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Kritiken
AER: Memories of Old

AER: Memories of Old

Menschen träumen seit jeher davon, frei wie ein Vogel zu fliegen. AER: Memories of Old macht diese Vision Wahrheit, doch was bietet das Spiel sonst noch?

AER: Memories of Old erzählt die klassische Geschichte der Pilgerreise und versetzt uns in eines der bekanntesten Szenarios der Videospielwelt. Die stumme Heldin (dass sie stumm ist liegt eher daran, dass es keine Synchronisation gibt, sondern nur Bildschirmtexte - aber es passt zum Klischee) erwacht in einer Höhle und soll anschließend drei Tempel aufsuchen und auf ihrem Weg mehr über die Welt und ihre Vergangenheit erfahren. Natürlich birgt dieses Abenteuer auch Gefahren, denn es großes Unheil bedroht die Welt und wir müssen uns diesem stellen.

AER: Memories of OldAER: Memories of Old
Hört euch an, was die Menschen im Land der Götter zu sagen haben. Die Puzzlestücke erzeugen am Ende ein tolles Gesamtbild.

Fast jeder Spieler dürfte diese Erzählung bereits einmal erlebt, gesehen oder zumindest in der einen oder anderen Form gehört haben; vor allem die früheren The Legend of Zelda-Teile kommen mir persönlich vor diesem Hintergrund in den Sinn. Der Vergleich mit Links Abenteuern wird um einiges deutlicher, wenn man sich die Parallelen zwischen AER: Memories of Old und The Legend of Zelda: Skyward Sword ansieht. Letzteres hat damals nämlich mit einer tollen Thematik aufgetrumpft, die sich auch das Spiel von Forgotten Key zunutze macht: Wir können wie ein Vogel frei durch die Lüfte fliegen. In AER: Memories of Old tun wir das jedoch nicht auf dem Rücken eines prachtvollen roten Wolkenvogels, wir sind darin tatsächlich eine Art Vogelwesen.

Unsere Heldin Auk ist eine Formwechslerin, die sich unter offenem Himmel in einen Vogel verwandelt und dann mühelos durch die Lüfte gleitet. Ein sehr magisches Element in ihrer Darstellung ist das Detail, dass sie ab und zu knapp über dem festen Boden schwebt und tiefe Stürze mit einem Flügelschlag abbremst. Zudem zieht der Soundtrack des von AER: Memories of Old jedes Mal stark an, wenn sich Auk in ihre fliegende Form verwandelt, was die kraftvolle Natur ihres Hybridwesens verdeutlicht. Das ist eine sehr schöne, fast magische Umsetzung und funktioniert, ganz im Gegensatz zur Wii-Inspiration aus dem Jahre 2011, unkompliziert und einfach.

AER: Memories of OldAER: Memories of Old
So mühelos und kraftvoll durch die Luft zu gleiten, das schafft selbst Links Wolkenvogel nicht.

Unterwegs sind wir im Land der Götter, das irgendwann in der Vergangenheit durch einen schrecklichen Vorfall zersplittert und auseinandergerissen wurde. Die verschiedenen Landmassen schweben nun auf magische Art und Weise in der Luft und haben keine direkte Verbindung zueinander. Dass wir in Windeseile von einer schwebenden Insel zur anderen kommen, wird vom Spiel sehr schön eingefangen, allerdings bietet das Abenteuer zu wenige Möglichkeiten, um davon Gebrauch zu machen.

Die Spielwelt von AER: Memories of Old ist verlassen und leer, ab und zu sehen wir mal ein paar Tiere, aber das war es dann auch schon. Vielerorts begegnen uns dafür die Erinnerungen längst verstorbener Bewohner, die uns weitere Puzzleteile über die Vergangenheit präsentieren. Leider endet der Motivationsantrieb an dieser Stelle auch schon fast, denn obwohl Entwickler Forgotten Key einige malerische Landstriche gezeichnet und viele sympathische Überraschungen versteckt hat, ist AER: Memories of Old alles andere als ein packendes Abenteuer. Falls ihr nicht primär auf eine Erfahrung aus seid, in der ihr als Vogel-Mensch-Wesen leere schwebende Welten erkunden wollt, wird AER euch nicht allzu viel zu tun geben.

Nach etwa vier Stunden habe ich AER: Memories of Old beendet, allerdings wird die Spielzeit in erster Linie durch euren eigenen Entdeckerdrang beeinflusst. Es gibt keine Kämpfe die in einem Neustart enden könnten und Plattform-Passagen sind, genau wie die Rätsel im Spiel, überschaubar und größtenteils anforderungslos. Stattdessen fliegen wir viel umher, erkunden die Inseln und erfahren etwas über ihre vergangenen Zivilisationen und das Leid, das diese Welt vor langer Zeit plagte. AER: Memories of Old ist eine sehr unaufgeregte Erfahrung, die nur in seinen besten Augenblicken greift und trotzdem eine eigene Anziehungskraft ausübt.

AER: Memories of OldAER: Memories of Old
Forgotten Key hat ein paar äußerst schicke Kulissen gezeichnet, die hübsche Eindrücke abgeben.

Wie ihr auf den Screenshots unschwer erkennen werdet ist AER: Memories of Old ein richtiges Spiel für die Augen. Der Low-Poly-Artstil erinnert sehr an die Titel der Ubisoft-Kunstschmiede Reflections, allem voran Grow Home und sein Nachfolger Grow Up. Allerdings hätte das Abenteuer meiner Meinung nach durchaus auch von einem detaillierteren Erscheinungsbild profitiert, da AER: Memories of Old in seiner jetzigen Form vor allem mit den vielfältigen Umgebungen überzeugt, die auf Entfernung sehr hübsch aussehen. Im Fokus verliert sich dieser Glanz aber etwas.

In puncto Design hat Forgotten Key noch an anderen Stellen keine Glanzleistung erzielt. Die Spielwelt leidet unter aktiver Beschäftigungsnot, denn Erkundung als alleiniger Motivator packt viele Spieler nicht. Hinweise werden zudem mit einem dumpfen akustischen Brummen dargestellt, was weder schön klingt noch wirklich hilfreich ist (Möglichkeiten zur Interaktion werden zudem selbst dann noch mit dem nervigen Gebrumme hinterlegt, wenn die Aktion bereits durchgeführt und abgeschlossen wurde). Außerdem leidet der Spielfluss unter grässlichen Ladezeiten, die bei jedem Wechsel von der Oberwelt in die unterirdischen Höhlen auftreten. Das können locker vierzig Sekunden sein und da übertreibe ich nicht...

Egal wie lange ich über AER: Memories of Old nachdenke, es ist und bleibt ein eigenartiges Spiel. Zwei Dinge stechen bei diesem Titel wirklich heraus: Zum einen ist das die bunte und erinnerungswürdige Präsentation und zum anderen wäre das zweifellos die Thematik des Fliegens. Bei genauerem Hinsehen könnten beide Bestandteile aber durchaus noch optimiert werden, so wie die vielen anderen Baustellen des Spiels. Mich hat AER: Memories of Old trotz seiner minimalistischen Natur auf vielen Ebenen erreichen, wenn auch nicht gänzlich von sich überzeugen können. Das Spielerlebnis wird vielerorts durch Unstimmigkeiten aufgerissen, was es erschwert, die magischen Eindrücke von AER: Memories of Old lange zu behalten. Doch wer darüber hinwegsehen kann, der bekommt eine unaufgeregte, aber einmalige Reise mit der Formwechslerin Auk.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
vielfältige Areale, zwischen denen wir flüssig in Vogelform oder als Mensch wechseln; gelungene Umsetzung der klassischen Heldenreise; Spieltempo ist angenehm langsam.
-
wenige Motivatoren; lange Ladezeiten; ein paar fragwürdige Design-Entscheidungen vor allem in der Geräuschkulisse.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt