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Die Siedler 7

Die Siedler 7

Es soll ja noch immer Menschen geben, die noch nie Siedler gespielt haben. Ja sogar solche, die noch nie davon gehört haben. Kaum vorstellbar eigentlich, gibt es die Serie doch seit über 16 Jahren allein als Computerspiel. Länger als die Konkurrenz von Anno, in dessen Schatten es Blue Byte trotzdem aushalten muss. Im Frühjahr 2010 erscheint nun Siedler 7. Wieder versucht man sich am ganz großen Wurf.

Als die Einladung zu Blue Byte nach Düsseldorf kam, ließ sich nur erahnen, um welchen Titel es sich dreht. Bis zur Ankündigung durch den Trailer zwei Tage vor der Reise, blieb das auch so. Das erste Video zeigt vom Spiel kaum etwas, nur das grundsätzliche Spielprinzip wurde schemenhaft vermittelt. Auf eine ähnliche Art erwärmte Ubisoft die Spielegemeinde schon für das Echtzeitstrategie-Spiel R.U.S.E..

Im Zuge des Trailers wurde viel darüber diskutiert, was uns denn nun erwartet. Häufig fiel der Satz: "Das wird wie Catan." Und tatsächlich erinnern die im Video dargestellten Siegpunkte an das Brettspiel. Siedler 7 als rundenbasiertes Strategiespiel? Nein, das wäre vielleicht für einen Ableger denkbar, aber kaum für ein reguläres Vollpreisspiel. Wenngleich Blue Byte mit den Jahren viel herumprobiert hat, um die richtige Mischung aus Wirtschaft und Militär zu finden, wäre dieser Schritt einer zu weit.

Was Blue Byte mit Siedler 7 anstellt, ist aber in der Tat viel cleverer. Richtig ist, es gibt Siegpunkte in drei Kategorien, nämlich Militär, Wissenschaft und Handel. Um diese zu gewinnnen, muss sich ein Spieler ordentlich ins Zeug legen. Keinesfalls ist es so leicht, wie im Video dargestellt. Ins Detail wollten Produzent Benedikt Grindel und Programmierer Andreas Nitsche nicht gehen. Aber zumindest gab es einen kleinen Einblick in das neue wuslige Abenteuer.

Die Welt ist in verschiedene Sektoren aufgeteilt. Der Start- bzw. Stadtsektor verfügt über ein Schloss und Burgmauern. Weitere Sektoren können erobert werden, indem das dort vorhandene Militärgebäude besetzt wird. Die Wirtschaftskreisläufe ähneln eher dem zweiten und dritten Teil, sind jedoch komplexer, obwohl auch hier Andreas Nitsche keine Details rausrückte.

Dass Holzfäller und Minen weiterhin Teil von Siedler 7 sind, wird niemanden überraschen. Auch Wohnhäuser sind wieder mit von der Partie, allerdings werden diesmal mit dem Bau nicht einfach nur Siedler produziert. Nitsche erklärt, dass nur so viele Siedler einziehen, wie auch benötigt werden. Diese also sinnfrei massenhaft zu platzieren wäre unklug.

Damit so ein Gebäude entsteht, braucht es Bauarbeiter. Hier gilt es schon die erste Entscheidung zu treffen. Je mehr wir davon zur Verfügung haben, je schneller können wir uns ausbreiten, nach der Eroberung anderer Sektoren sogar kleine Dörfer aufbauen. Ob diese Investition aber sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden. Zumal die Wissenschaft mittels Klöstern und dort ansässigen Mönchen eine weitere taktische Komponente eröffnet.

Neue Technologie ermöglicht es nämlich, dass Gebäude aufgewertet werden und damit effektiver sind. Wer geschickt investiert, muss sich gar nicht ausbreiten, sondern regiert sein kleines Reich ganz unbemerkt von dem, was da draußen auf den Weiten der Karte passiert. Verraten wurde auch, dass Forschungen exklusiv dem Spieler vorenthalten sind, der sie zuerst entdeckt. Schon wieder so etwas, das verdammt stark nach Taktik riecht.

Und es wird wohl auch danach schmecken. Laut Nitsche ist es nahezu unmöglich in allen drei Kategorien Spitze zu sein. Vielmehr geht es darum, sich auf Militär, Wissenschaft oder Handel zu konzentrieren und die je nach Kartengröße nötige Zahl an Punkten einzukassieren. Ist dies geschafft, springt ein Countdown an, der den Gegnern eine letzte Chance einräumt, dass Ruder herumzureißen. Gelingt dies nicht, ist auch ein Sieg ohne den Einsatz von Waffengewalt möglich. Ein Novum für die Serie.

Um zu lernen, wie die drei Teilbereiche funktionieren, gibt es den Einzelspielermodus. Der wird nämlich anfangs auf die volle Komplexität verzichten und vor allem einzelne Aufgaben an den Spieler stellen. Erst nach und nach nähern sich diese Aufgaben dem Siegpunktsystem an. Ob es nach der Kampagne noch weitere Solo-Herausforderungen in Form von Zusatzkarten gibt, wollte der Programmierer nicht verraten. Aber aus der Aussage "So etwas ist ja sehr leicht umzusetzen" kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

Im Übrigen wird es in Siedler 7 keine Völker mehr geben. Jedoch gibt es zur Differenzierung unterschiedliche Spezialisten. Je nachdem, in welche Richtung wir uns entwicklen wollen, sollte der Herrscher mit seinen Qualitäten weise gewählt werden.

Damit die Siedler auch optisch neue Höhen erklimmen, griff Blue Byte auf die Trinity-Engine als Basis zurück. Die wurde allerdings gehörig aufgemotzt. Es gibt echte Wolken, eine Art Wettersystem und wieder viel Liebe fürs Detail, das einen heimligen Look erzeugt. Gebäude sind zwar angelehnt an das Mitteleuropa zu Beginn der Renaissance, aber werden eben nicht immer realitätstreu abgebildet. Vielmehr wurde darauf geachtet, dass wir unseren männlichen und ja, ganz recht, weiblichen Siedlern bei der Arbeit zu sehen können.

Benedikt Grindel vergleicht es mit Disney. Ziel sei eine märchenhafte Welt. Alles "Gute" sei rund und hell, "Böses" dunkel mit Ecken und Kanten versehen. Was es aber mit dem dunklen und demnach bösen Schloß auf sich hat, dass in der Mitte der gezeigten Karte auf einem Berg thront, wurde auch auf Nachfrage nicht verraten.

Die Siedler selbst sind überspitzt gezeichnet. An der Kanone stehen beispielsweise ein hagerer Sproß und ein wuchtiger Kerl - ein sehr ungleiches Paar. Ein General kommt da staatlicher daher. Derweil gibt es noch Nah- und Fernkampfeinheiten, die sich allesamt einem General zuordnen lassen und durch ihn gesteuert werden können - das aber nur nebenbei. Die optische Unterscheidung verhält sich bei Händlern und Geistlichen ähnlich. Je höher im Rang sie sind, desto besser sind sie gekleidet. Der Stil bleibt aber recht simpel. Eher einfache Formen beherrschen das Bild.

Dennoch bewegt sich Blue Byte technisch einigermaßen auf der Höhe der Zeit. Volumetrischer Nebel, also einer, der nicht existiert, um die Unfähigkeit der Engine herauszustellen, sondern jener, der gezielt eingesetzt wird, könnte beispielsweise Täler mit einer Nebelsuppe bedecken und nur Bergkuppen deutlich erkennen lassen. Eine freie Kamera sowie freier Zoom sorgen für die nötige Übersicht. Bei vollen Details sind auf der höchsten Zoomstufe sogar einzelne Steine und Grashalme sichtbar. Für Technikfreunde: Ziel ist es, das Spiel auf einer Nvidia Geforce 8800GT-Grafikkarte mit vollen Details bei 20 Frames laufen zu lassen. Die Mindestanforderung liegt wahrscheinlich bei einer Nvidia Geforce 6800. "Also ein bisschen so wie Crysis", witzeln die Blue Bytler.

Der Gradmesser für die Qualität eines Siedler-Spiels hängt immer auch ein bisschen davon ab, wie sehr es auf dem Bildschirm wuselt. Das ist eine Art Markenzeichen der Serie und kommt auch beim siebten Teil nicht zu kurz. Wie bereits erwähnt sind arbeitende weibliche und männliche Siedler gut sichtbar und verrichten, fleißig wie sie sind, auch bei schlechtem Wetter ihre Arbeit draußen. Wege in der Stadt können frei oder geradlinig gebaut und später ebenfalls wie Gebäude aufgewertet werden. Ein richtiges Stadtflair scheint trotz einer Vielzahl verschiedener Gebäude nicht aufzukommen.

Am Ende aber zählt bei dem Strategiespiel in erste Linie die Übersichtlichkeit und nicht die Schönheit. Daher ist es ab einer gewissen Zoomstufe ebenso sinnvoll, Symbole über Gebäuden und Siedlern mit ihren jeweiligen Waren anzuzeigen, selbst wenn in der Nahaufnahme erkennbar ist, was sie produzieren oder transportieren.

Seit Anfang 2008 ist Siedler 7 in der Entwicklung. Ein Team von fünfzig Leuten sitzt intern am Spiel, ein größerer Teil unterstützt extern. Und obwohl wir nur einen kleinen Ausschnitt vom Spiel gesehen haben, über den Handel noch nichts wissen und über den Rest nur Teile, so lässt sich erahnen, dass eine Mammutaufgabe auf Blue Byte wartet. Am Ende soll es keine optimale Lösung geben, so weit der Plan. Dafür gilt es die einzelnen Wege zum Sieg gut auszubalancieren. Viel wird bereits gespielt und sogar öffentlich ruft Blue Byte auf, sich als Beta-Tester zu bewerben.

Die zweite Baustelle ist die Komplexität. Die diversen Möglichkeiten sich in Siedler 7 auszulassen, wirken auf den ersten Blick umfangreich. Wie bereits erwähnt glaubt selbst Programmierer Andreas Nitsche nicht daran, dass ein Spieler alle drei Bereiche beherrschen kann. Hier allerdings bauen wir auf den Berater, den sich Blue Byte geleistet hat. Kein geringerer als Bruce Shelley, Mitgründer der Ensemble Studios, steht den Jungs und Mädels zur Seite und gibt nützliche Hinweise und Tipps. Und was für Age of Empires gut war, kann für die Siedler ja nicht schlecht sein.

So gesehen ist Siedler 7 auf einem guten Weg, auch wenn ein bisschen Skepis bleibt. Die wird jedoch hoffentlich bald in einer ersten Spielesession ausgeräumt.

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