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Bayonetta

Bayonetta

Die Hexe Bayonetta hat ein Problem, sie hat ihr Gedächtnis verloren. Auf der Suche nach Antworten über sich selbst, erfährt sie vom Kampf zweier verfeindeter Clans. Auch sie ist Teil dieser Geschichte und nicht alle sind ihr wohlgesonnen. Wie gut, dass ihr neben Kampf- und Waffengewalt auch ihr magisches Haar weiterhilft.

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Irgendwie ist es kaum zu verstehen, was sie so besonders macht. Ein bisschen Action, ein bisschen Witz, ein bisschen Sex. Und doch ist irgendetwas an dieser Frau derart interessant, dass ihr Spieler und auch Spielerinnen weltweit zu Füßen liegen. Die Faszination Bayonetta lässt sich nicht einfach nur mit ihrem kleidsamen Haar erklären. Aber so richtig wusste ja bei Pokémon auch keiner, was so toll daran ist. Und trotzdem fanden es alle super.

Dabei lässt es sich im Grunde mühelos auseinander friemeln, was ein wirklich sauberes Spiel ausmacht und wann es tatsächlich rockt. Lediglich drei wichtige Zutaten muss es enthalten, um vollends zu überzeugen. Lächerliche drei Dinge, deren Umsetzung allerdings Entwicklern immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Denn zweifelsohne kommt ein unterhaltsames Spiel auch mit einer Kategorie aus, ein gutes ist in zweien spitze, aber nur dem Hit gelingt es, alle drei zu knacken.

Zunächst einmal ist da der leichte Zugang. Etwas, das heutzutage viel zu oft auf die Goldwaage gelegt wird. Wii und DS scheinen es nahezu unmöglich zu machen, dass ein Spiel unkompliziert daherkommt und trotzdem für den gemeinen Gamer interessant ist. Zu viele Vorurteile bestehen, dass nur ein kompliziertes Spiel den eigenen Ansprüchen genügt. Dabei hassen wir doch im Grunde alle heillos überfrachtete Spiele, für die wahrscheinlich ein separat angebotener Studiengang sinnvoll wäre.

Es ist doch viel schöner, wenn eine interessante Kulisse samt gut erzählter Geschichte hilft, sich in den oder die Protagonistin hineinzuversetzen. Das Spiel beginnt locker leicht und lässt dem Spieler ein wenig Freiraum, was die weitere Spielweise angeht. So wie Bayonetta. Grundfertigkeiten werden nicht in einem ausufernden Tutorial erklärt, sondern erschließen sich logisch nach und nach. Manches wird gar nicht erst erklärt, sondern man findet es erst im Verlauf des Spiels raus.

Grandios ist, dass Bayonetta selbst mit einem Minimaleinsatz von Kampftechniken zumindest in einem der beiden leichteren Schwierigkeitsgrade ordentlich voran kommt, während Profis das Spiel gern auch auf Tekken-Niveau zur Vollendung führen können. Gewisse Kombinationen werden einem Teil der Bayonetta-Spieler auf ewig verborgen bleiben und trotzdem haben sie nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Denn genau umgekehrt wird ein Schuh draus. Jene Zocker, die ganz im Spiel versinken, werden für ihre Hingabe mit optisch reizvollen und mächtigen Moves reichlich entlohnt. Womit wir beim ausgeklügelten Belohnungssystem wären. Irgendwie muss man ja schließlich bei der Stange gehalten werden und womit funktioniert das besser, als mit kleinen, überall im Spiel versteckten Freuden.

In dieser Sache ist Bayonetta ein bisschen wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Los geht's mit der Geschichte, die treibt und deren Geheimnisse gilt es zu ergründen. Jedes der Kapitel der Handlung ist ein Puzzlestück, deren Bild dank zahlreicher Wendungen erst am Ende vervollständigt wird und ein unfassbar gutes Gefühl des Glücks vermittelt. Zwischendrin warten wirklich fette Bossgegner, die dem selbstgewählten Genre Climax-Action-Game alle Ehre machen. Werden sie geschlagen, glaubt man sich das nächste Kapitel wirklich verdient zu haben. Ein Belohnungsystem, das funktioniert.

Dazu kommen versteckte Bonusaufgaben, Leistungsmedaillen für einzelne Abschnitte, Bestenlisten und ein Haufen Kram, der in einer kleinen Bar mit der Spielwährung Heiligenscheine erworben werden kann. Der ganze Schnickschnack erreicht dabei Ausmaße, die wir sonst nur von epischen Rollenspielen gewohnt sind. Und ähnlich wie es das selbsterklärte Ziel eines jeden Gamers ist, dort die hundert Prozent vollzumachen, appelliert auch Bayonetta an diesen Perfektionsmus.

Für das Erreichen des Abspanns sind weder neue Techniken noch anderes Zubehör nötig. Manche erleichtern aber das Spiel und wieder manche sehen einfach nur verdammt gut aus. Auf diese Weise gelingt dem Spiel der Spagat zwischen leichtem Zugang und motivierender Herausforderung. Der Spieler entscheidet, womit er die einzigartige Bayonetta ausstattet - so zum Beispiel bei den Waffen, die sie an Hand und Fuß trägt. Ultimativ ist keine, sie spielen sich lediglich anders und unterscheiden sich optisch. Und Achtung, Belohnung lässt grüßen, sie können Bayonetta tatsächlich optisch aufwerten, wenn man bereit ist, dafür einige weitere Heiligenscheine zu investieren

Es lohnt sich gar nicht, allzu sehr ins Detail zu gehen, denn das Erleben und Entdecken ist es, was an Bayonetta so fasziniert. So wie an dieser Stelle kaum ein Wort über die zweifellos großartige Geschichte geschrieben wird, ist es auch mit den Spielelementen. Die Freude, langsam aber sicher dahinter zu steigen, ist etwas, das Erinnerungen an Kinderheitstage wach werden lässt. Erinnerungen aus einer Zeit, als Spielen noch neu und zumindest für viele auch japanisch war. Doch bevor jeder in seinem Kopf kramt, was er bei seinem ersten Videospiel gefühlt hat, geht's weiter zum dritten wichtigen Element, das ein Spiel zu einem Hit macht: die Präsentation.

Diese ist wahrscheinlich das Offensichtlichste was Bayonetta zu bieten hat, denn die kurvenreiche Hexe gewährt tiefe Einblicke in ihr Leben. Ja, es stimmt, dass Platinum Games die Karte Sex bis zum Äußersten ausgereizt hat. Zumindest mit dem, was unzensiert in den USA auf den Markt gekommen wäre. Das Spiel strotzt nur so von Anspielungen bei Freund und Feind. Allerdings wirkt die angedeutete Erotik keinefalls billig. Bayonetta ist eine starke Frau, die eben zufällig mit einem der schönstern Hintern der Videospielgeschichte gesegnet wurde. Feministinnen mögen es pornografisch nennen, für uns verzauberte Spieler ist es Stil und Eleganz.

Aber auch abseits davon bietet der Titel einige interessante Aussichten. Vielfältige, authentische Landschaften, hübsche Lichteffekte sind ebenso an Bord wie hervorragend ausgearbeitete Charaktermodelle. Hübsch ist das, was es das Spiel am besten trifft. Optisch wurde zwar kein Meisterwerk geschaffen, aber zumindest ein ausgefeiltes Produkt. Zwei Schwachstellen trüben das Bild ein ganz klein wenig ein. Bayonetta nervt ab und zu mit leichtem Kantenflimmern und die Ladezeiten hätten ruhig ein klein wenig kürzer ausfallen können.

Wer bereits Videos und Bilder vom Spiel kennt, wird sicher auch der latent japanische Flair aufgefallen sein, den es versprüht. Mächtige Gegner, epische Kämpfe und eine gut erzählte Geschichte, das liegt ihnen schon, den Japanern. Und auch in Sachen Soundtrack lassen sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Auffällig ist vielleicht, dass dem beliebten Gassenhauer Fly me to the Moon zwei weitere Versionen spendiert wurden. Ansonsten wandelt die Musik zwischen eingängigen J-Pop und orchestralen Klavierstücken - wirklich sehr hörenswert.

Bayonetta ist rund. Es bietet abwechslungsreiches Gamplay mit ein bisschen Retro-Gefühl. Eingestreut immer und immer wieder. Man darf nicht vergessen, dass das Spielprinzip selbst keine große Innovation mitbringt. Das Spiel lebt davon, dass es einfach unfassbar clever designt wurde und auf diese Art und Weise ein wirklich schönes Gefühl vermittelt. Kein Nullachtfünfzehn-Spiel und trotzdem für jeden zugänglich. Eines, dass nach dem Durchspielen so unglaublich befriedigend ist. Ein feuchter Gamertraum ganz ohne Sex.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
unfassbar gute Spielbarkeit, viele versteckte Extras, netter Humor, Bayonettas Kurven, Bonus-Musikvideo nach dem Durchspielen
-
japanophobe Spieler, die nichts mit Bayonetta anfangen können
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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