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Army of Two: The Devil's Cartel

Army of Two: The Devil's Cartel

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Wir haben überprüft, ob das auch für Army of Two: The Devil's Cartel gilt.

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Erneut treffen wir auf Rios und Salem. Das Wiedersehen ist allerdings nur von kurzer Dauer, schließlich sind die beiden nicht die Hauptcharaktere in Army of Two: The Devil's Cartel. Stattdessen stehen mit Alpha und Bravo zwei unverbrauchte und unerfahrene Charaktere im Vordergrund. Nach einer kurzen Einführung in die Grundsteuerung beginnt das Spiel mit großem Tamtam und wir finden uns in Mexiko wieder. In einer Rückblende werden für uns zunächst die wichtigsten Geschehnisse von vor fünf Jahren zusammenfasst, dann springen wir zurück in die Gegenwart. Im Hier und Jetzt gestaltet sich die Geschichte als ziemlich simpel. Alpha und Bravo sind die Leibwächter des Politikers Cordova, der mit aller Kraft versucht, dem Treiben des Drogen-Kartells ein Ende zu bereiten, das Mexiko fest in seiner Hand hat.

Als Cordova schließlich vom Kartell entführt wird, ist es an Alpha und Bravo, ihren Boss zu retten. Ihren Weg bahnen sich die beiden dabei - natürlich - mit jeder Menge Waffengewalt und ballern sich so durch ganz Mexiko und Unmengen von Kriminellen. Begleitet werden sie von unterschiedlichen Helfern, die nur leider dazu neigen, allzu schnell zu sterben. Schließlich trifft das Gespann auf Fiona, die zu einem festen Bestandteil des Teams wird. Dem Trio gelingt es schließlich, Cordova ausfindig zu machen, verliert ihn dann aber wieder. Weiter geht es in einem Helikoper, der nur wenig später abstürzt. Stattdessen geht es mit dem Auto weiter, das schließlich von einem Zug geschrottet wird. Nach dem finalen Bosskampf endet das Spiel daraufhin mit einer überraschenden Wendung, die wir an dieser Stelle aber nicht verraten wollen.

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Army of Two: The Devil's CartelArmy of Two: The Devil's Cartel
Mit Alpha und Bravo geht es gegen Horden von mexikanischen Gegnern. Dabei steht vor allem jede Menge Action im Vordergrund.
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Das Spiel folgt während der gesamten Spieldauer einem einfachen und ziemlich vorhersagbaren Muster: Wir gelangen in ein neues Areal, treffen auf Widerstand, sichern den Bereich und ziehen weiter. Und das war es dann auch schon. Es geht schlicht darum, auf alles zu schießen, was sich bewegt - am Besten gemeinsam mit einem Freund. Die Army of Two-Serie hat nie besonderen Wert auf die Geschichte gelegt und schon immer stand vor allem die Action im Vordergrund. Man könnte die Army of Two-Spiele mit den The Expendables-Filmen vergleichen: Es ist explosiver Spaß, verknüpft mit einem Minimum an Erzählung und zusammengehalten wird das Ganze durch die Action-Sequenzen, die mit einem Auge zudrücken und gutem Willen als eine Art zusammenhängende Geschichte betrachtet werden können. Ich zeige gerne guten Willen und quäle mich geduldig durch die mäßig inspirierten Level und schieße und sprenge alles um mich herum in die Luft.

Es muss wohl während einer dieser Sequenzen gewesen sein, dass mir etwas bewusst geworden ist: Wenn wir eine Granate werfen oder mit der Schrotflinte feuern, passiert etwas nahezu Magisches, fast Wundervolles! Es ist dieses kleine Detail, das die Entwickler in der Spielmechanik verpackt haben und das dem Spiel das gewisse Extra verleiht: Ich nenne es den Red Faction-Faktor. Im Grunde ist das schlicht eine Beschreibung für den Grad an Zerstörung, den wir an Objekten und der Spielumgeben selbst anrichten. Und der ist in Army of Two: The Devil's Cartel wesentlich höher, als in Titeln wie Gears of War und Call of Duty.

Dinge gehen hier tatsächlich kaputt, wenn wir sie gezielt einem Kugelhagel aussetzen und explodieren in viele kleine Stücke, wenn sie in den Wirkungsgrad einer Granate geraten. Oder wenn wir einen Benzintank in die Luft jagen - von denen befinden sich in Mexiko natürlich Unmengen, genau wie übrigens auch explosive Fässer. Nachdem wir das einmal realisiert haben, verbringen wir die nächsten 40 Minuten damit, alles was uns in den Weg kommt, zu zerstören und zu sprengen. Nach und nach fallen Mülleimer, Autos, Regenschirme, Topfpflanzen, Stände und Straßenlaternen unserer blinden Zerstörungswut zum Opfer - und unser Grinsen wird breiter und breiter.

Army of Two: The Devil's Cartel
Freude wilder Zerstörungswut kommen voll auf ihre Kosten: Objekte lassen sich im Kugelhagel oder durch Granaten in Stücke reißen.
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Als wir schließlich genug Unfug getrieben und Berge von Leichen hinter uns gelassen haben, werden wir mit dem Overkill-Modus belohnt. Alles um uns herum beginnt jetzt orange zu leuchten und sich in Zeitlupe zu bewegen. Während wir unverwundbar sind, richten wir extra viel Schaden bei unseren Gegnern an. Abgefeuerte Kugeln explodieren in einem Meer aus Flammen und reißen sowohl die Körper unserer Feinde als auch ihre Verstecke in Stücke. Mich erinnert das vor allem an den Barrage-Modus von Stranglehold, einem der vielleicht lustigsten Spiele aller Zeiten. Ab einem gewissen Punkt erreicht der Zerstörungssturm beinahe die epischen Ausmaße eines Feuerwerkes. Doch Moment - tatsächlich ist es sogar ein Feuerwerk. Mitten auf einem Markt verirren sich einige Kugeln in den Stand eines Feuerkwers- und Wunderkerzenverkäufer. Toll! Ich kann nicht anders, als zu lachen.

Leider sind es ausschließlich der Red Faction-Faktor und der Overkill-Modus, die für Unterhaltung in Army of Two: The Devil's Cartel sorgen. Die Geschichte ist dünn und die Hauptcharakter ohne Profil. Gerade die Gesichtsanimationen wirken befremdlich, obwohl die Grafik insgesamt durchschnittlich ist. Auch die schauspielerische Leistung im Spiel findet sich nicht gerade in der ersten Liga wieder. Offenbar scheint EA außerdem der festen Überzeugung zu sein, dass das Drogen-Geschäft in Mexiko ein traditionelles Familienunternehmen ist. Anders lässt sich wohl kaum erklären, warum unsere Gegner fast alle gleich und noch dazu ziemlich schlecht aussehen. Einzige Ausnahme bildet hier der Hauptbösewicht. Der ist so cool, dass er langsam und mit eiserner Miene von einer Explosion weggeht. Ein zweiter mysteriöser Bossgegner verbirgt seine wahre Identität mit einer Maske. Schwer zu erraten ist die allerdings nicht.

Army of Two: The Devil's Cartel
Leider fehlen viele der Interaktionsmöglichkeiten, wodurch sich vor allem die taktische Tiefe des Spiel verringert. Schade!

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund haben sich die Entwickler außerdem dazu entschieden, viele Interaktionsmöglichkeiten mit dem Mitspieler wegzulassen. Wir können nicht länger so tun, als würden wir uns ergeben, damit unser Teamkollege unsere Gegner aus dem Hinterhalt heraus überrascht. Synchrones Scharfschießen ist nicht mehr möglich. Wir können keine Gegner als Geiseln nehmen oder gar als menschliche Schutzschilde missbrauchen. Auch abgeklatscht wird mit dem Kollegen nach einer guten Aktion nicht mehr. Weil auch der Aggro-Modus nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, fallen viele der taktischen Möglichkeiten des Spiels weg. Stattdessen gibt es ein neues, blau-oranges Displaydesign und ein Deckungssystem, das stark an Gears of War erinnert. Wenn es funktioniert, dann immerhin auch gut. Andernfalls werden wir mehr als ein Mal von Scharfschützen erwischt, weil unser Charakter sich einfach nicht hinhocken will. Spielen wir alleine, kommen noch Grafikprobleme mit dem computergesteuerten Kameraden dazu, die uns gelegentlich zum Neustart zwingen.

Davon abgesehen habe ich mich zumindest gut unterhalten gefühlt. Ich hatte sogar Spaß. Es ist, als würde man sich Stirb Langsam, The Expendables oder G.I. Joe ansehen: Es ist nicht innovativ, es ist nicht was man allgemein hin als "gut" bezeichnen würde, aber es ist unheimlich unterhaltsam. Am meisten Spaß macht das Spiel aber gemeinsam mit anderen.

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06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Koop, herzhafter Spaß, Overkill-Modus, Zerstörungsgrad, abwechslungsreiche Umgebungen
-
extrem vorhersehbar, langweilige Charaktere und Gegner, teilweise Probleme mit der Steuerung
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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