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Kritiken
Hello Neighbor

Hello Neighbor

Dynamic Pixels lässt uns in das bunte Haus eines Fremden einbrechen, doch was hat sich seit der Beta getan?

  • Text: Sam Bishop
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Es wirkt so als gäbe es Hello Neighbor schon seit längerem, denn Dynamic Pixels Indie-Spiel hetzt Youtuber und Streamer schon länger durch die Early-Access-Version. Jetzt ist das Spiel jedoch auch offiziell erhältlich und ähnelt noch immer sehr dem Spiel, das wir aus der Alpha und Beta kennen. Vieles dürfte den Fans bekannt vorkommen, aber auf Neulinge wartet die komplette, verrückte und wundervolle Palette an Überraschungen, die das Spiel für uns bereithält.

Hello NeighborHello Neighbor
Die Aufmerksamkeit durch den Early Access hat Hello Neighbor meiner Meinung nach nicht gut getan.

In Hello Neighbor sind wir ein namenloser Erzähler und unsere Aufgabe ist es in den Keller unseres Nachbarn zu gelangen. Der ist davon natürlich nicht sonderlich begeistert und versucht uns von diesem Vorhaben abzubringen. Er lernt unsere Verhaltensmuster kennen und reagiert dynamisch darauf. Wenn wir zum Beispiel immer wieder durch die Eingangstür laufen, platziert er dort Kameras und Fallen oder schaut dort einfach häufiger nach dem Rechten.

In den frühen Spielversionen wurden wir ins kalte Wasser geworfen und begannen einfach auf der gegenüberliegenden Straßenseite der unterschiedlichen Häuser, die mit jedem weiteren Update vorgestellt wurden. In der Vollversion geht es ein wenig strukturierter zu, denn Hello Neighbor wurde in drei Akte aufgeteilt. Im ersten Kapitel erkunden wir das Haus als Kind, um herauszufinden wo die seltsamen Geräusche herkommen, die wir von draußen hören. Im zweiten Akt versuchen wir aus dem Haus zu fliehen und im dritten versuchen wir wieder unbemerkt hineinzugelangen (nur dass es jetzt eine gigantische Festung ist, ganz wie in der Beta). Die Geschichte wird über diese Episoden hinweg erzählt, kommt aber ohne Dialoge oder großartige Erklärungen aus. Die vagen Zwischensequenzen lassen nebenbei viel Raum für Spekulationen.

Wer mit der Veröffentlichung ein stark überarbeitetes Spiel erwartete, dürfte enttäuscht von Hello Neighbor werden. Es gibt immer noch etliche Glitches und Bugs und deshalb ist es keine Seltenheit, dass Gegenstände die durch Wände geworfen werden können oder Objekte, einfach irgendwo steckenbleiben. Optisch hat sich seit dem Early Access ebenfalls nur wenig getan. Hello Neighbor nutzt diesen Comic-Stil, der aber nicht sonderlich fein herausgearbeitet wurde, weshalb es einigen Gegenständen einfach an Details fehlt.

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Der Nachbar nervt mit der Zeit und sein ständiges „Hah!" wenn er uns entdeckt macht das Ganze auch nicht besser.

Zudem sorgt die Steuerung häufig für Frust. Am Anfang des ersten Aktes müssen wir ein angelehntes Regal besteigen, aber unser Protagonist will sich partout nicht entscheiden, ob er lieber weiterklettern und runterfallen sollte. Dann wäre da noch die Spielpyhsik, die ebenfalls sehr ermüdend werden kann. Wenn wir drei Kisten übereinander stapeln müssen, um etwa aufs Dach zu gelangen und auch nur eine einzige Schachtel nicht perfekt mittig auf einer anderen platziert wurde, kracht das gesamte Gebilde sofort ein.

Auch die meisten Rätsel sind so roh gelassen wurden und insgesamt fummelig und undeutlich. Wer solche Herausforderungen mag darf sich vor allem darauf freuen herauszufinden, wo es als Nächstes hingeht und was dort zu tun ist. Das sorgt für diese klassischen Momente, in denen wir den Gegenstand unserer Träume bereits hinter einer verschlossenen Tür ausmachen können und dann ewig damit beschäftigt sind, herauszufinden wie wir dorthin gelangen. Die ständige Fummelei mit der Steuerung macht Hello Neighbor allerdings unnötig schwer und so scheitern wir häufig auch nur dabei, einen Gegenstand mit geschicktem Wurf zu treffen oder wie schon erwähnt wabbelige Türme zu stapeln.

Man könnte nach dem Geschrei auf Youtube denken, dass der namensgebende Nachbar eine furchteinflößende Bedrohung wäre, wie vielleicht das Alien in Alien: Isolation, aber das wäre völlig falsch. Die Bedrohung durch das Alien konnten wir nie sehen, aber wir wussten zu jedem Zeitpunkt, dass es da ist und irgendwo lauert. Unseren Nachbarn verlieren wir dagegen nur selten aus den Augen. Er nervt mit der Zeit und sein ständiges „Hah!" wenn er uns entdeckt macht das Ganze auch nicht besser. Die Prämisse wirkt anfangs gruselig, wird aber schnell einfach nur ein permanenter Störfaktor. In einem der früheren Builds blieb der Typ in einer Wand stecken und ich habe die anschließende Ruhe sehr genossen. Das ist mir in der finalen Version (leider) nicht mehr passiert.

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Die Geschichte wird über drei Episoden hinweg erzählt, kommt aber ohne Dialoge oder großartige Erklärungen aus.

Die KI kann ansonsten auch nicht wirklich überzeugen und lässt sich leicht austricksen, Es wurde viel darüber gesprochen, wie die KI darauf reagiert, wo wir uns früher aufgehalten haben, aber sie ist nie so klug, um uns ernsthaft auszutricksen. Dann nehmen wir eben einen der vielen anderen Eingänge in das Haus oder wir lassen uns absichtlich irgendwo weit weg vom eigentlichen Ziel schnappen, damit wir danach unsere Ruhe haben. Da wir stets alle Dinge die wir uns aus dem Haus „geliehen" haben behalten dürfen, ist es eh nur eine kleine Unannehmlichkeit geschnappt zu werden.

Jene Spieler die die Vorab-Versionen noch nicht gespielt haben erwarten einige coole Überraschungen. Ich will nicht zu viel verraten, aber es dreht sich nicht nur alles darum, durch das Haus zu laufen und nach verdächtigen Dingen Ausschau zu halten. Ihr werdet spannende neue Gebiete finden, die ihre individuellen Herausforderungen bieten und die Auflösung der Geschichte ist eine echte Überraschung. Selbst die normalen Räume des Hauses sind interessant und kreativ gestaltet worden, besonders wenn wir dort zum ersten Mal herumschleichen.

Die Aufmerksamkeit durch den Early Access hat Hello Neighbor meiner Meinung nach nicht gut getan. Viele Gebiete wirken alt und die meisten Rätsel wurden bereits gelöst. Trotzdem wollen wir natürlich unbedingt herausfinden, was der Nachbar zu verbergen hat... Wenn ihr euch mit der fummeligen Steuerung und der etwas bröckeligen Fassade des Spiels anfreunden könnt, lohnt sich ein Blick in den Keller eures Nachbarn vielleicht.

05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
+
Herausfordernde Rätsel; lustige und interessante Areale; Geschichte lockt die Leute an.
-
Feinpolitur nötig; Bugs und Glitches; Nachbar-KI nervt nur und ist nicht gruselig; fummelige Steuerung; Spielphysik mit vielen Problemen.
overall score
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