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AER: Memories of Old

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Daedalic Entertainment hebt das interessante Werk eines schwedischen Indie-Entwicklers im kommenden Jahr auf die weltweite Bühne. Wir haben reingeschaut und kurz gespielt.

Wenn etwas gut funktioniert und populär ist, wird es häufiger aufgegriffen. Auch Videospiele folgen gerne Trends. Es gibt Zeiten, in denen Zombies besonders beliebt sind. An anderer Stelle ist es die Koop-Erfahrung, ohne die kein Spiel mehr auskommt. Oder ein bestimmter Grafikstil wie Cel-Shading ist in Mode. Aktuell scheinen offene Welten ein großes Ding zu sein. Mit den Möglichkeiten der neuen Technik war es noch nie so einfach, weitläufige Orte zu erschaffen, die wir erkunden können. Jedes neue Spiel wird dahingehend beäugt, ob und wie viel Freiheit es uns gewährt. Zu den populären Vertretern, die sich dem Thema noch in diesem Jahr annehmen wollen, gehören Just Cause 3, das neue Abenteuer im Universum von The Legend of Zelda für die Wii U und natürlich No Man's Sky.

Mit letzterem hat AER wohl noch am meisten gemeinsam. Das Adventure entsteht bei Forgotten Key in Schweden und folgt einer ganz ähnlichen Prämisse. Das sechsköpfige Team hat nicht damit begonnen, sich eine Handlung oder Spielmechaniken auszudenken. Nein, am Anfang gab es da nur eine Emotion - und die sollte spielbar gemacht werden. Es geht um das Gefühl des Entdeckens. Daraus entstand dann das Abenteuer über den Wolken, wie es Studio-Chef Robin Hjelte nennt. Es gibt mehrere kleine Inseln, auf denen verschiedene Bewohner und Tiere leben, auf manchen gibt es auch Ruinen. Einige haben sogar Möglichkeiten, zwischen einzelnen Inseln hin- und herzureisen - vielleicht ein bisschen wie bei The Legend of Zelda: The Wind Waker, nur eben in der Luft.

AER: Memories of OldAER: Memories of Old
Das Fliegen und Entdecken nimmt einen ganz erheblichen Teil der Erfahrung ein.

Der Nomaden-Stamm, zu dem wir gehören, hat eine besondere Tradition. Es kommt vor, dass eine Person mit einer besonderen Gabe geboren wird, die es ermöglicht, sich in einen Vogel zu verwandeln und zu fliegen. Diese Person ist dann dazu auserwählt, sich auf eine Pilgerreise zu begeben, die Welt zu entdecken und Erinnerungen an die Vergangenheit zu suchen. Auch wir als Protagonistin des Spiels besitzen diese Gabe und ziehen deswegen raus in die Welt. Dabei treffen wir jedoch nicht nur auf andere Gestaltwandler, sondern finden heraus, dass etwas mit der Welt nicht stimmt. Wir stoßen auf einen Ort, von dem aus sich Verderben ausbreitet. Es ist wohl auch für den Zerfall der Welt in Inseln verantwortlich. Wir versuchen also herauszufinden, was dahinter steckt. Und das Verderben aufzuhalten.

Das Fliegen und Entdecken nimmt einen ganz erheblichen Teil der Erfahrung ein. Etwa die Hälfte des Spiels bestreiten wir in der Luft. Die Steuerung dafür ist ziemlich simpel. Schlagen wir mit den Flügeln oder begeben wir uns in den Sinkflug, dann erhöht sich das Tempo. Es ist auch möglich, langsamer zu werden, um so einen bestimmten Punkt anzusteuern. Robin Hjelte vergleicht das Spielgefühl mit Wipeout, ich selbst fühle mich ein bisschen an Pilotwings erinnert. Dafür, dass sich die Entwicklung noch in einem sehr frühen Stadium befindet, funktioniert das auf jeden Fall schon ziemlich gut. Sichtbar wird bei dem kleinen Ausflug bereits, dass die fliegenden Inseln viel zum Entdecken bieten. Dabei ist die Reihenfolge, in der wir vorgehen, völlig unwichtig. Es ist eine offene Welt und wir sollen sie bis in den letzten Winkel frei auskundschaften.

Interessanterweise ähnelt dieses Konzept tatsächlich dem, was Sean Murray und sein Team mit No Man's Sky vorhaben. Allerdings wird auch rasch deutlich, was der große Unterschied zwischen den beiden Spielen ist. In der Rolle von Auk versuchen wir in AER heroisch eine untergehende Welt zu retten - eine endliche, die speziell dafür erschaffene Schauplätze wie die Tempel der alten Götter beherbergt. Wir kämpfen gegen Monster oder schleichen uns nur an ihnen vorbei. In jedem Fall aber folgen wir einer Handlung. Das Weltraum-Abenteuer No Man's Sky verzichtet auf all das, um sich auf dieses besondere Gefühl zu konzentrieren, mit dem alles begann. Das macht offensichtlich bei AER nur die halbe Miete aus.

AER: Memories of Old
Der gleichzeitige Einsatz vieler Farben lässt das Abenteuer comichaft erscheinen.

Und optisch sind die beiden Titel natürlich auch völlig verschieden. AER setzt auf eine eher unfertige Präsentation. Für alle Landschaften, Objekte und Lebewesen stehen nur wenige Polygone zur Verfügung. Daher werden sie nicht realistisch, sondern zum Teil auch leicht überzeichnet und surreal dargestellt. Der gleichzeitige Einsatz vieler Farben lässt das Abenteuer comichaft erscheinen. Ein bisschen wirkt es so, als liefen wir durch ein modernes Kunstwerk. In diesen Momenten werden Erinnerungen an Okami wach, das mit seiner malerischen Aufmachung viele Herzen erobert hat. Robin Hjelte nennt den Ton seines Spiels atmosphärisch - wie Journey und die The Legend of Zelda-Reihe.

Die Offenheit und Leichtigkeit, die der schwedische Indie-Entwickler einfangen wollte, hat er damit womöglich gut getroffen. Die kurzen Eindrücke der Session strahlen tatsächlich das angestrebte Leitmotiv Freiheit aus. Und versprochen wird uns auch, dass Entdecker und Erkunder für ihre Neugier belohnt werden. Da AER aber erst 2016 erscheint - für PC, PS4 und Xbox One - ist sowieso schwer zu sagen, was uns am Ende erwartet. In jedem Fall ist es ein faszinierendes Konzept. Aber offene Welten sind ja sowieso das gerade hoch im Kurs. Wenn dabei so vielversprechende Erfahrungen entstehen, soll uns das aber nur recht sein.

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