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A Way Out

A Way Out

Leo und Vincent sind fest miteinander verbunden. Ob sie einen Ausweg aus ihrer Zwickmühle finden?

  • Mike Holmes

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Wenn ihr A Way Out spielen wollt müsst ihr einen Freund dabei haben, denn Hazellights Debüt ist ein reines Koop-Abenteuer, das von Anfang an auf zwei Spieler ausgelegt wurde. Es mag zwar das erste Spiel des Studios sein, doch Chefentwickler Josef Fares war bei Starbreeze bereits am großartigen Brothers: A Tale of Two Sons verantwortlich. Die Erwartungen an das Spiel sind entsprechend hoch, doch wie hält sich der Titel?

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A Way Out
Die Steuerung hat keine besonderen Finessen, einfache Bewegungen und Dialogoptionen stehen von Anfang an zur Verfügung.

Die Mechaniken von A Way Out sind extrem interessant und packend gestaltet. In unserem Review-Zugang konnten wir zwar lediglich den lokalen Koop-Modus spielen, das fertige Spiel wird jedoch Online-Unterstützung erhalten. In beiden Spielmodi teilen wir uns einen Bildschirm mit unserem Partner, folglich sehen auch immer beide Spieler was gerade auf der Seite des anderen passiert. Ihr werdet nicht immer einen halben Bildschirm für euch allein haben, aber während der etwa sieben Stunden andauernden Kampagne werden stets die gleichen Bilder gezeigt. Nicht immer wird es möglich sein dem Geschehen zu folgen, da sich die Dinge ab und zu überschlagen - wegschauen ist also keine Option.

Das cineastische Erbe von Regisseur Fares zeigt sich in A Way Out deutlich, denn viele Szenarios sind eine Hommage an Hollywood. Das ist alles nie zu stark, doch die Einflüsse sind stets zu spüren. Der Titel sieht cool aus, denn häufig wird der Bildschirm in kleinere Abschnitte unterteilt. Häufig ist dann auf jedem Stück etwas Eigenständige zu sehen und das sorgt für einen optischen Reichtum, der wirklich sehr reizvoll ist. Die meiste Zeit sind das die beiden Hauptdarsteller Leo und Vincent, aber manchmal erleben wir das Geschehen aus den Augen anderer Figuren.

Das Koop-Gameplay ist einfach aufgeteilt: Ein Spieler steuert Leo, während der andere die Rolle von Vincent übernimmt. Die beiden Charaktere sind abgesehen von ihrer gemeinsamen Kriminalität sehr unterschiedlich. Vincent ist der ruhigere und bedachte Typ, Leo eher impulsiv und aggressiv. Ich habe Leo wegen seiner proaktiven Natur bevorzugt, aber mein Spielpartner war dankbar, den etwas reservierteren Vincent steuern zu können. Ich kann mir vorstellen, dass es anderen Spielerpaaren ähnlich gehen wird und sie in das Paar Schuhe schlüpfen werden, das ihnen und ihrer Persönlichkeit einfach besser liegt.

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A Way Out
Die Erfahrung ist für Koop-Freunde ausgelegt, spiebar ist A Way Out lokal und online.

Die Spieler übernehmen die Kontrolle ihrer Charaktere zum ersten Mal, als Vincent in einem Transporter in genau das Gefängnis gebracht wird, in dessen Hof Leo herumspaziert. Irgendwann werden die beiden einander vorgestellt und enden natürlich in einem Schlagabtausch. Einige Gefangene wollen Leo töten und am Ende landen Vincent und er in der Krankenstation. Leo entdeckt eine Fluchtmöglichkeit und Vincent steht Schmiere, während sein neuer Partner durch das Gebäude schleicht. So beginnt ihre gemeinsame Flucht und die Suche nach Rache.

Die Steuerung hat keine besonderen Finessen, einfache Bewegungen und Dialogoptionen stehen von Anfang an zur Verfügung. Wir können mit bestimmten Gegenständen interagieren und es kommt zu vielen Quicktime-Events, aber nichts davon ist besonders erwähnenswert. A Way Out glänzt, wenn die schlichten Interaktionen der beiden Spieler miteinander verknüpft werden. Wenn beide Stränge der gleichen Geschichte auf dem geteilten Bildschirm zu sehen sind und beide Charaktere im richtigen Augenblick die entsprechende Taste drücken müssen. Wie etwa bei dem Kampf im Hof, der unglaublich clever gemacht ist.

Einer der schönsten Momente hatte ich zu Beginn des Spiels, als die zwei Männer während der Nacht abwechselnd Wache standen und mit dem gestohlenen Werkzeug aus der Krankenstation die Flucht aus ihrer Zelle vorbereiten. Hier wartet immer genau die richtige Menge an Aufgaben auf uns. Wenn im Augenschein unseres Partners etwas aufblitzt, während wir Bolzen entfernen, dann müssen wir sehr schnell sein und diese Panik breitet sich aus. Wenn die Wachen zurückkehren muss natürlich wieder alles beim Alten sein. Diese Szene ist stellvertretend für die restliche Erfahrung, denn für den Spielfortschritt wird regelmäßig Koordination verlangt.

Wir wollen hier nicht zu viel verraten, denn wer Brothers gespielt hat, weiß sicher, dass einige clevere Momente zu erwarten sind. Insgesamt hat mir das Tempo von A Way Out gut gefallen und Hazellight setzt die Koop-Mechaniken besonders während der Kämpfe und der Schleichabschnitte klug ein. Trotzdem fühlten sich einige Szenarien sehr erzwungen an, wie etwa der Abschnitt in dem alte Reifen auf einem unzugänglichen Balkon gelagert wurden und wir zur Zusammenarbeit gezwungen sind.

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A Way Out
Die Mechaniken von A Way Out sind extrem interessant und packend gestaltet.

Interessanterweise führen die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Leo und Vincent zu alternativen Dialogoptionen mit den Bewohnern der Welt und zumindest ein Stück weit beeinflusst das auch andere Entwicklungen. Leos aggressivere Art sorgt für gewalttätigere Szenarios, während bei Vincent mehr Diplomatie im Spiel ist. Bestimmte Situationen lassen uns die Wahl und die Handlung bewegt sich nicht voran, bevor wir uns entschieden haben. Auch das ist ein cleveres System, das gleichzeitig für ein wenig Wiederspielwert sorgt. Mir haben auch die diversen Nebenaktivitäten gefallen, denn wir dürfen Arcade-Games spielen, Armdrücken oder Darts werfen, während die Punktanzeige auf dem Bildschirm für freundliche Rivalitäten sorgt.

Trotz der interessanten Mechanik, den gebotenen Ablenkungen und alternativen Lösungen ist vieles in A Way Out vorherbestimmt und spielerische Freiheit gibt es nur wenig. Das liegt natürlich daran, wie die beiden Geschichten miteinander verwoben wurden, und an dem großen Story-Fokus, aber dadurch entstehen eben auch einige Probleme. Das größte ist sicherlich das Skript selbst und wie es das komplette Spiel beeinflusst. Hier hat jemand ganz eindeutig nicht in seiner Muttersprache geschrieben, dadurch wirken die Dialoge hölzern und überzeugen nicht immer - auch nicht im Englischen.

Manche Dinge wirken übereilt und die Story wird durch Dialoge vorgetragen, die aber die Figuren überhaupt nicht weiterentwickeln. Sie dienen nur dazu die Ereignisse besser zu verdeutlichen und nicht dazu, besondere Momente zu kreieren. Manchmal hätte ich mir gewünscht die Action wäre etwas in den Hintergrund geraten und man hätte den Charakteren mehr Raum zum Atmen geben. Dann sind da noch Löcher im Plot und regelmäßige Ungereimtheiten. Die grobe Ausarbeitung der Handlung macht es den Darstellern schwer richtig zu glänzen und trotzdem ist das Tempo der Dialoge häufig zu langsam, wodurch andere Schwächen noch stärker auffallen. Es ist keine schlechte Geschichte per se, denn die Prämisse hat mir ja wie erwähnt gut gefallen, aber leider ist die Ausführung alles andere fachmännisch. Das ist kein riesiges Problem, aber bei einem Spiel, das sich so sehr auf die Story verlässt, machen genau die kleinen Details eben den Unterschied.

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A Way Out
Das größte Problem ist sicherlich das Skript selbst und wie es das komplette Spiel beeinflusst.

Wenn A Way Out ein Film gewesen wäre, dann wäre die Wertung wesentlich schlechter ausgefallen, aber die interaktiven Elemente - egal wie unausweichlich und geskriptet sie auch sind - verbessern den Gesamteindruck. Trotz einiger Fehltritte gibt es einige großartige Momente und wer Koop-Spiele liebt und einen guten Freund als Spielpartner hat, der sollte einen Blick riskieren. Das Abenteuer ist ganz sicher nicht perfekt, aber es ist eure Aufmerksamkeit wert. Wenn der Abspann über den Bildschirm gerollt ist wollt ihr vielleicht kein zweites Mal spielen, aber ihr habt trotzdem ein einzigartiges und packendes Spiel erlebt, das keine Risiken gescheut hat ein paar Dinge anders zu machen.

Wir sind froh, dass Fares und sein Team bei Hazellight dieses Spiel entwickelt und veröffentlicht haben und ich würde gerne mehr von diesem Studio sehen. Das Debüt kam nicht ohne Fehler aus, trotzdem ist es ein sehr faszinierendes Spiel. Ich habe vielleicht keine Lust auf eine zweite Runde, aber ich muss trotzdem noch immer darüber nachdenken, was ich gerade erlebt habe und allein das macht A Way Out zu einem interessanten Titel - besonders in Zeiten, in denen wir mit Remasters und Sequels nur so überflutet werden.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Interessanter Einsatz der Koop-Mechaniken; einige erinnerungswürdige Momente; viele Hollywood-Gene.
-
Einige Szenen fühlen sich erzwungen an; Dialoge sind nur selten natürlich.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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