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Kritiken
Megaton Rainfall

Megaton Rainfall

PSVR-Fans warten immer noch auf einen epischen Systemseller, der wie eine Bombe einschlägt. Aber muss man deswegen gleich ganze Städte pulverisieren?


Sonys VR-System hat einiges zu bieten, das haben nicht zuletzt Vorzeigetitel wie Farpoint oder Resident Evil 7 gezeigt. Doch hochkarätige Produktionen sind leider noch immer die Ausnahme und der Großteil des Portfolios wird von Indie-Games abgedeckt, die mit einfachen Mitteln entstanden sind. So ist auch Megaton Rainfall überwiegend eine One-Man-Show, an der Spieleentwickler Alfonso del Cerro laut eigenen Angaben schon seit 2012 arbeitet. Bei dieser Jahreszahl muss der ein oder andere sicherlich an den gleichnamigen Roland-Emmerich-Film denken, in dem die Welt von apokalyptischen Katastrophen gebeutelt wurde. Lustigerweise passiert das auch in diesem Spiel, allerdings mit anderem Hintergrund.

Megaton Rainfall

Der Titel des Spiels klingt in der deutschen Sprache zwar im ersten Moment wie ein abwertendes Meme, gemeint ist mit dem „Megaton Rainfall" jedoch eine Art von Regen, bei dem jeder einzelne Tropfen die Sprengkraft von einer Megatonne TNT hat. Ausgelöst wird dieses Feuerwerk vom Spieler, der in der Einführung erfährt, dass er die Kreation eines höchst mächtigen intergalaktischen Wesens ist und damit quasi unsterblich ist und mit diversen Superkräften ausgestattet wird.

Die erste dieser Kräfte ist eine Bewegungsgeschwindigkeit von Mach 8, also achtfacher Schallgeschwindigkeit, mit der wir um den Erdball düsen und diverse Krisenherde ansteuern. Unser schöner Planet wird nämlich von außerirdischen Invasoren heimgesucht, die wir mit unserer zweiten Superkraft aufhalten sollen - den titelgebenden Explosivgeschossen, die wir aus unseren Händen feuern. Diese Hände sind jederzeit als pink leuchtende Erscheinungen zu sehen, was den Eindruck erweckt, das Spiel könne mit Motion-Controllern gespielt werden. Dies ist leider nicht der Fall, nur der DualShock 4-Controller wird unterstützt. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn die Steuerung ist sehr direkt und so flitzen wir über ganze Kontinente oder zwischen Hochhäusern hindurch. Um der Motion Sickness vorzubeugen, lassen sich über den Controller Drehbewegungen aktivieren. Mit der Voreinstellung aus 45°-Schritten und sich abdunkelnden „Vorhängen" am Bildrand können auch empfindliche Personen wie ich das Spiel gut aushalten.

Ziel ist es nun, die außerirdischen Vehikel zu zerstören, die höchst variantenreich daherkommen. Gemein haben sie einen oder mehrere rot leuchtende Punkte, das sind ihre Schwachstellen. Nur dort fügen wir ihnen Schaden zu, weshalb das Gameplay davon bestimmt wird gut zu zielen, die Bewegungen der Feinde vorauszuahnen oder überhaupt erst einmal die betreffenden Stellen zu finden. Danebenzuschießen hat in Megaton Rainfall nämlich üble Folgen: Unter Schreien und Explosionen sterben die Einwohner ganzer Häuserblocks oder sogar Stadtviertel und das ist gar nicht im Sinne eures galaktischen Erzeugers. Der mag verständlicherweise keine Kollateralschäden und sobald sich der Balken mit der „Stadtgesundheit" komplett geleert hat, heißt es: Zurück zum letzten Checkpoint!

Megaton Rainfall

Irgendwie habe ich das Gefühl bekommen, dass dieses Designelement dem Spiel selbst Megatonnen an Schaden zufügt, obwohl es moralisch natürlich absolut richtig ist. Die Grafik des Spiels ist sehr krude und grob, sicherlich ein Zugeständnis an die epische Größe des weltumspannenden Spielfeldes, das auch noch komplett zerlegt werden kann, was sich in beeindruckenden Explosionen und Partikeleffekten äußert. Deswegen ist es irgendwie Schade, dass wir zwar die oftmals hässlich wirkende Grafik ertragen müssen, aber nur die Aliens ganze Städte effektvoll in sich zusammenfallen lassen dürfen, während wir mit unseren Schüssen extrem zurückhaltend und genau sein müssen. Andererseits bietet dieser Ansatz wie so oft bei kleinen Entwicklern mal ein ganz anderes Spielprinzip, das sich große Publisher in dieser Form sicher nicht trauen würden.

Zudem wartet Megaton Rainfall in seinem weiteren Verlauf mit geradezu esoterischen Erlebnissen auf, die den Spieler durch unser gesamtes Sonnensystem rasen lassen, vielleicht sogar darüber hinaus. Denn nach und nach stattet uns die mysteriöse Stimme aus dem All mit neuen Kräften aus und gibt uns den Auftrag, nach weiteren Kräften zu suchen... Dabei wird auf klassischer Gameplay-Ebene zusätzliche Motivation durch ein Bewertungssystem für die einzelnen Abschnitte aufgebaut, was auch eine Jagd nach Bestzeiten ermöglicht.

Das Gefühl einerseits unglaublich mächtig zu sein und andererseits durch die Vorgabe total eingeschränkt zu werden und nicht daneben schießen zu dürfen, macht Megaton Rainfall teilweise zu einem frustrierenden Erlebnis. Generell ist eine Bewertung des Titels schwierig, da das besondere Spielgefühl sicher nicht jedem gefällt. Ich würde es als eine Mischung aus Everything und Earth Defense Force bezeichnen; beides sind ziemliche Nischentitel. Gerade als Werk eines einzelnen Entwicklers ist dieses Projekt kreativ eine tolle Leistung, und ein „Megaton Reinfall" ist es bestimmt nicht. Für den günstigen Preis können es sich VR-Fans aber auf jeden Fall mal angucken, und um die Systemseller kümmern sich dann hoffentlich in naher Zukunft wieder Sonys große Studios.

Megaton Rainfall
Megaton Rainfall
06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Epische Dimensionen, wuchtige Zerstörung, erfrischende Andersartigkeit.
-
Sehr grobe Grafik, frustrierend beengtes Spielgefühl.
overall score
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