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Battleborn

Battleborn

Gearbox hat Egoshooter-Spielmechaniken mit jenen eines MOBA vermischt - und den bekannten Humor des Studios hinzugefügt. Leider zündet die Mische nicht richtig.

Battleborn begrüßt mich nicht besonders freundlich. Relativ unspektakulär lande ich ohne weitere Instruktionen in obskuren Menüs und als mein Abenteuer beginnt, werde ich mit kleinen Textfenstern bombardiert, die alles weitere erklären sollen. Die sind selbst auf meinem riesigen Fernseher schwer zu entziffern. Battleborn ist jetzt nicht das komplizierteste Spiel der Welt, aber der Einstieg ist schon harsch.

Die Grundlagen eines Egoshooters sind mir natürlich geläufig. Ich komme also klar und bemerke natürlich auch, dass die DNA eines MOBA nicht zu übersehen ist. Ich laufe herum, ballere um mich und lausche, während ich in den Leveln aufsteige und neue Fähigkeiten erhalte, den Konversationen, die eine eher alberne Geschichte offenbaren. Die Tatsache, dass das Spiel eine Geschichte und einen Einzelspielermodus hat, erschwert es einem zusätzlich, Battleborn einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Die Kämpfe gegen die riesigen Bosse verbreiten am Ende sogar das Gefühl eines Actionspiels der alten Schule.

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Ich musste unglücklicherweise mehrmals mit ein paar Irren zusammenspielen, die sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Schlacht gestürzt haben und es so unmöglich machten, auch nur irgendetwas zu erreichen.

Die Geschichte ist unspektakulär und handelt von verschiedenen Gruppierungen, die um den letzten Stern im Universum kämpfen. Das erinnert an die Geschichte von Prügelspielen, die immer ein wenig seltsam anmuten, weil es unmöglich ist logisch zu erklären, warum zwanzig Leute sich regelmäßig treffen, um sich gegenseitig zu verprügeln. Die Geschichte von Battleborn existiert also eher, um zu erklären warum sich die bunten Superhelden an einem Ort zum Kampf versammelt haben.

Prinzipiell ist das natürlich kein Problem. Gutes Gameplay ist in einem Actionspiel immer wichtiger als eine großartige Geschichte. Man möchte es immer wieder spielen, solange es einem Spaß macht - und damit sind wir auch schon beim nächsten Problem gelandet. Es macht nie wirklich wahnsinnig viel Spaß, Battleborn zu spielen. Klar, es macht mehr Laune, wenn man jemanden dabei hat und den Koop-Modus zusammen spielen kann. Aber Battleborn löst nie eine Begeisterung aus wie es etwa Borderlands 2 bis heute schafft.

Das Zusammenspiel ist extrem wichtig, man sollte zusammenbleiben und die richtige Klasse wählen. Manche Passagen sind sonst nahezu unmöglich zu bewältigen. Man braucht jemanden, der heilt und genau darin gut ist. Und man braucht jemanden, der den Schaden austeilt. Wenn man bei einem wichtigen Missionsziel scheitert oder alle ihr Leben verlieren, ist das Spiel schnell vorbei. Ich musste unglücklicherweise mehrmals mit ein paar Irren zusammenspielen, die sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Schlacht gestürzt haben und es so unmöglich machten, auch nur irgendetwas zu erreichen.

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Aber da ist ja noch der Multiplayer von Battleborn, der eigentliche Kern des Spiels.

Bei einem Game Over warten keine Checkpoints, zu denen man zurückversetzt wird. Es kann also frustrierend werden, besonders wenn man schon weit gekommen ist. Das Arrangement ist genial und hat Potenzial für ein tolles Spiel, aber es wird viel verschenkt, da so viele Onlinespieler keine Idee von Teamwork haben. Ohne gute Freunde, die wissen, wie man zusammen spielt, wird man wenig Freude haben.

Das Grundkonzept erinnert an die Strike-Missionen aus Destiny, aber es mangelt - von den Endgegnern mal abgesehen - an Abwechslung und Kreativität. Häufig muss man Areale einfach nur gegen gefühlt endlos anstürmende Gegnerwellen verteidigen. Es finden sich auch paar Elemente aus dem Tower-Defense-Genre. Man kann zum Beispiel Geschütztürme aufstellen, die sich mehrfach verbessert lassen. Eine Art eingeschränktes Borderlands 2 an dieser Stelle, auch der Humor ist ähnlich. Insgesamt wird man das Gefühl nicht los, an Battleborn hätte noch länger gearbeitet werden müssen und dass dem Spiel eine klare Vision fehlt - wodurch natürlich viel Potential verschenkt wird.

Aber da ist ja noch der Multiplayer von Battleborn, der eigentliche Kern des Spiels. Es gibt zwei Levelsysteme im Spiel. Bei dem einen steigt man langsam auf und schaltet neue Charaktere und Loadouts frei - das andere ist nur temporär. Hier steigt man während eines Matches auf, aber am Ende der Runde geht dieser Fortschritt wieder verloren. Man bekommt also die Gelegenheit, seine Spiefigur so zu verbessern, dass sie gut ins Team passt oder die Gegner kontert - am besten hat man natürlich beides.

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Insgesamt gibt es einfach zu wenig Inhalte, was noch weiter das Gefühl bestärkt, man hätte einen Free-to-Play-Titel zum Vollpreis erworben.

Das System funktioniert gut, aber leider sind viele Sachen anfangs noch nicht freigeschaltet. Ich mag es nicht besonders gerne, wenn das halbe Ensemble erst noch freigespielt werden muss. Das war noch nie eine gute Art, Spiele zu designen. Dadurch bin ich gezwungen, Charaktere zu spielen, die ich vielleicht gar nicht leiden kann nur um andere freizuschalten. Das sorgt für wenig Dynamik auf dem Schlachtfeld und ist völlig unnötig. Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass Battleborn auch ein Free-to-Play-Titel sein könnte. Grafik ist natürlich nicht alles, aber es hat auch nicht wirklich das Design auf seiner Seite und die technischen Aspekte wirken eher primitiv. Die freischaltbaren Charaktere erfordern eine Menge Arbeit, bevor man sie einsetzen kann, was das Gefühl nur noch verstärkt. Manchmal würde ich wirklich fast gerne dafür bezahlen, um sie endlich benutzen zu dürfen. Stattdessen ist der banale Oscar Mike, ein typischer Run'n'Gun-Hero mein Favorit und bleibt es sogar, nachdem ich coolere Alternativen wie Attikus oder den verrückten alten Furz Kleese freigeschaltet habe.

Viele der Mehrspieler-Karten wirken nicht besonders clever und sind ohne natürliche Engpässe voller Action, was dafür sorgt, dass die Spieler häufig ziellos umherwandern, um nach Opfern zu suchen. Die Geschütztürme aufzustellen, bringt kaum Vorteile, da sie scheinbar aus Pappe sind und sofort wieder zerstört werden. Glücklicherweise gibt es noch den Capture-Modus, bei dem um bestimmte Stellen gekämpft wird und sich alle in eine bestimmte Richtung durchkämpfen müssen. Dadurch fühlen sich aber die Kämpfe auch immer sehr ähnlich an und man lernt schnell, was funktioniert und was nicht.

Den größten Hype gab es um den Incursion-Modus, bei dem die Teams Lakaien zur gegnerischen Basis führen, um dort zwei riesige Geschützroboter auszuschalten. Das Problem ist aber, das alle wie aufgeregte Hühner herumrennen. Es ist einfach zu viel los, zu viele Knarren und Upgrades. Wenn man so will: es gibt zu viele Möglichkeiten. Vielleicht hatte ich nur Pech, aber es gab selten ein Spiel, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ich und meine zufälligen Teamkameraden auf ein Ziel hingearbeitet hätten. An den Karten und dem Gameplay muss mit Hilfe von Downloadcontent noch erheblich viel verbessert werden, um die nötige Langlebigkeit zu erzeugen. Momentan fühlt es sich an, als würden alle einfach nur Deatchmatch üben, auch wenn es diesen Spielmodus gar nicht gibt. Insgesamt gibt es einfach zu wenig Inhalte, was noch weiter das Gefühl bestärkt, man hätte einen Free-to-Play-Titel zum Vollpreis erworben.

Schlussendlich blieb das Gefühl, nach dem Spielstunden für diese Kritik mit Battleborn durch zu sein. Wenn nicht irgendetwas radikal anderes hinzugefügt wird, kann ich mir kaum vorstellen, hier weiter in den Krieg zu ziehen. Es hat einigermaßen Spaß gemacht soweit, aber es hat nicht den Charme, den Inhalt oder irgendetwas anderes, das mich über einen längeren Zeitraum anlocken würde. Es fühlt sich wie ein Low-Budget-Game an, auch wenn mir klar ist, das es sicher nicht billig war, Battleborn zu entwickeln. Aber mehr als eine solide 6/10 ist für mich nicht drin.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
gute Steuerung, spaßiger Koop, duales Level-System, Capture-Modus, viele Spielfiguren, nette Präsentation
-
hohe Lernkurve, zu viele Spielfiguren anfangs nicht verfügbar, wenig Content, kein Fokus beim Design der Multiplayer-Karten
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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