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Aliens vs. Predator

Drei verschiedene Rassen von Kämpfern treffen auf einem fernen Planeten aufeinander. Klingt nach einer Menge Ärger.

Was passiert, wenn man ein paar Krieger mit Vorliebe für Netzstrümpfe, ein paar Aliens, die gerne Köpfe zum Platzen bringen und eine Gruppe schwer bewaffneter und fluchender Marines auf einen fernen Planeten packt? Eine Menge Kämpfe, nicht mehr und nicht weniger. Das kennt man schon: drei Rassen, drei verschiedene Wege der Kriegsführung, drei verschiedene Wege einander zu hassen. Alle drei warten darauf gespielt zu werden und soviel Schmerz wie nur möglich zu verteilen.

Schon klar, was uns jetzt erwartet. Wir müssen uns durch Militärbasen, Dschungel, Abwasserkanäle, Ruinen und durch alles kämpfen, was einen auf einem beliebigen Planeten am Arsch der Galaxie potenziell erwartet. Die Storylines der drei Rassen überschneiden sich an einigen Stellen und einige Orte werden mehrmals besucht, während unterschiedliche Missionen mit den drei Rassen zu erfüllen sind.

Als frischer Rekrut erwischen wir einen ziemlich harten ersten Tag im Job. Wer dachte, dass der Zombiejäger Leon S. Kennedy eine harte Zeit hatte, sollte mal abwarten, was der arme Marine in Aliens vs. Predator erlebt. Als Teil einer Gruppe von Soldaten wurde er auf den entlegenen Planeten geschickt, um mal nach dem Rechten zu sehen. Selbstverständlich wird es gleich brenzlig. Aus dem Nichts heraus taucht plötzlich ein Predator-Raumschiff auf und ballert das Kommandoschiff der Menschen vom Himmel. Der Landungstrupp überlebt unbeschadet, bis auf den Frischling, der von schlecht gesichertem Handgepäck K.o. geschlagen wird.

Dies ist noch eins der schöneren Level im Game.

Als er wieder zu sich kommt, ist er allein, und nirgends ist eine Spur von seinen Kameraden. Alles was er hat, ist eine Funkverbindung zu seinem Sergeant. Die ersten spielbaren Minuten sind der absolute Horror: Wir taumeln in der Dunkelheit herum, merkwürdige Geräusche überall. Schatten huschen vorbei, der Bewegungssensor meldet uns ständig, dass da vor uns irgendwas ist. Nach einer Weile sind wir mit der dritten Rasse in diesem Drama konfrontiert: einem Alien. Ab hier geht es nur darum, sich langsam durch schlecht beleuchtete und mit fiesen Überraschungen gespickte Gänge zu kämpfen.

Die Predator-Kampagne ist das Highlight von Aliens vs. Predator. Es gibt die unterschiedlichste Arten von Waffen, Gadgets und wir schütteln zudem ein paar Asse aus dem Ärmel. Sich unsichtbar zu machen, das ist für den Umgang mit den lästigen Menschensoldaten bestens geeignet. Besonders dann, wenn es diese in einen Hinterhalt zu locken gilt und wir alles auf sie niederprasseln lassen, was das Arsenal hergibt. Letzteres ist mit Laserpistolen, Speeren, Boomerangs und Minen äußerst beeindruckend. Selbstverständlich fehlt auch das klassische Kampfmesser für einen netten Nahkampf nicht.

Außerdem beherrschen die Predator einige akrobatische Kunststücke und springen so die meiste Zeit durch die Level. Das funktioniert solange ganz gut, bis wir auf Anhöhen stoßen, die teilweise einfach kaum erreichbar sind. Sei es, weil sie zu nah sind oder der Absprungwinkel ungünstig ist. Das ist zwar eher selten ein Problem, doch so manches mal schränkt es doch ein wenig ein.

Die Alien-Kampagne ist bedeutend kürzer als die anderen beiden. Nach gut zwei Stunden ist sie vorbei, während Mensch und Predator ihre vier bis fünf Stunden beanspruchen. Als Alien müssen wir uns ganz auf Krallen und Schwanz verlassen. Distanzwaffen gibt es keine. Die große Trumpfkarte des Alien ist die Umwelt. Wir können Lichtquellen zerstören und uns unseren Feinden in der Dunkelheit nähern. Und mit einem verführerischen Zischen können wir die doofen Menschen anlocken, die eigentlich nur nach dem Rechten sehen wollten. Bon appétit!

Mit dem praktischen Wärmebild kommt der Predator auch im Dunkeln zurecht.

Wie es sein sollte, ist ein Alien viel agiler als die anderen Rassen. Wir können Wände entlang klettern und uns von dort auf unsere ahnungslosen Opfer stürzen. Als Alien zu spielen heißt auch, eine komplett andere Strategie zu fahren, denn der Alien-Körper ist leicht verwundbar und verträgt nicht allzu viel Schaden. Obwohl man als Alien seine Gegner an manchen Stellen auseinander nehmen kann als gäbe es keinen Morgen mehr, muss man dabei doch irgendwie behutsam vorgehen.

Qualitativ schwanken die Kampagnen erheblich. Wie bereits erwähnt, ist die Alien-Kampagne ziemlich kurz, während der Predator dagegen viel mehr Unterhaltung im Gepäck hat. Ich persönlich bin kein großer Fan der Steuerung des Spiels. Die Marines steuern sich viel zu umständlich, was einem besonders dann im Weg steht, wenn es gegen einen Alien geht. Stellt euch ein großes, bewaffnetes Stück Fleisch im Kampf gegen einen verdammt flinken Weltraum-Ninja vor. Kein schöner Gedanke und gerade in solchen Momenten mindert die Steuerung einfach den Spielspaß. Klar, dass die Marines eine Menge Krempel mit sich herumschleppen, dennoch hätte ich mir eine bessere Lösung als diese hier gewünscht.

Ich bin auch kein großer Freund des Multiplayers, auch wenn dieser für ein paar Stunden Unterhaltung gut ist. Bis zu vier Spieler können gemeinsam als Marines so lange gegen Horden von Aliens kämpfen, bis dem letzten Soldaten die Lichter ausgegangen sind. Mensch gegen Predator gibt es auch und eine ganze Menge verschiedener Varianten des klassischen Deathmatch-Modus. Der Survival-Modus macht Spaß, absolut, aber der Rest der Online-Modi ist eher lahm.

So nah sollte man die flinken Aliens besser nicht heran kommen lassen.

Der Sound schafft es an den meisten Stellen, die passende Stimmung zu erzeugen. Rotierende Lüfter, fernes Zischen oder das dumpfe Geräusch von abgefeuerten Schüssen prägen die Atmosphäre. Als Alien oder Predator umher zu schleichen und die Menschen bei ihren angespannten Gesprächen zu belauschen ist ein Hammer.

Grafisch ist das Spiel nicht besonders interessant. Das Leveldesign ist langweilig, und auch wenn einige Lichteffekte und ein paar schöne Umgebungen das Bild verbessern, begegnen wir trotzdem immer wieder sehr niedrig aufgelösten Texturen. Die Animationen wirken steif und eintönig, selbst wenn der Trophy Kill sehr cool anzusehen ist. Ein fiese Tötungsmethode zwar, äußerst roh und furchtbar gewalttätig. Aber selbst wenn man die Animation schon tausend Mal gesehen hat, macht sie immer noch einen Heidenspaß.

Aliens vs. Predator ist die Sorte von Spiel, die sich teilweise ganz schön mies anfühlen, die meiste Zeit jedoch recht in Ordnung sind. In gewisser Weise ist es eine willkommene Ergänzung zu der Reihe, selbst wenn es nicht an das Original von Rebellion oder die Fortsetzung von Monolith herankommt.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Spannender Survivalmodus, schöne Predator-Kampagne, gruselige Atmosphäre
-
Schwache Grafik, holprige Steuerung, langweiliges Leveldesign
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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