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Battlefield: Bad Company 2

Battlefield: Bad Company 2

Battlefield: Bad Company 2 - mit dem zweiten Teil der Serie schießt Dice direkt in das Revier von Call of Duty: Modern Warfare 2. Mit reichlich Solo- und Multiplayer-Action, mehr Fahrzeugen und der stetigen Gefahr, dass einem die Deckung vor der Nase geschossen wird.

Das Guckloch ist sehr klein, eigentlich nur ein Riss in der Mauer. Das Fadenkreuz, mit dem ich die Gegner ins Visier nehme, ist direkt auf eine feindliche Position gerichtet. Mein Finger schwebt über der Abschusstaste, da zerreißt ein ohrenbetäubendes Krachen mein Trommelfell und die schützende Mauer vor mir zerbröselt zu Trümmern und Feinstaub. Mit Ach und Krach überlebe ich diesen Volltreffer, doch nun steht hier jemand mit heruntergelassenen Hosen da und wird binnen Sekunden von feindlichen Kugeln zersiebt. So sieht die Realität in Battlefield: Bad Company 2 dank des Destruction 2.0-Systems aus.

Was es bedeutet, wenn praktisch die gesamte Umgebung in einem Egoshooter zerstörbar ist, kann sich wohl jeder ausmalen, der welche spielt: Keine Sicherheit, keine Deckung, die nicht weggesprengt werden könnte und daraus resultierend ein ungemein spannungsgeladenes Ambiente, das für plötzliche Wendungen wie geschaffen ist. Nachdem Entwickler Dice beim Vorgänger noch Konsolen-exklusiv produziert hat, dürfen nun auch wieder PC-Spieler ihr Unwesen auf den Schlachtfeldern der beliebten Actionserie treiben. Schon vor zwei Jahren gab es eine zusammenhängende Einzelspieler-Kampagne, die zwar streckenweise unterhaltsam war, jedoch nicht restlos überzeugte. Dieses Manko wurde gründlich ausgebügelt.

Mit von der Partie sind wieder die vier sympathisch-verrückten Protagonisten der B-Company Sgt. Redford, Haggard, Sweetwater und Marlowe. Letztere Rolle übernehmen wir als Spieler. Gemeinsam geht es auf ein Weltrettungsabenteuer, das uns um den halben Globus jagt: von den eisigen Feldern Alaskas, über dicht bewaldete Dschungel in Südamerika hin zu staubigen Wüsten und unübersichtlichen Stadtszenarios. Seltene Momente der Ruhe geben zwar gelegentlich die Chance, durchzupusten, doch das Pacing ist sehr rasant und die Präsentation ähnlich anspruchsvoll wie bei der Konkurrenz von Call of Duty: Modern Warfare 2. Die Spielstruktur ist im Vergleich zum ersten Teil deutlich stringenter, die Levels enger und schlauchförmiger. Im Endeffekt kommt dies dem Setting jedoch zugute. Es sorgt für weniger Leerlauf und eine glaubwürdigere Geschichte.

Battlefield: Bad Company 2
Noch stehen die beiden Häuser vorne im Bild, aber einige gezielte Schüsse mit dem Granatwerfer produzieren schnell zwei große Haufen Schutt.

Die Story ist zwar überwiegend vorhersehbar, doch durch die coolen und amüsanten Dialoge und Sprüche der vier strafversetzten Helden wirkt das Geschehen viel weniger verbissen pathetisch beziehungsweise glorifizierend als bei Modern Warfare. Sprüche wie "Eines Tages besuchen wir Orte wie diesen und schießen nicht auf die Einheimischen" lockern den Spielablauf auf und lassen immer wieder erkennen, dass sich Dice selbst nicht so wichtig nehmen.

Die Gefechte sind sehr gut präsentiert, auch wenn sie von der Intensität her nicht ganz an den großen Rivalen heranreichen. Bei Modern Warfare wird der Horror des Krieges noch intensiver spürbar, der nackte Kampf ums Überleben deutlicher vor Augen geführt. Doch auch Bad Company 2 bietet herausragende Shooter-Technik mit einem sogar besseren Waffenfeedback beziehungsweise glaubhafterem Rückstoß, der dafür sorgt, dass die Gewehre immer wieder ein wenig verreißen. Gewöhnungsbedürftig ist hingegen, dass wir uns nicht hinlegen, sondern nur hinknien dürfen. Das kommt zwar dem flotten Gameplay zwar entgegen, stört aber vor allem die Scharfschützen.

Das große Ding von Bad Company 2 ist jedoch die fast komplett zerstörbare Umgebung, die völlig neue Taktiken erlaubt. Feinde verstecken sich hinter Sandsäcken oder in Häusern? Kein Problem - wir jagen einfach eine Sprengladung hinein und schon stehen die Kontrahenten (wenn sie denn noch stehen) ohne Deckung da. Ähnlich wie aus der Call of Duty-Reihe bekannt, ist der Spielablauf stark geskriptet. Die Gegner-KI ist ordentlich und heizt uns vor allem durch eine hohe Präzision gelegentlich ganz schön ein. PC-Spieler sind hier durch ein etwas besseres Handling ein wenig im Vorteil.

Battlefield: Bad Company 2
Gemeinsam mit den Teamkollegen geht es durch intensive Einzelspielerkampagne. Die KI-Gegner können vor allem eines: sehr gut zielen.

Gelegentlich nerven Trial & Error-Passagen und der Soforttod durch Granatwerfer. In Kombination mit einigen schlecht gewählten Speicherpunkten sorgt das streckenweise für Frust. Insgesamt ist der Unterschied zwischen Konsolen- und PC-Fassung übrigens nicht sehr groß: Am PC ist die Optik durch die höher aufgelösten Details etwas schicker, während Konsoleros mit einigem Tearing leben müssen.

Generell ist die technische Qualität von Battlefield: Bad Company 2 sehr hoch und muss sich hinter der Konkurrenz nicht verstecken. Zum einen ist die visuelle Komponente toll. Es gibt Landschaften mit enormer Weitsicht und hübsche Texturdetails beeindrucken. Dazu kommen schicke Wettereffekte (Staub, Wind, Regen, Sonnenlicht) und satte Detonationen von Fahrzeugen oder Objekten im Spiel. Auf der anderen Seite beeindruckt der Shooter mit einem überzeugenden Soundgewitter, dass Explosionen fühlbar macht. Waffensounds, Schussgeräusche, Fahrzeugakustik oder Nachladeeffekte werden mit enormer Authentizität präsentiert. Allein an den Gefechtsgeräuschen ist bereits feststellbar, wie weit - oder nah - Gewehr- und Kanonenfeuer entfernt sind. Obendrein überzeugen sogar die deutschen Dialoge, bei denen lediglich die fehlende Lippensynchronität nervt.

Trotz der sehr unterhaltsamen Kampagne steht natürlich bei Battlefield weiter der Multiplayer im Mittelpunkt. Auch hier hat sich Entwickler Dice erstklassige Arbeit abgeliefert. Während in der PC-Fassung bis zu 32 Spieler gleichzeitig in die Gefechte ziehen, bevölkern bei den Konsolenversionen nur 24 Spieler die Schlachtfelder. Im Gegensatz zum Spielablauf bei Modern Warfare, das eher auf Run & Gun ausgelegt ist, wird bei Bad Company 2 viel mehr Teamarbeit verlangt und diese auch belohnt. Es gibt ein neues Squad-Feature, das auf Wunsch jeweils vier Gamer in ein Team bugsiert und ihnen eine Reihe von Vorteilen im Kampf gegen ihre Widersacher beschert. Allen voran der Wiedereinstieg an der Position eines lebenden Squadmitglieds, was die Wege zur Front deutlich verkürzt und damit gleichzeitig den Druck auf das feindliche Team erhöht. Zum anderen sind auch die vier Klassen (Sanitäter, Sturmsoldat, Aufklärer und Ingenieur) so austariert und aufgebaut, dass man im Idealfall seine Klasse nicht danach auswählt, worauf man gerade Bock hat, sondern danach, was das Team gerade benötigt.

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Fahrzeuge spielen eine entscheidende Rolle in den Gefechten. Die können geentert werden und bieten Schutz sowie reichlich Feuerkraft.

Wurde man also gerade von einem feindlichen Panzer (oder einem anderen der 15 Vehikel, diesmal jedoch ohne Kampfjets) ins virtuelle Nirvana befördert, erfolgt der Wiedereinstieg nicht als Aufklärer sondern als Ingenieur. Da wird dem Tank mit der Panzerfaust eingeheizt. Teamplay wird aber nicht nur gefordert, sondern auch gefördert und belohnt. So gibt es die Möglichkeit, feindliche Spieler per Tastendruck zu markieren und damit auch für alle Mitspieler einige Sekunden lang sichtbar zu machen. Sofern ihr den Widersacher nicht selbst ausschaltet, erhaltet ihr Bonuspunkte für die Sichtung, wenn der Typ danach von einem Kameraden weggezogen wird. Große Bedeutung hat in allen Modi wieder der Einsatz von Fahrzeugen wie Panzern oder Kampfhubschraubern, die auf den zehn engen, aber sauber gelayouteten Karten von entscheidender Bedeutung für den Ausgang der Gefechte sind.

Bei den verfügbaren Modi hat Dice etwas draufgesattelt. Neben dem bekannten Eroberungsmodus, wo zwei Fraktionen um die Vorherrschaft auf den Karten kämpfen, gibt es einen frischen Rush-Modus. Auch hier bekriegen sich zwei Lager, doch die Positionen sind klar verteilt: während eine Seite versucht, Kommunikationseinrichtungen des Feindes zu zerstören und diesen in mehreren Wellen weiter in die Defensive zu drängen, bis der Sieg erreicht ist, versucht der Kontrahent natürlich dies zu verhindern. Die verteidigende Mannschaft verfügt über unendlich viele Wiedereinstiegstickets und muss diese beim Kontrahenten "nur" auf Null bringen, um zu siegen. Das spannende Setting sorgt für hin und her wogende Gefechte, bei denen Teamspieler klar im Vorteil sind. Diese Maxime gilt erst recht in den beiden anderen Modi Squad-Deathmatch und Squad-Rush, wo nur 4er-Teams in kompakten Scharmützeln aufeinandertreffen. PC-Spieler sind übrigens nicht nur wegen des komfortableren Serverbrowsers und Interfaces im Vorteil, sie können auch Dedicated Server einsetzen und diese mit eigenen Regeln betreiben. Beide Multiplayer sind jedoch ungemein motivierend, mit freischaltbaren Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Auszeichnungen und diversen Orden und Rängen sowie individualisierbaren Charakteren.

Battlefield: Bad Company 2 präsentiert sich als absolut ernst zu nehmende Konkurrenz für das Modern Warfare-Franchise. Vor allem mit der Einzelspielerkampagne macht Dice hinsichtlich der Präsentation große Fortschritte und steht der Intensität des Konkurrenten kaum nach. Dafür gibt es die deutlich sympathischeren Protagonisten und eine unterhaltsamere, weniger pathetische Story.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Enorme Weitsicht, fast komplett zerstörbare Umgebung, sympathische Protagonisten, motivierender Multiplayer (mit Fahrzeugen!), toller Sound
-
dämliche Speicherpunkte, asynchrone Dialoge, Serverbrowser & Tearing (Konsole), schwache Innenräume (Texturen)
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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