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My Memory of Us

My Memory of Us

Zwei Kinder werden zu unfreiwilligen Helden des Krieges, doch My Memory of Us abstrahiert das Grauen stark genug, um die Erzählung ertragbar zu machen.

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My Memory of Us erzählt die Geschichte zweier namenloser Kinder, die in die Fänge eines furchtbaren Krieges geraten. Realer Hintergrund des Spiels ist der deutsche Überfall auf Polen, mit dem die Vorväter der heutigen Nazis am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg einleiteten. Die Entwickler von Juggler Games fangen in ihrem Titel nicht die unvorstellbaren Gräueltaten des Kriegstreibens ein, vielmehr zeigen sie auf, wie mutige Kinder in solchen Zeiten vereinnahmt und beeinflusst werden. Und wie sie diese Gefahren mit echter Freundschaft und Zusammenhalt überwinden konnten.

Zu Beginn der Geschichte erobern niederträchtige Roboter die Stadt, in der unsere beiden Helden, ein Mädchen und ihr junger Freund, leben. Kurze Zeit später färben die Unterdrücker einige Bewohner rot, sodass sie sich sehr deutlich von anderen Personen unterscheiden. Wer rot ist, darf plötzlich nicht mehr mit der Bahn fahren und wird nicht ins Gasthaus gelassen. Die soziale Ausgrenzung schreitet schnell voran und schon nach kurzer Zeit lachen die weißen Leute auf offener Straße über ihre markierten Mitmenschen. Schließlich sammeln die Roboter alle roten Personen ein und sperren sie in Ghettos.

Das Mädchen wurde bei dem Überfall ebenfalls rot übermalt und die beiden Kinder lernen schnell, dass sie das in schwierige Situationen bringt. Als sie und ihr Opa von den Robotern in eine schäbige Häusersiedlung gebracht werden, folgt ihnen der Junge in die Slums. Dort erleben wir abenteuerliche Geschichten aus den Augen von Kindern, die mit einer Prise Magie angereichert wurden. Die beiden Freunde lernen verbotene Dinge an den Wachen vorbeizuschmuggeln und sich trotz des allgegenwärtigen Elends ein wenig Spaß zu erlauben.

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Händchen-Halten ist nicht nur in Kriegszeiten ein starkes Zeichen des Beistands.

Natürlich dauert es nicht lange, bis wir in die Geschehnisse hineingezogen werden, die sich um uns herum entfalten. Immer wieder sind es die Mitglieder des Widerstands, die den Zweien gefährliche Aufträge erteilen. Die beiden Kinder werden mit kleinen Belohnungen gelockt und überlisten den Feind nur mit Mut, Einfallsreichtum und viel Glück. Sie sind sich ihrer reellen Gefahr nicht immer bewusst, My Memory of Us vermeidet es aber, sie ins offene Messer laufen zu lassen.

Diese Ideen werden in Form eines klassischen Point'n'Click-Adventures veranschaulicht. Sobald beide Figuren verfügbar sind, dürfen wir jederzeit zwischen ihnen wechseln. Mit einer Aktionstaste nehmen wir Gegenstände an uns, interagieren mit Schalttafeln oder anderen Objekten und sprechen mit unseren Mitmenschen. Unsere beiden Helden bringen eigene Fähigkeiten mit sich, mit denen sich alle Schwierigkeiten lösen lassen. Das Mädchen rennt sehr schnell und erhält schon früh im Spiel eine Schleuder, mit der sie entfernte Schalter abschießt. Der junge Dieb ist ein Experte im Schleichen und blendet Wachposten mit einem Spiegel, was seiner roten Freundin wiederum die Chance gibt, an einer Gefahrenstelle vorbeizuhuschen.

Wenn wir die Hand des jeweils anderen nehmen, steuern wir beide Figuren auf einmal. Dabei bleiben die individuellen Charakterfähigkeiten erhalten und wir können beispielsweise mit dem Jungen im Schlepptau Wachhunden davonrennen. Ansonsten bleibt My Memory of Us spielerisch eher unaufgeregt. Diverse, überaus liebevoll gestaltete Minispiele und kleinere Denkaufgaben unterhalten uns beim ersten Durchspielen ungefähr vier bis sechs Stunden lang.

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Der Einsatz von Kindern in Kriegszeiten wird von My Memory of Us nicht bewertet. Im Spiel scheint es sogar so, als käme den beiden Abenteurern diese Abwechslung irgendwie gelegen. Werden das Mädchen und der Junge von den Wachen erwischt, schimpfen diese nur, anschließend wird der Bildschirm geschwärzt und es kommt zum Neustart. Obwohl die roten Bürger regelmäßig fortgebracht werden, sehen wir nie, wie jemand umgebracht wird.

Selbst die bestimmenden Themen des Titels wie den Ausbruch des Krieges und die Ausgrenzung von Mitmenschen aufgrund einer anderen Farbe sind vom Entwicklerteam soweit zurückgefahren worden, dass sie in den Hintergrund des Geschehens rücken. Wer die Vergangenheit nicht im Vergessenen lassen möchte, erfährt darüber von realen polnischen Helden des Zweiten Weltkrieges, die dem Spiel an einigen Stellen Schablone standen, in leicht zu findenden Sammelobjekten.

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Die Beziehung zwischen dem Mädchen und ihrem Freund wird sehr charmant und liebevoll erzählt.

My Memory of Us präsentiert sich in einem monochromatischen Stil, der nur durch den Einsatz von leuchtender, roter Farbe unterbrochen wird. Das sieht auch aufgrund von starken Szenenbildern immer mal wieder sehr schick aus und hält gleichzeitig die Hardware-Anforderungen gering. Der tiefe Rotton provoziert gelegentlich den Vergleich mit Blut, es lässt My Memory of Us allerdings nie gehaltlos oder überladen wirken.

Juggler Games hat ein sehr rundes Abenteuer abgeliefert, das mit einer mutigen Geschichte und sauberen Spielmechaniken überzeugt. Das Mädchen und ihr Freund sind untypische Heldenfiguren, doch aufgrund der vielen niedlichen Veranschaulichungen und der ausgeprägten Naivität der Erzählung erhalten ihre Erinnerungen eine Wärme, die nur Kindergeschichten vermitteln. Durch die niedrige Spannungskurve kann es vielleicht schwerfallen, My Memory of Us ein zweites Mal anzurühren. Doch wer sich von aufrichtiger Freundschaft in schwierigen Zeiten verzaubern lassen kann, der darf in das Werk des polnischen Entwicklerstudios guten Gewissens reinschnuppern.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
sympathische Interaktion zwischen den beiden Protagonisten, sehr wirkungsvolle Vereinfachung von Rassismus und Ausgrenzung, überraschend unterschiedliche Minispiele, kindgerechte Präsentation
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Rätselhinweise genügen manchmal nicht, Hitboxen und Sichtradius von Feinden hätte ausgeprägter visualisiert werden dürfen
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