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Kritiken
Life is Strange: Before the Storm

Life is Strange: Before the Storm

Diese Woche erschien die finale Episode von Chloes und Rachels gemeinsamen Abenteuer. Wie sich die gesamte Staffel schlägt, klärt Anne in ihrer Kritik.

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Unsere Wiederkehr nach Arcadia Bay ist zu einem Ende gekommen. Erst gestern aktualisierten wir unser Review-Tagebuch zu Life is Strange: Before the Storm und erweiterten den Artikel mit unseren Eindrücken zur finalen Episode ''Hell is Empty''. In einem letzten Text möchten wir noch einmal unsere Gesamtwertung für die Vorgeschichte von Life is Strange zusammenfassen.

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Chloes loses Mundwerk gewährt ihr die spezielle Fähigkeit der Widerrede, nur ist diese Kraft nicht unglaublich hilfreich.

Während wir im Originalspiel fünf Episoden lang in die Rolle von Max Caulfield schlüpften, bekamen wir in Life is Strange: Before the Storm mit Chloe Price gerade einmal drei Folgen spendiert. Auch das Ausmaß der Geschichte lässt sich im offiziellen Prequel deutlich kleiner fassen als noch in der ersten Staffel und passt somit gut in den erzählerischen Rahmen einer sinnvollen Vorgeschichte. Zwischen den beiden Spielen tat sich vieles hinter unserem Rücken, denn Dontnod trat für die Entwicklung einer Fortsetzung von Life is Strange zurück und überließ Chloes Geschichte dem Team von Deck Nine Games. Spürbar ist dieser fliegende Wechsel der Entwickler jedoch überhaupt nicht und würde ich es nicht besser wissen, würde ich sicher auch vermuten, dass beide Titel von ein und demselben Team stammen. Life is Strange: Before the Storm ist schön strukturiert und wirkt trotz Entwicklerwechsel zusammenhängend. Die beiden Spiele gehen nahtlos ineinander über und stären sich in ihren Geschichten gegenseitig.

Im Spiel bekommen wir einen Einblick in die Geschichte von Arcadia Bay, bevor wir das kleine Städtchen in der Rolle von Max betreten. In Before the Storm schlüpfen wir in die Haut der bereits erwähnten Chloe Price, Max' Kindheitsfreundin die noch immer im Geburtsort lebt. Alleingelassen von ihrer besten Freundin und geprägt vom Tod ihres Vaters erhalten wir mit Chloe das genaue Gegenteil von Max: eine aggressive, pessimistische Protagonistin, die die Schule schwänzt und ab und zu fremdes Eigentum mit Graffiti verziert. Neben Chloes privaten Problemen behandelt Life is Strange: Before the Storm zudem die Hintergründe von Rachel Amber, die in der ersten Staffel von Life is Strange ebenfalls eine große Rolle spielte. Wie schon das Orignal erzählt das Spiel eine sehr bodenständige Geschichte des Erwachsenwerdens und mischt einige ernste Themen hinein.

Chloes Tagebuch und SMS-Verläufe auf dem Handy sorgen dazu, dass wir mehr über ihre Person und die Gedanken erfahren, die sie tagtäglich begleiten. Erleben wir während unserer Spielzeit einen einschneidenden Moment, wird das Tagebuch um eben diese Erinnerung erweitert. Gleichzeitig gibt uns Chloe damit die Möglichkeit auf ältere Einträge zurückblicken und ihre Frustration und Trauer nachzuvollziehen. Das reicht sogar so weit zurück, dass sie vom Unfall ihres Vaters berichtet oder von der Enttäuschung über ihre Freundin Max, die inmitten dieses ganzen Chaos einfach aus der Stadt zieht und den Kontakt zu Chloe abbricht. Ich würde sogar so weit gehen und Chloe als weitaus interessanteren Protagonisten bezeichnen. Ihre Geschichte wirkt einfühlsam erzählt, vor allem der Tod ihres geliebten Vaters wird in einigen Traumsequenzen im Laufe der Episoden sehr schön verarbeitet und in die Geschichte miteingebracht. Vielleicht ist das aber auch nur persönliche Präferenz, ihr entscheidet das.

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Life is Strange: Before the Storm muss sich nicht inszenieren, es überzeugt mit gewöhnlichen Themen, die jeder von uns kennt.

Mit dem Wechsel der Hauptcharaktere nahmen uns die Entwickler gleichzeitig die Fähigkeit die Zeit zurückzudrehen und führen stattdessen die "Widerrede-Funktion für Chloe. Das ist ein mutiger Schritt, da das Franchise vor allem für seinen starken Drang zu Filmsequenzen und minimalen Interaktionsmöglichkeiten kritisiert wird. Und obwohl der Kräftetausch aus narrativer Perspektive Sinn ergibt, kann die Widerrede-Funktion am Ende leider nicht die Zeitumkehrung ersetzen. Mit Chloes losem Mundwerk konnte ich zumindest innerhalb der drei Episoden kaum dafür sorgen, wirklich etwas am Verlauf der Geschichte zu verändern oder die Bewohner von Arcadia Bay zu etwas zu überreden. Aus diesem Grund erschien mir die Funktion eher als nette Ergänzung, statt etwas auf das sich das Spiel tatsächlich stützen sollte.

Besonders ärgerlich ist zudem, dass die Entwickler beim Finale des Spiels verpasst haben, diese Widerrede zu nutzen - gepasst hätte das dort nämlich perfekt. Generell beruft sich meine Kritik vor allem auf die dritte Episode dieser Staffel, die nach zwei sehr starken Sequenzen einfach viel zu schwach wirkte und vieles nur gehetzt behandelt. Nur ein geringer Bestandteil der Spielzeit besagter dritten Folge verbrachte ich mit der vordergründigen Geschichte. Die Episode fand meiner Meinung nach ein unbefriedigendes Ende und das hat das Spiel nicht verdient.

Fans der originalen Staffel müssen mit Before the Storm auf eine große Stärke (die Fähigkeit der Zeitumkehrung) verzichten, können sich jedoch auf eine genauso packende und emotional erzählte Geschichte freuen, die es bereits im Orginal-Life is Strange gab. Die Bewohner von Arcadia Bay sind wundervoll gestaltet und tragen jeweils ihre eigenen kleinen Nebengeschichten zum Spiel bei. Auch "böse" Charakter, die in anderen Spielen oft einseitig behandelt werden, erhalten in Life is Strange: Before the Storm einen passenden Hintergrund und fordern Mitgefühl ein. Umso bedauerlicher ist es, dass vor allem die emotionalen Geschichten durch eine merkwürdige Erzählstrukturierung an einigen Stellen zu kurz kommen.

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Spürbar ist der fliegende Wechsel der Entwickler jedoch überhaupt nicht.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Glaubwürdige Darstellung der Charaktere; Musik erzeugt starke Atmosphäre; Vergangenheit wird durch Traumsequenzen stilvoll verarbeitet.
-
Einige Geschichten werden zu kurz, andere zu lang behandelt; Spezialfähigkeit "Widerrede" kommt im allgemeinen zu kurz.
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