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Kritiken
Destiny 2

Destiny 2: Fluch des Osiris

Die erste Erweiterung von Destiny 2 ist gelandet und unser Veteran Kim Orremark ist nach langem Grübeln bereit, euch von seiner Reise zum Merkur zu erzählen.

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Destiny 2 erschien vor vier Monaten und ich habe seitdem fast täglich gespielt. Ich habe dem Spiel die zweithöchste Note gegeben und auch wenn sich das komisch anhört, diese Entscheidung fühlt sich noch immer richtig an. Die ersten 50 bis 70 Spielstunden von Destiny 2 fühlen sich einfach atemberaubend an; sehr viel mehr noch für ein neues Publikum, als für die alten Veteranen. Das Spiel bietet Beschäftigung, spannende Schicksale und lustige Waffen. Doch nach den ersten 70 Stunden fehlt ein Grund zum Weiterspielen und das ist ein Problem, das auch die erste Erweiterung, Fluch des Osiris, nicht behebt. Obwohl mir persönlich bereits die Inhalte aus dem Hauptspiel als ausreichend erscheinen werden gelangweilte Hüter mit Osiris kleiner Nebengeschichte keinen Grund bekommen, nun plötzlich wieder Tag ein, Tag aus zu spielen.

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Destiny 2: Fluch des Osiris ist eine Enttäuschung und zwar eine gehörige.

Fluch des Osiris erweitert Destiny 2 tatsächlich nur sehr, sehr marginal. Die Erweiterung ist fast ausschließlich selbstreferenziell und bietet lediglich einige wenige Verbindungspunkte zur Erfahrung aus dem Hauptspiel. Dadurch wirkt der Zusatzinhalt vom eigentlichen Abenteuer getrennt und davon profitiert wirklich niemand besonders. Ich möchte eine konsistente Welt erleben, die sich stetig zusammen verändert und ich der ich sehe, dass meine Aktionen einen Einfluss haben. Stattdessen startet diese Episode ohne Einführung von irgendetwas mit einer Videosequenz von Osiris, dem legendären Warlock und früheren Lehrmeister von Ikora Rey, der die gläserne Kammer erkundet, die nur die alten Füchse wiedererkennen werden. Schnell gehen die Dinge schief und Osiris verschwindet in einem Zeitportal. Seine mechanische Helferin Sagira hingegen entkommt und mit ihrer Hilfe gelingt es uns letztlich, Osiris zu lokalisieren.

Fluch des Osiris fühlte sich von Anfang an nach einer Erweiterung an, die keinerlei Berechtigung in der Gaming-Welt besitzt. Die Kampagne und die Missionen machen zwar nichts falsch, doch alles schwebt in seinem eigenen, ekelhaften Vakuum. Das Problem ist einfach, dass die Umgebung trocken, langweilig und unterdurchschnittlich ist, und keine einzige neue Idee bekommen hat. Kritiker von Destiny 2 werden nun sicher behaupten, dass man all das auch schon von vergangenen Erweiterungen hätte sagen können, aber zumindest fühlte sich das bislang nie so plump umgesetzt an. Ich habe mich so sehr darauf gefreut an Osiris' Seite eine Kampagne rund um die gefährlichen Vex zu erleben, aber stattdessen wird mir ein unfaires Abenteuer geboten, das weder meiner Spielzeit noch dem mysteriösen und mächtigen Charakter gerecht wird.

Die gesamte Kampagne besteht aus einer Handvoll Quests, die sowohl auf dem Merkur und in einigen bereits bekannten Schauplätzen des Hauptspiels stattfinden. Merkur ist ein wundervoller und unglaublich hübscher Planet, allerdings ist diese Spielwelt schmerzhaft begrenzt und limitiert. Es gibt hier nur ein neues öffentliches Event, einen einzigen verlorenen Sektor und einige wenige Abzweigungen - das ist absolut alles. Ansonsten wartet noch der Immerforst auf uns, aber Bungie hat dazu schon wirklich alles gesagt, was man überhaupt beschreiben könnte: Dieser Schauplatz wird mit etlichen Versatzstücken teilweise zufällig generiert und bietet uns bei jedem Betreten eine unterschiedliche Architektur. Die Idee ist sicher nicht dumm gemacht, aber die Umsetzung fühlt sich sinnlos und gestreckt an. Da die Umgebung außerdem immer gleich aussieht und wir im Laufe der Kampagne dutzende Male durch diesen engen Bereich latschen müssen (in Strikes und den Abenteuern übrigens ebenfalls) stört der Immerforst den Spielfluss einfach nur grandios. Es wird schnell klar, dass wir hier nur eine glorreiche Technologiedemo spielen und unsere Zeit vergeuden.

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Merkur ist einfach wunderschön, egal ob in seinem jetzigen Stand, in der Zukunft oder die Version der Vergangenheit.

Das öffentliche Event auf dem Merkur ist lustig und tatsächlich eines der besseren Varianten, weshalb es auch in der Kampagne benutzt wurde. Auf der anderen Seite bietet uns Fluch des Osiris an Beschäftigungen ansonsten nur die Story, die wiederum nichts mehr als eine langgezogene Mission ist, die weder Spannung, noch Belohnungen oder irgendetwas anderes verspricht. Nach zwei, drei Stunden haben wir das meiste davon gesehen und müssten längst wieder in der Gameplay-Schleife feststecken und nach besserem Equipment suchen, um unser Power-Level hochzubringen.

Mit Fluch des Osiris werden von neue Vex-Waffen eingeführt, die wir nirgends sonst bekommen sollen. Die Knarren bestehen zwar allesamt auf alten Modell-Teilen, aber einige davon machen echt Laune. Der Weg zum Freischalten dieser Argumentationsverstärker wird jedoch von einem Tor blockiert, das Gefühle von Frustration und Wut in mir hervorgerufen hat, die ich bislang nicht von mir kannte. Ich habe wirklich einige Male überlegt, Destiny 2 endgültig zu löschen und es nie wieder anzurühren und der Controller war kurz davor, in den Fernseher zu fliegen... Um das Tor und die Waffenbelohnungen freizuschalten (es gibt insgesamt elf) müssen wir die Strike-Playliste spielen, uns an öffentlichen Events beteiligen oder den Schmelztiegel grinden. Für einige Waffen musste ich an 50 bis 60 (!) öffentlichen Events teilnehmen und wie ihr euch sicher vorstellen könnt hat das absolut nichts mit Spielspaß zu tun.

Wo wir gerade von Waffen sprechen: Mich als alten Fan macht es traurig, dass mehr als die Hälfte der "neuen Knarren" aus dem ersten Destiny recycelt wurden. Dass uns Bungie so vorsichtig zu verstehen gab, dass Hüter mit Destiny 2 von neuem beginnen müssen, erstrahlt dadurch nun auch in einem ganz anderen Licht... Dass wir nach drei Jahren erneut, beziehungsweise immer noch damit beschäftigt sind den alten Kram zu sammeln und dass wir dafür auch noch bezahlen müssen ist eine Frechheit! Es fühlt sich unglaublich dreist an, die Basisgegenstände aus dem letzten Spiel zu erhalten - ganz davon abgesehen, dass ich all die Dinge schon seit etlichen Jahren mein Eigen nenne.

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Ob das Studio das einst das gesamte Shooter-Genre definierte das eigene Spiel retten kann? Das bleibt abzuwarten.

Dass ich gar keinen Spaß mit Fluch des Osiris hatte, wäre allerdings auch übertrieben, denn es gibt etwas Positives zu melden: Wie schon im ersten Destiny-Add On Dunkelheit Lauert ist es ohnehin möglich die banale Kampagne zu ignorieren und sich direkt den neuen Raid-Inhalten zu widmen. Der „Weltenverschlinger" spielt ebenfalls auf dem goldenen Kabal-Flaggschiff und ist um einiges kürzer als die Originalversion, Bungie beweist hier aber trotzdem echtes Können. Der Osiris-Raid gehört ganz ohne Frage zum besten Material, das Destiny zu bieten hat und ich liebe es einfach. Wir werden euch nicht spoilern, doch der Raidboss entschädigt einen sogar für die enttäuschende Kampagne und das sollte etwas heißen.

Insgesamt ist Fluch des Osiris nur ein mittelprächtiges Produkt, das vielen Spieler wohl schmerzlich beweisen dürfte, dass Bungie sich aktuell nicht um ihre Spieler kümmert. Der Inhalt hat weder Seele noch die Ambition oder das Verlangen Destiny 2 zu verbessern. Die Produktion ist gewohnt hochwertig und Design, Präsentation und die Musik sind ebenso stimmig, wie schon immer. Merkur badet in warmem Sonnenlicht und es ist eine wahre Freude, sich das alles in fetter Grafikpracht anzusehen. Wenn wir dann noch in der Zeit zurückreisen und den florierenden Planeten vor der Ankunft der Vex sehen, dann ist das wirklich magisch. Aber in einem Spiel das um den Gedanken herum gebaut wurde, Spieler täglich erneut vor die Bildschirme zu fesseln, bedarf es einfach mehr als einer hübschen Hülle und einen atemberaubenden Soundtrack.

Das erste Destiny entwickelte sich über die Zeit. Es wurde besser und besser und Bungie schien zu verstehen, dass man Spieler auf Augenhöhe und mit dem nötigen Respekt begegnen musste. Destiny 2 wird mit Fluch des Osiris zwar keinesfalls zu einem schlechteren Spiel, doch der Inhalt weist uns in die Richtung, in die sich das Entwicklerstudio mit zukünftigen Inhalten bewegen könnte. Mittlerweile fällt es mir leicht zu verstehen, dass die Leute nicht zu Destiny 2 zurückkehren wollen und ich frage mich ab und zu selber manchmal, warum ich das selbst überhaupt noch möchte. Fluch des Osiris bietet euch zu einem verhältnismäßig sehr hohen Preis das absolute Minimum einer Erweiterung: Eine kurze Kampagne, zwei Mehrspielerkarten und eine Handvoll Waffen. Solltet ihr Fluch des Osiris spielen? Ich finde nicht.

05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
+
Hohe Produktionswerte; gelungene Raid-Inhalte; lustige, neue Strikes.
-
Story zu kurz; Wiederverwertung von Waffen und Orten; Immerforst ist stinkend langweilig, fühlt sich unbedeutend an und hält uns mit dem immer gleichen Minispielen auf.
overall score
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