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Kritiken
Rime

Rime für Nintendo Switch

Stefan hatte groß Erwartungen an die hybride Version von Rime auf der Nintendo-Konsole, doch dieser Port wird dem Spiel in keinster Weise gerecht.

Ich habe lange darauf gewartet, endlich Rime zu spielen. Das Abenteuer des spanischen Entwicklerteams Tequila Works hat mit seiner bunten Präsentation sofort mein Interesse auf sich gezogen und ich begleitete die Vorberichterstattung mit großem Interesse. Als der Titel dann für die Nintendo Switch angekündigt wurde, wusste ich sofort, worauf ich das Spiel am liebsten spielen würde und entschloss mich dazu zu warten. An diesem Freitag erscheint Rime nun endlich auch für die Nintendo Switch und wir konnten schon vor der Veröffentlichung der Hybrid-Version einen Blick in die emotionale Geschichte geworfen.

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Rime ist ein hübsches Spiel, doch auf der Nintendo Switch kann der Titel einfach nicht erstrahlen.

Rime ist ein Spiel, das viele Vergleiche heraufbeschwört. Schon mein Kollege Anders Baad Mai sprach in seiner Kritik über die offenkundigen Inspirationsquellen Ico und Journey und betonte, dass es dem Titel trotz dieser starken, ikonischen und wahrhaften Meisterwerke der Videospielgeschichte gelingt, eine eigene Identität zu bewahren. Während ich Rime spielte dachte ich immer wieder an meine wundervolle Zeit mit The Last Guardian, aber auch an Prince of Persia aus dem Jahre 2008. Tequila Works bewirbt ihr märchenhaftes Abenteuer aber plump mit diesen Werken, es nutzt vermischt stattdessen einige der wichtigsten Bestandteile und Elemente dieser Spiele und erschafft damit etwas Eigenes. Falls ihr mit den obengenannten Titeln also nichts anzufangen wisst, dann dürftet ihr euch ziemlich sicher sein, dass euch Rime nichts geben wird.

Grundsätzlich erzählt Rime die Geschichte eines Jungen, der sich seinem Schicksal stellt. Das Abenteuer beginnt mit einer Szene am Strand und dem Drang, einen weit entfernten und hohen Turm zu erreichen. Darüber steht ein narrativer Rahmen, der durch bedeutende Zwischensequenzen getrieben wird, die erst ganz am Ende aufgedeckt wird und seine Wirkung sicher nicht verfehlt. Und obwohl manche Bestandteile in der Retrospektive auf die Auflösung des Plots hindeuten, hat mich die Erkenntnis letztlich doch arg überrascht und erstaunt. Rime ist ein tolles, schlau erzähltes und lohnenswertes Abenteuer für Freunde emotionaler Geschichten.

Diese Erfahrung wird nicht durch Textpassagen oder gesprochene Sprache verdeutlicht, sondern durch eine Bildsprache und hervorragendes Game Design. Schon kurz nach dem Start unseres Abenteuers begegnen wir einem kleinen Fuchs, der uns auf magische Art und Weise den Weg weist. Der Junge hat nur begrenzte Interaktionsmöglichkeiten und muss im Laufe der Erzählung viele, äußerst kreativ und abwechslungsreich gestaltete Rätsel lösen. Die Gestaltung der Puzzle verdient großes Lob, denn die rund sieben- bis achtstündige Erfahrung überrascht stets mit ihrem Einfallsreichtum und wiederholt sich zu keinem Zeitpunkt.

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Viele Framerate-Einbrüche und starke Ruckler nagen am Spielerlebnis.

Kommen wir aber langsam zum wichtigsten Punkt dieser Kritik: Der Qualität des Nintendo Switch-Ports. Im Vorfeld der Veröffentlichung hat dieser viele Gespräche nach sich gezogen und Tequila versprach, hart an der neuen technischen Version zu arbeiten, denn sie hatten selbst große Erwartungen an den Titel. Nur wenige Minuten nach Spielstart musste ich jedoch herausfinden, dass das Studio an diesen Bemühungen perfide gescheitert ist. Unterirdische Bildwiederholraten, harte Ruckler und lange Ladezeiten (von denen es immerhin nicht sehr viele gibt, wenn man das Spiel konsequent durchspielt) prägen die Erfahrung auf der Switch. Wer im Spiel das Startmenü aufruft, um etwa zu pausieren, benötigt allein für diesen Vorgang mehrere Sekunden, bis die Anwendung auf unseren Befehl reagiert.

Die Präsentation läuft im Docking-Modus bei reduzierten Texturen und 720p, die Framerate entspricht nur in kleinen, definierten Bereichen den angepeilten 30 Bildern in der Sekunde, erheblich häufiger liegt der Wert im Bereich der niedrigen 20-er oder auch deutlich darunter. Der Handheld-Modus unterbietet diese Leistung stellenweise leider zusätzlich noch (weshalb ich mich sehr schnell aktiv dagegen entschieden habe, dieses Spielgefühl auszureizen). Der Soundtrack von Rime ist sehr passend und auch wichtig, stockt auf der Switch aber leider ebenso wie die generelle Bild-Performance ab und zu.

Auf Rime habe ich lange gewartet, doch das hätte ich sicher nicht tun sollen. Es tut mir tatsächlich ein wenig weh, auf diese technisch schwache Version eines so hervorragenden Spiels gewartet zu haben. Den malerischen Titel hätte ich direkt im Frühjahr spielen sollen, denn die explorative Erfahrung ist jedes Lob wert. Auf der Switch bleibt davon leider nicht allzu viel von hängen. Ich liebe die mobile Natur des neuen Nintendo-Hybriden und genieße fast jeden Titel darauf, doch für den Rime-Port mag ich keine Empfehlung aussprechen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Entwickler mehr Expertise im Portieren ihres tollen Abenteuers bewiesen und Nintendo mehr Wert auf die Qualität der Spielversion gelegt hätte. Wartet also nicht länger und spielt Rime auf PS4, Xbox One oder dem PC.

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Tequila Works hat mit diesem Titel ein beachtliches Werk geschaffen, das einen bewegenden Abschluss findet. Die Switch-Version von Rime ist nur leider mit Abstand die schwächste Version.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Überraschend tiefgründige, schlau erzählte Geschichte; bewegendes Abenteuer mit durchdachten und abwechslungsreichen Rätseln. Präsentation trotz niedriger Details sehr erinnerungswürdig.
-
Technischer Port wird der Spielerfahrung nicht gerecht: schwache FPS-Performance; überall gibt es Ruckler und Aussetzer-
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