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Gran Turismo Sport

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Wir haben am Nürburgring ein paar Runden von GT Sport angespielt und mit dem Chefentwickler Kazunori Yamauchi gesprochen.


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Das Versprechen zum Einstieg ist nicht gerade ein kleines. Kazunori Yamauchi, Chefentwickler von Polyphoy Digital und Grand Seigneur der Konsolen-Rennspielszene, startet die Präsentation von Gran Turismo Sport aka GT Sport am Nürburgring mit dem Satz "The Spirit of Maximum Quality". Man wolle bei Wagen und Strecken für das erste PS4-GT alles geben. "Qualität steht über allem", unterstreicht Yamauchi, der am Wochenende das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring fährt als vierter Mann im Team Walkenhorst. Gemeinsam mit Matias Henkola, George Richardson und Maximilian Sandritter wird Yamauchi einen BMW M6 GT3 über die Nordschleife treiben. Das Ziel: natürlich gewinnen. Die Zusammenarbeitet zwischen dem Videospielentwickler aus Japan und dem Rennstall aus einer deutschen Kleinstadt ist eine intensive gewesen in den vergangenen Monaten. Polyphony hat den BMW für Testsessions mehrfach umfangreich verkabelt mit einem Haufen Sensoren, um Daten vom Auto und der Strecke zu extrahieren. Und natürlich kriegen sie zusätzlich Daten von BMW zur Verfügung gestellt, um das Erlebnis so realistisch wie möglich zu gestalten.

Die erste Anspielsession von GT Sport in Deutschland, natürlich auf der Nordschleife, lässt erahnen, was Yamauchi meint. Ich bin die berüchtigte Strecke mehrmals gefahren - in einem Audi R8 LMS, einem Ferrari 458 Italia und einem Z4 GT3. Die anspielbare Version lag bei einem "Qualitätslevel wie im Trailer von 50 Prozent" des fertigen Spiels. Das war durchaus sichtbar. Immer wieder sind in der Szenerie am Straßenrand Grafikfehler, Tearing oder Texturenaussetzer sichtbar, wenn mehrere Fahrzeuge im Bild sind, wobei die Karren der 19 KI-Mitfahrer die meiste Zeit sehr gut aussehen. Die Kinnlade klappt einem wegen enormer Grafikverbesserung allerdings nicht komplett runter, einzig das Licht sieht deutlich besser aus. Der fehlende Aha-Effekt lässt sich wohl damit erklären, dass Forza Motorsport 6 und Project CARS ganz gut vorgelegt haben auf Xbox One und PS4.

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Das von Yamauchi bestätigte Schadensmodell war noch nicht aktiviert, es soll aber kosmetische und fahrerische Auswirkungen haben.

Das Fahrgefühl von GT Sport ist flüssiger als früher, irgendwie organischer und natürlicher. Am GT-Thrustmaster-Lenkrad im Playseat liefert Polyphony eine sehr authentische Simulation der Nordschleife. Allerdings ist die KI der Mitspieler nach wie vor lahm. Die Fahrer bremsen zu früh und fahren mir persönlich nicht aggressiv genug. Außerdem war immer noch ein fieser Gummibandeffekt spürbar, wenn man nach einer guten Runde auf der sehr langen Zielgeraden dann doch wieder einkassiert wird - warum auch immer das nötig sein muss. Das von Yamauchi bestätigte Schadensmodell war noch nicht aktiviert, es soll aber kosmetische und fahrerische Auswirkungen haben. Nun, jedenfalls durfte man hier den hübsch im Sonnenlicht glänzenden Rennwagen noch einfach hinten ins Heck ballern, ohne allzu große Konsequenzen befürchten zu müssen. So zerkratzt man immerhin nicht den schicken Lack, der sich mit einem umfangreichen Livery Editor endlich auch individualisieren lässt.

137 Super-Premium-Modelle werden zum Launch integriert, dazu 19 Strecken in 27 Layouts. Mit dem Northern Isle Speedway ist das erste Mal ein Halbe-Meile-Oval dabei (Yamauchi: "GT3-Wagen machen da echt Spaß drauf"). Dazu gibt es noch 20 Kilometer Tokyo Express Way ("Ähnlich schwierig und spaßig wie die Nordschleife") oder einen völlig neu gerenderten Brands Hatch Grand Prix ("Neues Licht, das fühlt man wie nie zuvor"). Auch der Willow Springs International Raceway und die Nordschleife fehlen nicht - und Dirt Tracks für Rallys haben ein Comeback. Es wird in GT Sport kein dynamisches Wetter geben, sondern wir müssen uns die Wetterlage vor dem Rennen aussuchen. Das dynamische Wetter würde die Qualität zu stark beeinflussen und die Framerate in den Keller ziehen, erklärte Yamauchi die Entscheidung.

Die Wagen sind in vier Gruppen geteilt. Gr. 1 entspricht der LMP-Einstufung, aber es sind hier auch Fantasy Cars der GT Vision mit am Start. Gr. 3 entspricht den GT3-Fahrzeugen, auch hier mischen sich fiktive Rennwagen ins Feld, die aber eine höhere Chance auf eine reale Produktion haben, sagte Yamauchi. Und dann sind da noch Gr. 4 und Gr. N für "normalere" Fahrzeuge. Das Interieur und Exterieur wurde neu modelliert für alle Wagen, man wolle "einen neuen Standard setzen" im Rennspiel-Genre, das sich "nicht so stark entwickelt hat" in den letzten Jahren. "Ich will eine Evolution, wie es sie seit dem ersten Gran Turismo nicht gegeben hat", feuert Yamauchi selbstbewusst raus. Noch so eine nicht gerade kleine Ansage.

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Gran Turismo Sport will trotz eSport-Fokus "kein Hardcore-Driving-Simulator" sein.

Er will mit Gran Turismo Sport aber "keinen Hardcore-Driving-Simulator auf den Markt bringen". Es solle ein Spiel für alle sein, das allen interessierten Spielern Möglichkeiten gibt sich auszuleben. Es soll viele Gewinner geben. Nicht nur jemand, der im Sport Modus mit Lenkrad die besten Zeiten rausschlägt, soll ein gutes Erlebnis haben, sondern auch andere Spielstile sollen reflektiert werden. Dazu soll man sich die passenden Mitspieler und Modi aussuchen sollen. Es soll „nicht nur ein aggressives Fahren geben" um Bestzeiten, sondern eben mehr als das. Inhaltlich soll einiges geboten werden, um möglichst viele Wünsche zu erfüllen.

Im Arcade-Modus gibt es Einzelrennen, Zeitrennen, Driftrennen und Splitscreen für zwei Spieler. Im Kampagenmodus ist Fahren für jedermann die Ansage. Rennsimulatoren müssten nicht schwierig sein, unterstreicht Yamauchi, sondern sie könnten auch einfach sein. Ein gut aufgesetztes Rennauto sei simpler zu fahren als man denke. "Je besser, desto einfacher", so die These des Japaners mit Hang zur Detailverliebtheit und Perfektion. In GT Sport gibt es nun eine Fahrschule für Einsteiger mit Tutorials inklusive echten Videos. Über die Circuit Experience können wir Rennstrecken und deren Ideallinien Sektion für Sektion lernen. Es gibt Missionen als Herausforderungen und selbst die Rennetikette dürfen wir lernen. 117 unterschiedliche Events sind hier zum Launch vereinigt. Und mit der Rennetikette auch das erste Signal in Richtung FIA und der Tatsache, dass man sich eine echte Rennlizenz in Gran Turismo Sport wird erspielen können. Die heißt FIA Gran Turismo Digital License und wird einem den Zugang zu echten Rennstrecken ermöglichen, ganz so, als würde man die Lizenz real erwerben.

Dazu müssen einige Standards im Spiel erfolgreich absolviert werden, darunter etwa bestimmte Aufgaben und eine gewissen Zahl von absolvierten Onlinerennstunden. Diese Anforderungen sind mit denen eines realen FIA-Anwärters vergleichbar. Es sei ohnehin unterschiedlich von Land zu Land, wie man eine Lizenz bekommen. 21 Ländern machen aktuell mit, die wichtigsten sind UK und Australien. Deutschland, Japan oder die USA fehlen aktuell, aber bereits zum Launch des Spiels sollen mehr Ländern hinzugekommen sein. Was das Problem bei den fehlenden Ländern sei, ließ der Entwickler offen.

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Man kann im Spiel die FIA Gran Turismo Digital License erwerben, die dann wie das reale Gegenstück den Zugang zu echten Rennstrecken ermöglicht.

Im Sport Mode will Polyphony die Zukunft des Motorsports zelebrieren. Es ist jener Hub, der das Spiel für den eSport tauglich macht mit regelmäßigen Übertragungen aus den zwei unterschiedlichen Wettbewerben für die FIA Gran Turismo Championships. Es gibt einen Nationen-Cup (Land gegen Land, getrieben von Patriotismus, wie es Yamauchi nennt) und den Manufacturer Fan Cup für Markenfetischisten. Ausgespielt werden jeweils Landessieger, die dann in drei großen, live übertragenen Cups in Amerika, Europa und Asien und den Einzug ins große FIA World Final ausfahren. "Jeder ist ein Teilnehmer, jeder ist ein Zuschauer", sagt Yamauchi. Und alle sollen irgendwie Gewinner sein. "Viele Trophäen, viele Gewinner" - und ein bisschen mit Augenzwinkern sei das zu verstehen. Aber das ist wie bei echten Rennen, wie beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring zum Beispiel. "Man geht am Ende fast immer mit irgendwas in den Händen nach Hause", erzählt er lachend - und genau das motiviere eben, im kommenden Jahr wiederzukommen.

Als weitere Motivation darf man auch FIA World Finals und die Teilnahme der virtuellen Sieger an FIA Ceremony verstehen. Die große Weihnachts-Gala für echte FIA-Rennfahrer wird nun auch die virtuellen Gewinner würdigen. "Das Videospielchampions gemeinsam mit realen Rennfahrer gewürdigt werden, das ist sehr neu und sonst nirgends im eSport zu haben", sagte Yamauchi. Der will außerdem Kindheitsträume neu aufbauen über den Brand Central - einen Ort, um Autos und Marken zu erleben. Im Showroom zeigen die Hersteller ihre Wagen, im Channel werden qualitativ hochwertige HD-Videos zu sehen sein und im Museum der Geschichte der Autos auch im größeren Kontext etwa von zeitgenössisch passender Kunst gehuldigt.

Und dann erklärt Yamauchi noch eine ganze Weile den neuen Photomodus namens Scapes. Der liefert zum Launch knapp 1000 Szenerien, in denen man frei wählbar eines oder mehrere Autos platzieren kann. Die Fahrzeuge werden dann in durch die Lichtinformationen der Umgebung in die Szene eingetaucht. Man kann die Blende einstellen, um den Hintergrund unscharf zu machen und allerlei weiteren Nachbearbeitungskram machen. Dazu gehört sogar die Möglichkeit, die Physikengine die Autos in Bewegung versetzen zu lassen in der Szene. Die visuelle Qualität der in 4K-Auflösung speicherbaren Bilder ist erstaunlich, die Inszenierung von Marken und Produkten an weltweit unterschiedlichen Orten auf hohem Niveau möglich. Hier sind Realität und Spiel nicht mehr zu unterscheiden, GT Sport wird hier quasi zum Tool für Werbefotografen der Autoindustrie. Angesichts dieses Features, das ohne Zweifel ein feines Stück Software für Autonerds ist, stellt sich trotzdem die Frage, ob genug Zeit im Studio für das eigentlich Spiel bleibt. Denn die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Die Versprechen sind keine kleinen. Und die Zeit bis zum Jahresende denkbar knapp.

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