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Kritiken
Déraciné

Déraciné

Der Game Director von Dark Souls und Bloodborne gibt sein VR-Debut. Was kann da schon schiefgehen?

  • Text: Kalle Max Hofmann
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Schon die Ankündigung von Déraciné ließ uns Aufhorchen, denn das Spiel stellt eine Zusammenarbeit von Sony und From Software dar und ist das neueste Werk von Hidetaka Miyazaki. Der Japaner hat mit Demon's Souls, Bloodborne und der Dark Souls-Trilogie einige der einflussreichsten und unter Gamern heißbegehrtesten Titel hervorgebracht. Für sein VR-Debut schlägt er jedoch einen anderen Weg ein, als man zunächst vermuten könnte.

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Die Rahmenhandlung entwickelt sich langsam, verfehlt jedoch ihre Wirkung nicht.

Im Kern ist Déraciné ein klassisches Adventure, das wir in der virtuellen Realität erleben. Schon das Tutorial zeigt, dass wir uns um Motion Sickness keine Sorgen machen brauchen: Die Fortbewegung erfolgt durch feste Teleportationsmarken, zu denen wir uns auf Knopfdruck bewegen. Objekte können mit den Händen manipuliert oder aufgenommen werden, dafür sind jedoch zwingend zwei Move-Controller notwendig. Auch die Rolle des Spielers wird in den ersten Minuten des Spiels erklärt: Als unsichtbare Fee haben wir über die Schicksale einer Gruppe von Kindern zu wachen, die in einem von Zeit und Raum getrennten Waisenhaus leben.

Zumindest erscheint es uns so, denn für die Fee ist die Zeit eingefroren. Während wir uns durch das weitläufige Anwesen bewegen, steht das Wasser im Fluss still und Vögel hängen statisch in der Luft. Nur manchmal, wenn wir mit den Kindern interagieren, spielen sich kleine Szenen ab, in denen die Zeit normal vergeht. Das naive Gerede der Kleinen wirkt zu Anfang etwas befremdlich, auf eine Art wirkt der Stil trotz des klassizistischen Settings typisch japanisch. Doch wir gewöhnen uns schnell daran, nicht zuletzt, weil immer wieder durchblitzt, dass es doch um tiefere, erwachsenere Themen geht. So lernen wir nach und nach die Kinder kennen, lösen kleine Aufgaben in klassischer Point&Click-Manier und entdecken weitere Hinweise darauf, dass doch nicht alles so harmlos ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Déraciné ist zwar auf jeden Fall ein geruhsam erzähltes, langsames Spiel, das uns in erster Linie mit seiner gelungenen Atmosphäre in seinen Bann schlägt. Im Verlaufe der etwa vierstündigen Spielzeit werden dann aber doch Anklänge deutlich, die an Miyazakis andere Titel erinnern. Darauf möchten wir hier aber nicht weiter eingehen, denn genau das selbst zu erleben, ist das Besondere an Déraciné.

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Durch aufmerksames Erkunden der Spielumgebung erfahren wir, welche tragischen Ereignisse sich in diesem alten Herrenhaus abspielten.

Unter dem Strich ist das Spiel ein gelungenes Experiment, welches klassisches Point&Click-Gameplay dezent mit den Möglichkeiten der virtuellen Realität verbindet. Diverse Probleme des Mediums werden elegant umschifft, obwohl sich hier und da Einzelheiten etwas zu starr anfühlen. So lassen sich Gegenstände beispielsweise immer nur exakt dort platzieren, wo sie hingehören - eine Physik-Engine wie in vergleichbaren Titeln ist nicht vorhanden, was etwas zu Lasten der Immersion geht. Die Grafik ist für PSVR-Verhältnisse gut und stimmungsvoll. Die Qualität der Modelle und Materialien liegt zwar eher auf PS3-Niveau, wie bei vielen anderen Konkurrenztiteln, doch die Dreidimensionalität der Darstellung gleicht das aber in der Regel wieder aus. Angemerkt sei aber, dass die Bildqualität der normalen PS4 dem Pro-Modell hier wie so oft bei VR-Titeln deutlich hinterherhängt.

Akustisch lauschen wir über weite Strecken des Spiels der immergleichen Art eines getragenen, klassischen Musikstückes, das jedoch dazu beiträgt, die ganz besondere Stimmung des Spiels zu etablieren. Insgesamt wird die Atmosphäre im Verlauf des Geschehens immer dichter und diese langsame, dezente Art des Erzählens verfehlt nicht ihre Wirkung. Ähnlich wie bei Transference muss man sich allerdings die Zeit nehmen, die vielen Hinweise zu finden und zu studieren, um die Geschichte vollends zu entfädeln - denn ganz am Ende wird es dann doch etwas verwirrend und ich habe schon fast am Urteilsvermögen der Entwickler gezweifelt, bis ich dann doch auf die richtige Lösung gekommen bin, die ich jedoch nach dem doch recht komplexen Aufbau im Endeffekt etwas unbefriedigend fand. Dennoch hat die Geschichte bei mir einigen Eindruck hinterlassen, so dass ich den Geschehnissen in Gedanken noch öfter nachhing, so wie das bei vielen guten Walking-Simulatoren der Fall ist, die etwas existenzialistischere Fragen aufwerfen. Trotzdem wäre eigentlich mein größter Wunsch an Déraciné, dass die Story einen nachvollziehbareren Schlusspunkt hätte. Aber natürlich ist das auch irgendwie Geschmackssache und wer weiß, vielleicht würde ein zweites Durchspielen noch einmal andere Perspektiven offenbaren - und ein letzter, entscheidender Hinweis, der das Gesehene anders interpetieren lässt, hängt noch irgendwo eingefroren in der Zeit fest.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Schöne Atmosphäre, viele interessante Ansätze für ein VR-Adventure.
-
Etwas starres Spielgefühl, Storydetails sind manchmal zu gut versteckt.
overall score
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