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Kritiken
Far from Noise

Far from Noise

Diese Erfahrung wird ein richtiger Cliffhanger werden.

Die Linie zwischen interaktiver Unterhaltung und Videospielen verschwimmt immer mehr und Far from Noise ist ein weiteres Spiel, das ein oder zwei Fragen in diese Richtung aufwirft. Tatsächlich bietet der Titel nur wenig Interaktion, was überhaupt nichts macht, wenn das Abenteuer so charmant, entspannend und faszinierend ist wie dieses.

Far from Noise
Trotz all seines Charmes hat das Spiel nicht viel Abwechslung zu bieten.

Es gibt nicht viel zu erzählen, daher wird diese Kritik ungewöhnlich kurz. Far from Noise spielt ausschließlich an einer Klippe. Eine junge Frau auf der Suche nach Frieden, Ruhe und einem passenden Ort, an dem sie über sich und die Welt nachdenken kann, hat sich aus Versehen in eine brenzlige Situation gebracht. Ihr Citroen 2CV (oder Laura - wie sie ihn nennt) ist einfach losgerollt und hängt jetzt an der Kante der Klippen fest. Denkt an die Szene am Ende von The Italian Job (2003), nur dass es sich jetzt um ein altes, französisches Auto mit einer einzelnen jungen Frau handelt, und nicht um einen Bus voller Ganoven.

Und das war es dann auch schon fast. Die namenlose Frau sitzt in ihrem Auto und denkt über ihre Situation nach und spricht im Monolog nicht nur über ihr Schicksal, sondern auch über das Leben im Allgemeinen. Es ist ein Szenario in dem eine Person nach Seelenheil sucht und Dank der subtilen Einführung einer anderen, leicht absurden Figur, bekommen wir mehr Einblicke in das Leben der Frau, mit der wir gerade diesen seltsamen kleinen Augenblick teilen. Es gibt ein paar Verästelungen der Geschichte, für all jene, die das Abenteuer mehrmals zu spielen gedenken, aber es handelt sich dabei in erster Linie um Konversations-Variationen. Ich selbst habe aber keinen zweiten Durchgang mehr abgeschlossen, was überhaupt nicht negativ gemeint ist. Ich fand einfach, dass die Erzählung einen sanften Flow mit gutem Tempo hatte und das Abenteuer war für mich nach einem Durchgang einfach komplett.

Das lag vor allem auch daran, dass Far from Noise verdammt gut geschrieben ist. Der Cel-Shading-Stil ist wirklich clever umgesetzt (auch wenn auf dem kleinen Bildschirm einige Details verloren gehen) und die Kameraplatzierungen sorgen für beeindruckende Aussichten. Wir dürfen unseren Charakter ganz subtil durch die Dialog-Optionen formen, aber das sind natürlich nur kleine Stubser in vorgegebene Richtungen - die allgemeine Persönlichkeit der jungen Damen bleibt bestehen. Ich mochte sie. Sie ist witzig, ein bisschen seltsam und ich mag die Art, wie sie spricht.

Far from Noise
Die namenlose Frau sitzt in ihrem Auto, denkt über ihre Situation nach und spricht im Monolog über ihr Schicksal.

Während des kurzen, aber schönen Abenteuers geben uns die Dialog-Optionen die Gelegenheit mit einigen philosophischen Problemen zu flirten, aber es wird nie übertrieben. Wir können uns mit einigen interessanten Themen beschäftigen, ohne dass sie zu schwer wiegen. Mit hat der Ton des Schreibstils sehr gefallen. Die Nachdenklichkeit war sehr erfrischend. Vielleicht wäre ein wenig mehr Hintergrund nett gewesen, denn ich hätte unsere Spielfigur gerne noch näher kennengelernt. Der Soundtrack unterstützt diese Augenblicke großartig und ich kann nur den Tipp wiederholen, den uns bereits der Startbildschirm gibt: Tragt beim Spielen Kopfhörer. Die Musik ist zart und einfach, aber sie passt genau zur Stimmung, die Entwickler George Batchelor für sein Spiel erreichen wollte, und zusammen mit ein paar selten eingesetzten, aber gut getimten Audio-Effekten erhalten wir ein abgerundetes Paket, das Geschichte, Audio und den visuellen Stil clever mischt.

Mir hat diese subtile interaktive Erfahrung gut gefallen und es ist eine schöne Art ein paar nette Abendstunden zu verbringen und dabei den beruhigenden Soundlandschaften zu lauschen und verdrehte Dialog-Entscheidungen zu treffen. Trotz all seines Charmes hat das Spiel nicht viel Abwechslung zu bieten und wenn ihr mit dem Szenario und der Stimme der Hauptfigur nicht warm werden könnt, dann hat das Spiel euch vielleicht nur sehr wenig zu bieten. Ich möchte es euch ans trotzdem Herz legen, aber es handelt sich hier eher um eine Erlebnis, als um eine wahre Empfehlung. Wenn ihr Videospiele genauso mögt, wie Spaziergänge und die Natur um euch herum, dann sollte ihr Far from Noise ein paar Stunden eurer Zeit widmen.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Gemütliche Atmosphäre; ruhige und einnehmende Erfahrung; tolles Audio-Design; cleveres Writing.
-
Einige Themen sind sehr vage gehalten; visuelle Details verlieren sich auf den kleinen Bildschirm; nicht sonderlich interaktiv.
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