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Kritiken
Finding Paradise

Finding Paradise

Wenn ihr einen Sterbenswunsch hättet, was wäre das?

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Nur wenige Indie-Spiele haben eine Vielzahl von Spielern so berührt, wie es To the Moon tat. Etliche Youtuber sind beim Spielen in Tränen ausgebrochen und ich kann das aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen. Über sechs Jahre später hat Freebird Games endlich den Nachfolger veröffentlicht und dem langen Warten ein Ende bereitet. Wir schauen uns heute an, ob sich das Warten gelohnt hat.

Finding ParadiseFinding Paradise
Die Geschichte die uns Freebird Games erzählen will hat definitiv Potential, aber sie wirkt schluderig umgesetzt.

In Finding Paradiseschlüpfen wir wieder in die Rollen von Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts, die beide für die Sigmund Corps arbeiten. Ihre Aufgabe ist es den letzten Wunsch der Patienten durch künstliche Erinnerungen zu erfühlen. Ihr Patient wollte einst den Mond besuchen und daraus wurde weit mehr als nur ein einfacher Ausflug zum Erdtrabanten. Diesmal treffen wir auf Colin Reeds, einen Mann im Sterbebett, der die Sigmund Corps mit seinem letzten Wunsch beauftragt hat. Sein Traum ist allerdings lange nicht so eindeutig, wie der von Johnny in To the Moon.

Colin trafen Spieler von A Bird Story aus dem Jahr 2014 schon einmal in der kurzen Episode. Finding Paradise sollte ursprünglich kurz darauf veröffentlicht werden, aber das Leben geht selten seinen vorgesehenen Weg. Damals wurde uns erzählt, dass Colin ein einsamer Junge ohne Freunde sei, der davon träumt Pilot zu werden. Dieses Bild wird in Finding Paradise weiter ausgemalt und wir erfahren, dass seine Eltern nur selten zuhause waren. Er war also alleine, aber wurde durch seine Nachbarin Faye getröstet, mit der er viel Zeit verbrachte. Sie begleitete ihn bei seinen Flugstunden, brachte ihm das Cello-Spielen bei und gab ihm Beziehungsratschläge für seine zukünftige Frau Sofia.

Das Spiel springt ständig zwischen den Erinnerungen des Patienten hin und her und es wird schnell klar, dass Colin nie wahres Glück erlebte. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte er alleine und man könnte meinen, dass er jetzt glücklicher sei; immerhin hat er alles erreicht, was er sich selbst wünschte. Stattdessen ist er ständig niedergeschlagen, abwesend und beschwert sich beispielsweise über seinen Sohn, der ihm keine Enkel beschert. Die Vorgabe von Finding Paradise ist dieselbe, wie beim Vorgänger. Wir erkunden unterschiedliche Erinnerungen und interagieren mit verschiedenen Personen und Objekten, während wir neue Erinnerungsbruchteile sammeln und dadurch mehr über Colins Leben lernen. Vieles wiederholt sich und auch wenn die gut konstruierte Geschichte recht lang ist, funktioniert es nicht wirklich. Das erste Spiel war etwa drei Stunden lang, und die Kürze hatte etwas. Finding Paradise hingegen ist eine ganze Stunde länger und das wird an vielen Stellen deutlich.

Finding ParadiseFinding Paradise
Das Spiel springt ständig zwischen den Erinnerungen des Patienten hin und her und es wird schnell klar, dass Colin nie wahres Glück erlebte.

Die Optik hat auch sich überhaupt nicht geändert. Leider ist es auch nicht möglich die Auflösung zu variieren, was mich wirklich genervt hat (bis ich mich irgendwann daran gewöhnte). Einige Bilder an den Übergängen sind so schlecht, dass sie auch aus Paint stammen könnten, aber glücklicherweise sind sie die Ausnahme und nicht die Regel. In To the Moon drehte sich alles um die Liebe, während es im Nachfolger um geistiges Wohlergehen geht (was wirklich interessant hätte werden können). Leider konnte mich die Geschichte nie wirklich fesseln und ich hatte das Gefühl, das Spiel begann nie richtig. Im Gegensatz zu Johnny ist Colin eine eher uninteressante Persönlichkeit und es ist nie so ganz klar, was eigentlich sein Wunsch ist. Irgendwann wird sein Wunsch durch Wendungen im Plot deutlich, aber auch das fällt eher flach aus.

Die Geschichte die uns Freebird Games erzählen will hat definitiv Potential, aber sie wirkt schluderig umgesetzt, weil wir so schnell über die interessanten Aspekte von Colins Leben hinweggehen. Ich wollte mehr über seine Frau Sofia erfahren, ihr gemeinsames Kinderglück und Colins schwieriges Familienleben miterleben. Aber seine Erinnerung schienen keinerlei Streitigkeiten zu enthalten, was eine Schande ist, denn das hätte seinen inneren Konflikt besser aufzeigen und für eine interessantere Wendung der Geschichte sorgen können.

Mich hat besonders enttäuscht, dass der Traum ein Pilot zu werden scheinbar vergessen wurde. Colin ist einfach plötzlich ein ausgebildeter Pilot, wodurch das Spiel A Bird Story quasi überflüssig wird. Die Entscheidung auf sein Leben zurückzublicken und sich nicht mit seinem größten Kindheitswunsch zu beschäftigen, ist einfach sehr seltsam. An das brillante erste Spiel anzuschließen war von vornherein schwierig und Finding Paradise schafft es leider nicht, diese frühere Qualität zu erreichen. Die Scherze wirken gekünstelt und stören den Fluss der Geschichte, dazu kommt dass die Rätsel, mit deren Hilfe wir seine Erinnerungen sehen, für keine große Begeisterung sorgen. Es fehlt ihnen an Bedeutung und alles wirkt so, als wäre es unnötig in die Länge gezogen.

Finding ParadiseFinding Paradise
Die Entscheidung auf sein Leben zurückzublicken und sich nicht mit seinem größten Kindheitswunsch zu beschäftigen, ist einfach sehr seltsam.

Trotz der Kritik haben mir viele Dinge gut gefallen. Die Musik sorgt für eine magische Atmosphäre und Kan Gao - der Entwickler des Spiels - bietet erneut wunderschöne Klaviermusik, die immer auch mit dem Ton des Spiels in Verbindung steht. Es können nur wenige Spiele über ihre Musik so viel Freude und Kummer vermitteln und Finding Paradise sticht in dieser Kategorie wirklich heraus. Falls ihr etwas Geld übrig habt; der Soundtrack ist sein Geld wert. Finding Paradise ist ein nettes kleines Spiel, das man wirklich gespielt haben kann - vor allem wenn ihr das Original mochtet. Die Geschichte erreicht jedoch nie die Höhe des Originals, obwohl das eigentlich zu den Stärken des Abenteuers gehören sollte. Es ist ein unterhaltsamer Nachfolger, der aber leider nicht auf die gleiche Art und Weise abliefert, wie es sein Vorgänger geschafft hat.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Gute Musik; interessantes Thema; schön konstruierte Charaktere.
-
Benutzeroberfläche spricht niemanden an und hilft kaum; Spiel ist etwas zu lang.
overall score
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