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Avatar: Das Spiel

Avatar: Das Spiel

Es war im Jahr 1996 als James Cameron bekannt gab, an Avatar zu arbeiten. Doch erst ein Jahrzehnt später schien die Zeit reif, den geschaffenen Stoff zu drehen. Auch Ubisoft werkelt schon seit langem an der Umsetzung für ein Videospiel. Technisch setzten sie wie auch Cameron dank 3D-Technik Maßstäbe.

  • Martin Eiser

Zunächst sei gesagt, dass es sich bei Avatar: Das Spiel um keine bloße Nacherzählung des Films handelt, sondern eher um eine Art Vorgeschichte. Trotzdem versuchte Ubisoft natürlich, der grundsätzlichen moralischen Frage des Films Gewicht zu verleihen. Böse Menschen greifen liebe Außerirdische an, die eigentlich nur im Einklang mit der Natur leben wollen. Dürfen die das überhaupt?

Das Spiel verlangt vom Spieler das Richtige zu tun. Die Frage, die sich für den Spieler ergibt, ist jedoch „Was ist das Richtige?". Wir werden dem Spieler diese Frage nicht beantworten. Je nachdem was er für ein Spielertyp ist, kann er selbst entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Wie möchte er das Abenteuer am liebsten spielen und was ist seine Herangehensweise bei dieser Art von Konflikt? Philosophisch und emotional entscheidet nur er was das Richtige ist.
- Offizielles Q&A über die Storyline des Spiels

Bevor an dieser Stelle irgendjemand versucht sein sollte, sich auf ein Abenteuer mit tiefschürfender, wendungsreicher Geschichte zu freuen, sei ihm ganz schnell der Wind aus den Segeln genommen. Das Spiel verfolgt stur seinen Weg, selbst wenn nach einem kurzen Einführungskapitel zwischen zwei Handlungssträngen gewählt werden kann. Und auch hier hat es Ubisoft nicht so mit dem Richtigen und dem Falschen. Denn egal, ob jemand die Blaumänner vom Stamm der Na'vi auf dem Planeten Pandora nun ansprechend findet oder nicht, sein Gewissen wird ihm raten, sich auf keinen Fall den menschlichen Soldaten der RDA anzuschließen.

Tatsächlich tut das Spiel alles dafür, sich für das Volk der Na'vi auszusprechen, ganz unabhängig welchem Lager man tatsächlich angehört. Als kampfbereiter RDA-Soldat werden alle Nachfragen bezüglich Sinn und Unsinn von Einsätzen damit beantwortet, dass man sich darüber nicht den Kopf zerbrechen sollte, sondern es reicht, einfach zu funktionieren. Umgekehrt offeriert das Spiel bei den Ureinwohner des Planeten die unglaublich tiefe Verbundenheit zum Planeten und zur Natur, während der Mensch immer nur zerstört.

Grundsätzlich kann man sich als Spieler ja mit allem anfreunden. Mit dem Funktionieren als dumpfer Soldat und mit dem Kampf für Ideale, am Ende ist es ja nur ein Spiel. Niemand würde ja auch auf die Idee kommen, zu hinterfragen, wieso ein Soldat nach fünf Jahren Schlaf in der Raumschifftiefkühltruhe und ein paar wenigen Tagen Aufenthalt auf einem fremden Planeten plötzlich sein gesamtes Leben hinter sich lassen kann. Im Film hat man sich dafür wohl mehr Zeit genommen. Im Spiel werden einfach Fakten geschaffen.

Obwohl die Na'vi ein Waldvolk mit außergewöhnlichen Kräften und die Menschen nichts ohne ihre Maschinen wären, spielen sich beide Handlungen recht ähnlich. Einerseits greift auch der Na'vi-Avatar zur Schußwaffe, anderseits haben auch die Menschen Mittel und Wege gefunden ihre Fähigkeiten zu verbessern. Und wenn der RDA-Soldat mit dem Helikopter seine Runden dreht, reisen die Na'vi eben auf einer Art von Flugsaurier.

Vergleichsweise gut gelungen ist es derweil, das Lebensgefühl der Völker darzustellen. Als Na'vi überkommt einen wirklich das Gefühl, die gesamte Natur im Spiel einzubeziehen. Die Wälder werden meist abseits der Pfade durchstreift und über Bäume geklettert. Auch die gefährlichen Pflanzen konzentrieren sich eher auf die Menschen und werden so auch zur taktischen Komponente. Ganz ähnlich verhält es sich mit der spartanischen angedeuteten Tierwelt, die den Na'vi oft von Nutzen ist. Die voll Schönheit entfaltet der Planet in der Dunkelheit. Dann leuchten Flora und Fauna in den schönsten, fluoreszierenden Farben.

Menschen dagegen sind nichts ohne Technik. Da sie aber den Planeten schon seit geraumer Zeit besiedeln, gibt es davon überall reichlich zu finden. Fast parasitär leben sie dort, nichts passt wirklich in die Natur. Und mit Flammenwerfer oder Maschinenpistole fällt das Genießen wirklich schwer. Am schönsten ist es da noch, einfach mit dem Buggy herumzucruisen. Trotz der weniger Pfaden, die sich dafür anbieten, macht dies schon wegen der eindrucksvollen Grafik Spaß.

Doch auch die lebendigste Dschungelwelt kann nicht über die großen Defizite des Spiels hinwegtäuschen. Neben dem angesprochenen "philosophischen" Dilemma kommt die Geschichte nur langsam in Fahrt. Die missionsgetriebene Handlung wirkt oft eigenartig zusammengewürfelt. Wie eine filmreife und vor allem lückenlose Präsentation aussehen kann, hat Uncharted 2: Among Thieves in bester Weise vorgeführt. In Avatar: Das Spiel wird selbst der Prozess der Avatar-Werdung lediglich mit einer weißen Überblendung dargestellt. Und wer einen kollosalen Hollywood-Soundtrack erwartet hat, wird ebenfalls enttäuscht. Orchestral ja, das ist die Musik. Aber trotzdem wirken die Stücke beliebig und manchmal auch etwas unpassend.

Auf die Ärgernisliste gehört außerdem die knifflige Steuerung von Fluggeräten und eine teilweise lästige Kamera. Zudem fehlt bei den Waffen jeglicher Zoom. Nur Pfeil und Bogen bieten einen Minifokus. So richtig weiß das Spiel hier nicht, wie ernsthaft der Shooterteil genommen werden will. Das Zielen erfolgt nämlich teilweise automatisch, aber bleibt dabei dennoch umkomfortabel. Für einen ordentlichen Schusswechsel ist der Titel auch nicht gemacht. Dann wären Waffen wohl auch mit einer anderen Reichweite ausgestattet. Und wäre die Künstliche Intelligenz nicht so schwach, hätte man wohl häufiger ein ernsthaftes Problem. So reicht eine geschickte Kombinantion aus besonderen Fähigkeiten, um sich beispielsweise kurz unsichtbar zu machen oder Gegner im Umfeld zu paralysieren, und roher Waffengewalt.

Dabei hat es Ubisoft mit dem Spiel so gut gemeint. Die Unterstützung der 3D-Technik ist beeindruckend, nur hat heute irgendjemand so ein Gerät? Auch ein Multiplayer mit fünf Modi (Team-Deathmatch, Capture the Flag, Capture and Hold, King of the Hill, Endkampf) wurde spendiert. Allerdings taugt der Titel mehr als ordentliches Einzelspielerabenteuer denn als Multiplayer. Im Shooterbereich konkurriert der Titel nämlich mit Standards in einer ganz anderen Liga und solo kommt einfach der besser gelungenere Adventure-Teil durch. Noch absonderlicher ist das Mini-Strategiespiel. Mit dem Fortschritt im Spiel gibt es Aktionspunkte, mit denen in diesem Modus Einheiten und Gebäude produziert werden können. Das ganze ist aber arg rudimentär und mehr oder weniger losgelöst vom Rest des Spiel.

Am Ende ist Avatar: Das Spiel eine halbwegs gelungene Filmumsetzung, deren Optik eine wahre Augenweide ist. In Sachen Story kommt das Spiel bereits ins Schlingern und beim Gameplay reicht es dann nur noch für Standardprogramm. Trotzdem bietet Avatar: Das Spiel gerade Freunden des Films eine nette Möglichkeit, bereits vor dem Filmstart am 17. Dezember tiefer in den Stoff einzusteigen.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
starke Optik, komplett eigene Geschichte
-
Erzählweise kaum kinoreif, Spielerisch nur Mittelmaß
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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