich selbst in der X-Men-Reihe schauspielerisch zu verewigen. Er ließ sich in »X-Men-Apocalypse« von Wolverine persönlich niedermetzeln und hatte seine Freude daran Das ist nun eine der vielen Sachen, die ich in meinen Lebenslauf einbringen kann.

Kritiker sehen die X-Men-Filme überwiegend positiv, doch der Streifen »X-Men: Zukunft ist Vergangenheit«, der auf dem gleichnamigen Comic basiert, schoss diesbezüglich den Vogel ab. Zu diesem Zeitpunkt, nämlich im Jahr 2014, war Bryan Singer längst wieder Kapitän des großen X-Men-Dampfers - und sammelte dafür jede Menge Lobeslorbeeren ein. Cinema erkannte in dem Blockbuster ein »imposantes und intelligentes Superheldenkino«, während die Zeitschrift Filmdienst von einem originellen Film spricht der »die Diskussion um Akzeptanz und Diskriminierung« aufgreift. Marvels Superhelden schweben nun einmal nicht in einem abgehobenen Universum, sondern es handelt sich stets um verletzliche Wesen mit individueller Geschichte, die neben ihren erstaunlichen Fähigkeiten auch menschliche Gefühle zeigen. Wäre Wolverine nichts weiter als ein bösartiger Killer oder ein übermenschlicher Heiliger, dann hätte er niemals die Herzen seiner Fans in aller Welt erobert.

Neben der Kinofilmreihe entstand 1996 der Fernsehfilm »Generation X«, der ursprünglich als Pilot für eine weitere Serie geplant war. Leider fiel das Budget allzu gering aus, was sich auf die Filmqualität und die Zufriedenheit des Publikums niederschlug. Mit von der Partie waren unter anderem die White Queen, Banshee, M, Mondo und Jubilee. Letztere ist im Original eine Chinesin, wurde im Film aber als Amerikanerin dargestellt: Auch dieser Winkelzug kam bei den Zuschauern nicht gut an. Das Lexikon des internationalen Films nennt den Streifen einen »trivialen Science-Fiction-Thriller«, doch dieser kleine Fehltritt vermochte die gigantische Superheldenwelle keineswegs aufzuhalten.

Aktuell liegen noch einige weitere Kinofilme auf Halde, ein Ende des X-Men-Hypes ist also noch nicht abzusehen. Zuerst sei »X-Men: The New Mutants« zu nennen, der unter der Regie von Josh Boone entsteht. Der Filmemacher erlangte weltweite Bekanntheit durch das emotionale Drama »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«, diesmal wendet er sich fantastischen Charakteren wie Magik, Wolfsbane, Mirage und Warlock zu. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Frühjahr beginnen, die Fangemeinde darf sich also auf eine baldige Veröffentlichung freuen. Hinzu gesellt sich der siebte X-Men-Hauptfilm, dessen fertig geschriebenes Drehbuch bereits im Studio liegt. Außerdem soll Anfang 2018 die Verfilmung eines Drehbuchs von Josh Zetumer beginnen, diesmal steht Gambit im Mittelpunkt der Handlung. Nicht zuletzt wird mit der Fernsehserie »Legion« demnächst eine von den Kinofilmen unabhängige X-Men-Version starten.

In digitalen Zeiten begnügen sich die Marvel-Fans nicht mehr nur mit der Zuschauerrolle, sie möchten selbst mitmischen, Entscheidungen treffen und aktiv in die Story eingreifen. Nintendo kam diesem Bedürfnis als erster Anbieter entgegen, bereits 1989 brachte das japanische Unternehmen das erste X-Men-Game für die Videospielkonsole Nintendo Entertainment System (kurz: NES) heraus. Im Anschluss darauf erschien das Adventure-Game »X-Men: Madness in Murderworld« für C64, Amiga und PC, das ebenfalls die heldenhaften Mutanten thematisierte. Anfang der 90er startete eine wahre Welle von Konsolenspielen, angefangen mit »Spider-Man - X-Men: Arcade's Revenge« als Appetizer für alle, die sich gern mit unterschiedlichen Charakteren durch verschiedene Spiele-Levels zocken.

Ab 1997 durften die X-Men-Fans sich im Streetfighter-Style miteinander vergnügen, bei »Beat'em up X-Men: Children of the Atom« ging es schlichtweg darum, den Gegner mit körperlichem Geschick niederzuringen. In »X-Men vs. Street Fighter« traten die Mutanten schließlich gegen die Street Fighter persönlich an, danach folgte pünktlich zur Jahrtausendwende der PC-Shooter »X-Men: The Ravages of Apocalypse«. Die darauffolgenden Videospiele lassen sich kaum noch aufzählen, als ein besonderes Highlight sei das 2006 erschienene Game »X-Men: The Official Movie Game« genannt. Es überbrückte die Zeitlücke zwischen den Blockbustern X-Men 2 und 3 und gab dabei zahlreiche Infos preis, die in den Filmen ausgelassen wurden.

Das X-Men-Franchise ist also zu einem Allrounder geworden, der auf sämtlichen Kanälen funkt. So kommen die Superheldenfans gar nicht mehr dazu, sich zu langweilen, denn es steht immer wieder eine neue Attraktion ins Haus, um die Begeisterung aufs Neue zu entfachen. Die Vielfalt der Charaktere gilt als größter Pluspunkt dieser Heldengruppe, die einzelnen Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Fähigkeiten stammen aus zahlreichen Ländern der Erde. So wurde aus einer spannenden Heldenstory ein globales Phänomen, das Millionen von Menschen in seinen Bann zieht.