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Kritiken
Pokémon Ultrasonne/Ultramond

Pokémon Ultrasonne/Ultramond

Mit Ultrasonne und Ultramond erweitert Nintendo den letztjährigen Ableger seicht, doch mit welchen Änderungen dürfen bestehende und neue Fans rechnen?

  • Text: Kieran Harris

Im vergangenen November half uns Pokémon Sonne/Mond dabei unsere verloren geglaubte Leidenschaft für das zwei Dekaden alte Franchise neu zu entfachen. Das idyllische Topen-Setting, die Innovation der Alola-Formen und die Inselprüfungen sorgten für frischen Wind und waren schlaue, notwendige Neuerungen in einer Serie, das sich schon lange auf der gleichen Stelle bewegt. Ein Jahr später mussten wir hören, dass es keine weiteren Pokémon-Spiele mehr auf dem Nintendo 3DS geben wird, dafür sollten wir in einer letzten, verbesserten Version die beste Pokémon-Erfahrung seit langem erhalten: Pokémon Ultrasonne/Ultramond. Diese beiden Titel wurden als Abschluss der Serie angeführt und setzen uns nicht nur alle vergangenen legendären Monster vor, sondern auch einer Gruppe die aus den schlimmsten Bösewichten der langlebigen Reihe besteht. Doch auch abseits dieses nur schwer zu überbietenden Line-Ups gibt es vielerorts Detailverbesserungen und deshalb ist der Titel zweifellos die beste Option für all diejenigen, die das letzte Spiel verpasst oder noch immer nicht nachgeholt haben. Doch gibt es auch für eifrige Fans genügend gute Gründe, um noch einmal ins tropische Alola zurückzukehren?

Pokémon Ultrasonne/UltramondPokémon Ultrasonne/Ultramond
Pokémon Ultrasonne/Ultramond enthält alle legendären Pokémon der Serie und eine kriminelle Organisation, die aus den besten Bösewichten der Reihe besteht.

Zuerst müssen wir jedoch klarstellen, dass Spieler die eine völlig neue Erfahrung suchen von Pokémon Ultrasonne/Ultramond wahrscheinlich enttäuscht sein werden. Genau wie die Gelbe Edition, Kristall und Smaragd folgen die beiden neuen Spielversionen dem Pfad des Originalspiels. Wir finden uns auf Alola wieder, unternehmen die Inselprüfung, bekämpfen dieselben Trainer und rattern die gleichen Dialoge runter, die uns schon vorher unterhalten und manchmal gelangweilt haben. Doch obwohl viele dieser Aspekte inhaltsgleich bleiben, hat GameFreak dafür gesorgt, dass zurückkehrende Fans etwas Variation finden werden. Viele der Prüfungen sind nun abwechslungsreicher und stellen uns andere Pokémon vor, die mit frischen Z-Moves in die Schlacht ziehen. Außerdem ist die gesamte Zahl der fangbaren Taschenmonster auf gut 400 Exemplare angestiegen, was Sammler einige Wochen lang beschäftigen dürfte.

Das legendäre Pokémon Necrozma ist in Pokémon Ultrasonne/Ultramond der Star der Show. Indem es die beiden aktuellen Sternchen, Lunala und Solgaleo kapert und somit ihre Macht verstärkt, droht das Gleichgewicht in der Pokémon-Welt verloren zu gehen. Zudem kehren alle vorherigen Bösewichte aus den vergangenen Generationen zurück, die von Team Rocket-Chef Giovani unter der neu gegründeten Organisation Rainbow Rocket bereitstehen und für Chaos sorgen. Wir wollen euch natürlich nichts spoilern, aber wir hatten mächtig viel Spaß an der Umsetzung der Geschichte, auch weil es immer wieder Rückbesinnungen auf die früheren Einträge des Franchise gibt. Dadurch entsteht ein nostalgischer Trip von Anfang bis Ende.

Wie oben erwähnt erhöht Pokémon Ultrasonne/Ultramond die Anzahl der verfügbaren Taschenkreaturen auf über 400, die von den Favoriten der ersten Generation bis hin zu den neuen Alola-Formen reichen. Die beiden Titel gehen dabei sogar einen Schritt weiter, als die früheren Geschwisterspiele, denn sie führen neue Ultrabestien und Pokémon-Formen ein. Die Wuffels-Form ist leider nur für eine begrenzte Zeit zum Start des Spiels verfügbar, das ist sehr schade, falls ihr erst die vielen anderen Blockbuster des Jahres abarbeiten wolltet Die neuen Ultrabestien sorgen für frischen Wind, aber dass wir keine zusätzlichen Alola-Formen erhalten, ist ein bisschen enttäuschend.

Pokémon Ultrasonne/UltramondPokémon Ultrasonne/Ultramond
Nicht alle neuen Features fügen dem Spielgefühl von Pokémon etwas Bleibendes hinzu, aber das Gesamtpaket ist bereits ohne diese Änderungen großartig.

In den verschiedenen Städten und Gegenden von Alola sind nun sogenannte Totem-Sticker verstreut und wer fleißig sammelt darf sich die darauf abgebildeten Pokémon eintauschen. Die Sticker sind überall zu finden: Manchmal hängen sie am Kühlschrank eines Fremden oder auf einem bestimmten Felsen im Canyon - das drängt uns dazu jeden Zentimeter der tropischen Region zu untersuchen. Einige Sticker erfordern sogar das aktive Backtracking, denn Pokémon-typisch erhalten wir im Spielverlauf neue Gegenstände und Fähigkeiten, mit denen wir uns vorher unzugängliche Pfade und Möglichkeiten eröffnen. Obwohl der Aspekt der Schatzsuche durchaus unterhaltsam ist, sind die Belohnungen dafür eher enttäuschend. Viele der Totem-Pokémon lassen sich in der originalen Spielversion (Pokémon Sonne/Mond) fangen, deshalb hätte uns GameFreak vielleicht eher selbst bestimmen lassen sollen, welchen Begleiter wir erhalten möchten. Eine weitere Neuerung ist die sogenannte Pokémon Battle-Agentur, bei der wir uns jedes Pokémon ausleihen dürfen, um es für kurze Zeit im Kampf zu benutzen.

Zwei weitere Features von Pokémon Ultrasonne/Ultramond sind der Fotoclub und ein neues Surf-Minispiel auf dem Rücken von Mantax. Für den Fotoclub lichten wir uns in verschiedenen Posen zusammen mit einem Pokémon ab. Das Ergebnis lässt sich im Nachhinein mit Stickern und Effekten bearbeiten und teilen. Es ist ein netter Zeitvergleich, doch dahinter verbirgt sich nicht allzu viel Langzeitmotivation. Im Mantax-Minispiel müssen wir auf den Wellen reiten, um an Geschwindigkeit aufzunehmen. Wenn wir uns gerade im Sprung befinden lassen sich zudem Stunts ausführen, mit denen wir unsere Punktzahl erhöhen. Die lassen sich wiederum für Gegenstände austauschen. Als Minispiel bietet auch das Surfen kurzzeitige Unterhaltung, aber allzu häufig haben wir davon keinen Gebrauch gemacht. Ab der zweiten Insel dürfen wir nämlich auf den Rücken eines Gluraks fliegen und vergaßen den armen Mantax daher recht schnell.

Die vielleicht coolste Neuerung der beiden aktuellen Pokémon-Spiele ist die Möglichkeit sämtliche legendären Pokémon zu fangen (jedenfalls wenn man beide Versionen besitzt). Ab einem bestimmten Punkt im Spiel öffnen sich Wurmlöcher, die uns zu entfernten Dimensionen bringen, wo die mächtigen Kreaturen auf uns warten. Weitere Änderungen finden wir etwa in unserem Rotomdex - der aus Pokémon Sonne/Mond bekannten, von einem Technik-Pokémon übernommenen Version des klassischen Pokédex, das uns auf unserer Reise hilft. In der sogenannten Rottolotterie gewinnen wir exklusive Gegenstände, die temporär unsere gewonnenen Erfahrungspunkte steigern oder die Statistiken unserer Kämpfer anheben. Unser Rotomdex wird uns auf unserem Abenteuer zudem immer wieder nach unserer Meinung zu speziellen Themen fragen und anschließend entsprechend der getroffenen Entscheidungen reagieren. Was uns beim Spielen negativ auffiel, war die Überladung des unteren Bildschirms. Dort haben sich die vielen neuen Funktionen abgelagert, was die Navigation stellenweise sehr verkompliziert.

Pokémon Ultrasonne/UltramondPokémon Ultrasonne/Ultramond
Obwohl viele dieser Aspekte inhaltsgleich bleiben, sorgte GameFreak dafür, dass zurückkehrende Fans etwas Variation vorfinden werden.

Obwohl schon Pokémon Sonne/Mond die begrenzte Hardware des in die Jahre gekommenen alten Nintendo 3DS-Modells ausreizte, leuchtet Pokémon Ultrasonne/Ultramond sogar noch ein bisschen mehr. Schatteneffekte, verbesserte Texturen und detailliertere Umgebungen sind das Ergebnis der Entwicklung aus dem letzten Jahr und das kann sich wirklich sehen lassen. Gleichzeitig fühlten sich viele Bereiche der Titel polierter an und unser Charakter reagiert in vielen Situationen nun weniger stoisch. Nur den wenigstens Spielern wird das sofort auffallen, doch GameFreak hat technisch und musikalisch wirklich noch einmal aufgetrumpft - das fällt nicht nur im direkten Vergleich auf.

Mit Pokémon Ultrasonne/Ultramond hat GameFreak zwei bereits sehr gute Pokémon-Spiele noch ein bisschen besser gestaltet. Die Rahmenhandlung wurde verstärkt, neue Mechaniken eingeführt und für Fans der ersten Stunde gibt es viele schöne Rückbesinnungen an die frühen, gemeinsamen Pokémon-Erfahrungen. Wer die originalen Umsetzungen gespielt hat wird keine essentiellen Upgrades finden, doch falls ihr Pokémon Sonne/Mond überhaupt nicht erlebt habt, raten wir euch dazu, das schleunigst nachzuholen. Nicht alle frischen Implementationen erweisen sich in unserem Test als sinnvoll oder notwendig, und auch die Geschichte ist zu großen Teilen bereits bekannt, aber all das steht unserem Urteil nicht im Wege: Pokémon Ultrasonne/Ultramond sind die bis heute am stärksten verbesserten Geschwistertitel der Reihe. Das Pokémon-Franchise mag auf dem Nintendo 3DS enden, doch mit Ultrasonne/Ultramond hat der Entwickler noch einmal etwas abgeliefert, das Spieler ultimativ verdient haben.

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Die Geschichte ist sehr viel packender; Langzeitfans werden wertgeschätzt; die technischen Grenzen des 3DS werden noch einmal ein Stück verschoben.
-
Einige neue Features sind nur heiße Luft; keine neuen Alola-Formen.
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