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Kritiken
Gran Turismo Sport

Gran Turismo Sport

Es ist ein mutiges, neues Gran Turismo und einer der besten Ableger des Franchise seit Jahren.


Wenn wir den Championshop-(Online-)Modus von Gran Turismo Sport starten, müssen wir immer ein kleines Einführungsvideo anschauen und das ist ungelogen furchtbar schlecht. Und das ist ziemlich genau die Erfahrung, die mir das neue Spiel von Polyphony zumindest in den ersten beiden Stunden mit auf den Weg gegeben hat. Serienschöpfer Kazunori Yamauchi war extrem deutlich als er sagte, dass sein Team und er die Arcade-Elemente hinter sich lassen werden und wir keine Zeit mehr mit dem Sammeln von Automodellen vergeuden oder einen Mondbuggy steuern werden. Gran Turismo Sport ist ein "Always Online"-Rennspiel mit Rennautos in einem Racing-Kontext, das vom FiA bestimmt wird, was Cheats und Schwindelei vorzubeugen soll.

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Die Grafiken von GT Sport sind super und aktuell mit keinem anderen Rennspiel-Sim auf einer anderen Konsole vergleichbar. Assetto Corsa und Project Cars 2 sehen auf der PS4 zwar gut aus, aber nicht so gut, und Forza Motorsport 7 stellt zu viel Kontrast und weichere Schatten in den Vordergrund (obwohl wir natürlich noch nicht die Xbox One X-Version gesehen haben).

Ich verstehe einfach nicht warum uns das Spiel noch immer wie ein Kind behandelt. Das schreckliche Einführungsvideo gibt uns ja schon ganz schön was zu knabbern - nicht nur weil es an Vierjährige gerichtet ist, die nicht wissen, was der Motorsport ist - aber im Hauptmenü müssen wir wieder einmal erkennen, dass Yamauchi und seine Crew erneut darauf bestanden haben, den entsetzlichen Piano-Jazz dudeln zu lassen. Das alles läuft vor dem Hintergrund der "zeitlosen Veranstaltungen der Weltgeschichte" ab, das sind Dinge wie die Mondlandung - etwas, das absolut nichts mit dem Thema Rennsport zu tun hat.

Die Idee verstehe ich zwar grundsätzlich, Polyphony will hier einen Autoclub gründen, in dem jeder einfach "abhängen" will. Gleichzeitig will der Club intelligent genug sein, um sich nicht von der Außenwelt abzuschotten und sich nur auf sich selbst zu konzentrieren. Das ist ein angenehmer Fokus, denn es ist etwas, das einige der sogenannten Hardcore-Fans nicht unbedingt von sich behaupten können. Im selben Atemzug will Polyphony besonders zugänglich sein, indem es die Einsteigerfreundlichkeit seines neuen Spiels durch das Weglassen allzu vieler Motorsport-Begriffe vorbeugt. Wir verstehen diese Entscheidung, doch für Veteranen wird der Anfang von Gran Turismo Sport dadurch aber sehr, sehr mühselig.

Die Fahrprüfungen sind genauso wie der traditionelle Karriere-Modus ein für alle Mal von uns gegangen. Ich kann gar nicht zum Ausdruck bringen, wie befreit ich angesichts dieser Entscheidung war, denn nachdem ich 39 Stunden lang 72 Pferdestärken im Sitz eines Nismo N24 GT3 GTR um Willow Springs fuhr, war ich fertig mit der Motorsportwelt. Allerdings hielt diese Freude (über das Verschwinden des schlechten Karriere-Modus) nicht allzu lang an, da man recht schnell bemerkt, dass die "Herausforderung" in Gran Turismo Sport darin besteht, exakt das zu tun, was früher die alten Fahrprüfungen waren (die gibt es jetzt nämlich mit neuer Umverpackung). Die ersten beiden Stunden von GT Sport bestehen also daraus Polyphony zu beweisen, dass wir wissen, wie man das Bremspedal benutzt und wann man das Teil in einer Kurve einsetzt - das ist ebenso unterhaltsam wie das bescheuerte Intro-Video.

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Der VR-Support ist fragmentiert und ehrlicherweise nur ein kleines Feature, als irgendetwas Substanzielles. Es gibt einige kurze Rennstrecken im VR-Modus, aber alles fühlt sich niedrig aufgelöst und verwaschen an.

Wenn sich das Rennspiel dann aber endlich, endlich öffnet (ich habe diesen Punkt nach knapp 25 Stunden erreicht), dann beginnt langsam die Realisation, dass Gran Turismo Sport tatsächlich einer der besten Ableger der Serie seit sehr, sehr langen Zeit ist. Nachdem wir die meisten Basislektionen im Herausforderungsmodus gemeistert und die ersten Strecken freigeschaltet haben, wirft uns Polyphony in den Sitz eines LeMans-Autos und wir dürfen damit beginnen, uns die richtig wichtigen Dinge im Rennsport anzueignen - natürlich alles Schritt für Schritt.

Die Prioritäten des Studios sind in diesem Segment wirklich auf den Punkt gelungen. Wer die sechs Kurse des Spiels im Herausforderungsmodus abschließt, darf auf jeder Strecke ins Detail gehen und die Einzelabschnitte absolvieren. Die mit großer Sorgfalt angefertigten Anzeigen helfen uns dabei, den Gipfel neuer Bestleistungen anzugreifen und perfekte Streckenabschnittszeiten zu erreichen. Das ist ein unterhaltsamer und lehrreicher Modus, der den Spieler zeigt, wie alles funktioniert, ohne gleich zu herausfordernd zu sein. In diesem Segment strahlt das Spiel am hellsten.

All das (auch die Zeitrennen und die eigenen Rennen) sind nur eine Vorbereitung für das, worum es in Gran Turismo Sport wirklich geht: Die Online-Rennen (konkreter, die FiA-regulierten Mehrspieler-Rennen). Dazu gezwungen zu sein, rund 480 Euro für eine FiA-Mitgliedschaft zu bezahlen und möglicherweise die Chance auf etwas virtuellen Erfolg zu erzielen, ist sicher nichts für jedermann. Und genau für diese Spieler bietet GT Sport Turniere und Wettbewerbe in einer Online-Lobby.

In Gran Turismo Sport ist die Rennetiquette sehr wichtig und deshalb hat sich Polyphony besonders bei iRacing das System ausgeliehen, das Spieler nach dem Ende eines Rennens mit Punkten belohnt, die uns in nachfolgenden Rennen mit gleichgesinnten Spielern zusammentut. Wer zu aggressiv und unachtsam fährt wird fortan mit ähnlich verrückten Fahrern zusammengesteckt. Das Fahrverhalten wird im Profil eines jeden Fahrers angezeigt, falls ihr euch wundert, warum plötzlich scheinbar keine ordentlichen Fahrer mehr in Gran Turismo unterwegs sind. Das ist ein ziemlich schlauer Schachzug von den Entwicklern, um die Online-Strecken aufzuräumen und Rambos von sauberen Profis fernzuhalten. Falls Gran Turismo Sport bei den Fans einschlägt, wird sich dieses System auf lange Sicht sicher beweisen.

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