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Assassin's Creed III

Assassin's Creed III

Assassin's Creed III wird nicht als Videospiel mit dem besten Anfang in die Geschichte eingehen, im Gegenteil. Der Start ist unkonventionell, aber leider auch konfus - ganz egal, ob man nun Serienfan oder Neuling ist. Die Gründe mögen etwas unterschiedlich sein, aber es dominiert das fragende Gesicht. Was mach' ich hier? Und warum als der Typ? Bis sich nach einiger Zeit alles auflöst... und dann wird das Spiel erstmal richtig gut.

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Es erzählt anfangs konfus, später streckenweise sehr schön und traurig-ironisch von einem mehrdimensionalen Vater-Sohn-Komplex. Vom 21.12.2012 und einem bekannten Helden als Schlüssel. Dabei sind meine ersten 30 Minuten in Assassin's Creed III wenig heldenhaft. An Bord der Providence, die mich nach Boston bringen soll, verdaddele ich erst einmal ein bisschen Zeit mit Fanorona, einem Spiel aus Madagascar. Und mit Mühle. Zack, 30 Minuten gestohlen von sinnlosem Schabernack.

Solche Momente wird man häufiger erleben, wenn man sich den zahllosen Nebenaufgaben widmet, die die knapp fünfzehn Stunden andauernde Hauptgeschichte locker um noch einmal so viel Spielzeit verlängert. Leider ist vieles davon zwar irgendwie interessant, aber leider ohne wirkliches Resultat für das Spiel. Der neue Held Connor, ein Halbblut, soll ja sowieso eigentlich seinen Stamm retten und die Templer bekämpfen. Er muss dafür zwischen den Fronten britischer Rotröcke und amerikanischer Freiheitskämpfer jonglieren im Unabhängigkeitskrieg. Connor verfolgt dabei seine eigenen Ziele, ohne je klar Stellung zu beziehen. Und das Spiel tut es auch nicht.

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Assassin's Creed IIIAssassin's Creed III
Die Landschaften im Grenzland sind wunderbar und sind in allen Jahreszeiten sichtbar - und auch echte Gewitter gibt's.

Der Zwiespalt von Connor nimmt komische Formen an. Wenn wir als Sidequest ein Fort der Briten eingenommen haben, marschieren kurz danach Amerikaner ein und was machen sie als Dank? Treten uns in den Hintern (wirklich!) und kicken uns aus dem Fort. Genauer gesagt, irgendein dummer Soldat aus der dritten Garde tut das. Kurze Zeit später stehen wir dann mit George Washington herausgeputzt im Büro und diskutieren die große Politik. Glaubwürdig geht anders, wobei der große Rahmen der Geschichte sehr authentisch erzählt wird. Und auch der Spielwelt mangelt es sicher nicht an Originalität.

Nochmals zu den Nebenaufgaben. Da gibt es das Minimanagement des eigenen Heims, für das man in zahlreichen Missionen Siedler anwerben kann, die einen dann mit Rohstoffen versorgen, die man zu Verbrauchsgütern wie Pfeilen für den Bogen oder Fallen zum Jagen umbauen lassen kann. Oder man betreibt Handel mit den Städtern, indem man einen Konvoi losschickt, der gerne auch angegriffen wird, was die nächste Nebenmission auslöst. Klingt spannend, ist aber völlig sinnlos. Weil man immer genug Pfeile und diese Dinge für wenig Geld kaufen kann und das Handeln sinnlos wenig Geld einbringt. Schnell zwei Schatztruhen geplündert in New York und man hat ein Vielfaches an Geld in drei Minuten erwirtschaftet.

Wer es ganz hart braucht, kann versuchen, die Enzyklopädie des einfachen Mannes zu vervollständigen. Dazu muss man nur alles potenziell Interessante im Spiel per Tastendruck analysieren. Oder man nimmt an der epischen Schatzsuche von Captain Kidd teil, da wird das Spiel dann zu Pirates 2.0. Der Typ mit dem Holzbein will interessanten Plunder aus dem Grenzland, den man erst finden muss. Im Gegenzug spendiert er Missionen, die wir nur mit dem Schiff erreichen und die im Gegensatz zum Rest des Spiels konsequente Schleichnummern sind. Assassin's Creed III lässt sich nämlich auch prima mit der Brechstange erledigen - nur wird man dann selten die Bonusziele erledigen für eine volle Synchronität der Erinnerungssequenzen.

Assassin's Creed III
Die Kämpfe wirken nun übrigens etwas leichtgängiger, auch natürlicher. Auch großartig: Die vielen Animation von Held Connor.

Ganz positiv gemeint gilt: Das Spiel lenkt sich von sich selbst ab. In zwei Fällen ist das auch immer willkommen. Das Jagen in der Wildnis ist spannend und meditativ zugleich. Immer wieder steht Connor blutbeschmiert in der Wildnis. Wollte eigentlich nur nach Hause, aber Tiere kreuzten den Weg. Zwei Quicktime-Events später sind die Wölfe tot, erlegt durch einen Klingenstich in den Hals. Das schlaue Halbblut hätte sie auch aus der Deckung erlegen können. Oder mit Pfeil und Bogen aus dem Schutz der Baumkrone heraus. Oder am Ende eines freien Falls mit dem Tomahawk.

Die Wildnis im Spiel ist auch optisch wunderschön und wirklich wild. Hinter jedem Baum kann Ärger lauern. Ein Puma oder ein mächtiger Braunbär - wilde Tiere, die gerne auch wie aus dem Nichts angreifen. Überzeugend auch, dass die Qualität der gejagten Sachen von der Art des Erlegens abhängt. Einwandfreie Pelze sammelt nur derjenige, der Fallen stellt oder die Tiere sauber per Hand oder Klinge erledigt. Wer stumpf mit der Büchse jagt, verschmort eben auch das schöne Fell. Schade ist dann wieder, dass der Zweck des Jagens unklar bleibt, weil Handels- und Craftingsystem so unglaublich öde sind.

Dafür ist das Kämpfen an Bord der Aquilla toll gemacht. Die Seeschlachten bieten ein echtes Spiel im Spiel, das sauber mit der Geschichte verwoben ist. Die grandiosen Wassereffekte sind hier sichtbar, die Gischt und der Wind in den Segeln. Wirklich toll! Dazu gibt‘s immer wieder zufällige Wettereffekte. Herrliche Gewitter sind das, auch an Land. Beim ersten Mal, beim ersten Blitz, hab‘ ich mich ganz real voll erschrocken. Die Aquilla dürfen wir natürlich aufrüsten und segeln dann gegen andere Schiffe und Forts, die wir mit einer Breitseite Kanonenkugeln oder einem präzisen Einzelschuss erledigen müssen. Folgt natürlich dem alten Schere-Stein-Papier-Prinzip, spielt sich toll und einfach anders.

Bereits nach den ersten Zwischensequenzen wird deutlich, wie viel Aufwand Ubisoft betrieben hat. Sie sind toll ins Spielerlebnis integriert und selbst solch komplizierte Angelegenheiten wie eine absolut gelungene Synchronisation nebst fast immer perfekt passenden Lippenbewegungen haben sie gemeistert. Leider nerven kleine Bugs beim Starten und Beenden der Sequenzen, insbesondere die PS3-Version hat hier ihre Probleme. Ohnehin sind viele kleinere Grafikprobleme sichtbar und spürbar, die zwar mit einem Day-1-Patch behoben werden sollen, aber einem Titel dieses Gewichtes nicht gut zu Gesicht stehen. Denn nicht jeder Käufer wird diesen Patch laden können.

Das ist schade, weil das Spielerlebnis insgesamt schön ist. Der neue Held Connor bewegt sich mit der Sicherheit vieler Entwicklungsjahre durch seine immer wieder hübsch gebaute Spielwelt. New York und Boston sehen sich zwar ziemlich ähnlich, aber das Grenzland ist dafür umso gelungener. Die Animationen von Connor sind unglaublich vielfältig. Man hat tatsächlich das Gefühl, er würde sich komplett natürlich und zufällig bewegen. Besonders sichtbar ist das in den Kämpfen, in denen er immer wieder neue Moves auspackt.

Assassin's Creed III
Die Seeschlachten bieten ein echtes Spiel im Spiel, das sauber mit der Geschichte verwoben ist. Grandiosen Wassereffekte sind hier sichtbar.

Die Kämpfe wirken nun übrigens etwas leichtgängiger, auch natürlicher. Man kann besser und schneller flüchten, sollte die Energie einmal knapp werden. Wir müssen nun nicht mehr mühsam über das ganze Spiel hinweg eine Leiste aufbauen und auch das Verbessern der Waffen wurde gestrichen. Das tut dem Spielerlebnis gut, macht aber das Geldverdienen irgendwie sinnlos. Ich habe relativ früh zwei Waffen gekauft und die waren bis zum Ende brauchbar. Die Assassinen-Klingen kriegt man ja eh irgendwann spendiert. Auch Schusswaffen sind wieder am Start, aber ihre Anwendung ist irgendwie ungelenk gelöst. Man hat immer das Gefühl, das Schießen nie so wirklich unter Kontrolle zu haben. Es wird im Verlauf des Spiels besser und es entwickeln sich lustige Konzepte daraus, dass man jede Waffe lange nachladen muss für den nächsten Schuss. Connor jedenfalls lehrt uns schnell, wie wichtig Waffen-Hopping sein kann.

Mit den gescripteten Szenen hatte Ubisoft nicht immer ein glückliches Händchen. Es gibt da diese Episode, in der der Edward Braddock getötet werden muss - und wir ihn auf einem Pferd reitend verfolgen. Wie oft ich diese Szene wiederholen musste, bis es inklusive der Bonusziele geklappt hat, grenzte an Folter. Und nur, weil sie so dumm gescripted ist, das man immer wieder hängen bleibt, zu langsam ist oder an seinen eigenen Explosionen scheitert. Das nervt, aber es ist nicht das Nervigste am Spiel.

Diese Ehre wird der Geschichte von Desmond zuteil, der im Animus 2.0 sitzt und Connor steuert. Leider macht er das nicht ausschließlich, sondern muss gelegentlich im echten Leben als realer Desmond agieren. Diese Missionen wirken aufgesetzt und unnötig jenseits davon, dass die Geschichte erzählt werden muss. Es ist konzeptionell einfach blöd gelöst, auch weil man die Skills aus dem Animus nicht alle anwenden kann. Außerdem wird‘s dann noch reichlich pseudo-esoterisch in den Zwischensequenzen.

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Das große Versteckspiel mit Tötungsabsicht macht den stark verbesserten Multiplayer zum großen aber auch fordernden Spaß.

Dafür ist eine andere, integrale Sache super geworden: der Multiplayer. Das große Versteckspiel mit Tötungsabsicht ist im Gameplay nun weniger überladen und viel flüssiger geworden. Die vergleichsweise wenigen, aber perfekt balancierten Modi zielen alle darauf ab, zu täuschen und sich zu verstecken, um dann einen Gegner zu erledigen. Es geht Mann gegen Mann - auch wenn man im Team spielt. Es ist wie früher auf dem Spielplatz, nur ohne bis 20 zu zählen. Und mit echten Stich- und Schlagwaffen.

Der Multiplayer fühlt sich ganz einfach nicht überflüssig an. Er ist eigenständig, obwohl er natürlich alle mittlerweile beliebten Systeme wie Perks und Boni kopiert, die auch hier an ein Erfahrungspunktesystem geknüpft sind. Ähnlich wie Autolog 2.0 bei EA liefert uns auch Ubisoft gerne die ganze Zeit kleine Ranglistenherausforderungen mit Freunde. Fies ist nur, dass es Ubisoft per Kleingeldzahlung erlaubt, bestimmte Sachen für den Multiplayer zu kaufen. Das zerstört die Motivation und hilft auch Einsteigern nicht dabei, sich besser zurecht zu finden.

Gerade der Multiplayer verlangt einem Training ab, bis man all die feinen Hinweise korrekt deutet, die einem beim Identifizieren des richtigen Opfers helfen sollen. Die Matches arten zwar immer wieder auch in Chaos aus, aber wenn sich die richtige Truppe zum Spielen findet, erlebt man einen grandiosen Höhepunkt nach dem anderen.

Assassin's Creed III ist am Ende ein Spiel mit hohen Höhen und deutlich sichtbaren Tiefen. Es ist nicht so substanziell neu und so episch schick, dass man sich den Hals verrenken würde beim Hinterhergucken. Es bietet viel, manchmal aber eben auch zu viel und das dann in zu geringer Qualität. Es hat grandiose Momente, frustriert einen aber leider auch immer wieder.

Assassin's Creed III
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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
stark verbesserter Multiplayer, die Seeschlachten, das Jagen im wunderhübschen Grenzland, die Animationen von Connor
-
die Story von Desmond, Probleme mit der Grafik, sinnloses Handels- und Craftingsystem, eigenartige Nebenaufgaben
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

Leserkritiken

  • draphix
    Endlich mal wieder ein neues Setting mit neuem Charakter und dem großen Finale der Desmond Geschichte. Ob das ausreicht für ein gelungen... 8/10

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