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Kritiken
Divinity: Original Sin II

Divinity: Original Sin II

Larian hat mit Divinity: Original Sin II ein herrliches RPG-Abenteuer geschaffen, das quasi sofort zum Klassiker wird.

  • Text: Marko Mäkipelto

Rollenspiel-Liebhaber haben in den letzten Jahren einige fantastische Spiele erhalten, die uns allen ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Natürlich waren auch ein paar Enttäuschungen dabei, das gehört schließlich dazu, aber insgesamt gab es glücklicherweise viel mehr mehr als solide RPG-Umsetzungen. Der Kult-Hit Divinity: Original Sin vom belgischen Entwickler Larian Studios zum Beispiel, gehört definitiv zu diesen Erfahrungen und deshalb freuen wir uns sehr, nun endlich die kreative Neu-Umsetzung erhalten zu haben. Es ist ein klassischer Mix aus rundenbasiertem Kampf mit Brettspiel-Elementen und einer kompliziert erschaffenen Fantasiewelt, angesiedelt in einem Teil von Rivellon.

Divinity: Original Sin IIDivinity: Original Sin II
Textlastig ist die Fortsetzung zwar noch immer, aber 80 Sprecher haben diesem Wälzer Leben eingehaucht.

Wie üblich starten wir mit der Charakter-Erstellung. Es gibt vier Rassen aus denen wir wählen dürfen: Menschen, Elfen, Zwerge und die Echsen sind dabei. In Verbindung mit diesen Völkchen gibt es jeweils noch eine untote Variante, es gibt also mehr als genug zu wählen. Jeder von diesen Völkchen hat eine eigene, rassenabhängige Spezialfähigkeit. Die Echsen zum Beispiel speien Feuer, während Untote von Heilzaubern Schaden nehmen, allerdings in Gift und dem gefährlichen Todesnebel aufgehen. Außerdem dürfen die Toten mithilfe ihrer Knochen Schlösser knacken und verbrauchen keinen der seltenen Dietriche. Die interessanteste Rassen-Fähigkeit ist aber mit Abstand der Kannibalismus der Elfen. Abgetrennte Leichenteile und eklige Innereien fressen die listigen Spitzohren, um sich einerseits zu heilen und andererseits die Erinnerungen des ehemaligen Besitzers nachzuerleben. Diese Fähigkeit wird zum einen auf spielerische Sicht eingesetzt (um uns etwa verschiedene Fähigkeiten beizubringen, mit denen wir Rätsel lösen) und zum anderen als Transportvehikel für Informationen genutzt und dient somit dem Storytelling.

Visuell ist die Charaktererstellung etwas limitiert, bietet aber trotzdem einige Optionen für viele Geschmäcker. Die angebotenen Archetypen sind eher als Empfehlung zu verstehen, wie man sich seine Klasse gestalten könnte - vorgegebene Charakterklassen gibt es nämlich nicht. Veteranen werden die Option wertschätzen alle Skillpunkte einzeln verteilen zu können, doch die Entscheidung sollte nicht leichtfertig getroffen werden, da das Neuverteilen dieser Charakter-Builds erst ab Mitte des Spiels zur Verfügung steht.

Für den ersten Spieldurchlauf werden die sechs sogenannten Origin-Charaktere empfohlen, die neben eigener Vertonung eine individuelle Questlinie verfolgen und der Kampagne einen eigenen Touch verleihen. Der sarkastische Untote Fane wacht beispielsweise von seinem langen Schlummer auf und muss realisieren, dass er der letzte auffindbare Vertreter seiner Rasse geworden ist. Lohse ist Rivellons eigene Version von Taylor Swift und der arrogante Rote Prinz versucht verzweifelt sein Königreich wiederzuerlangen. Alle Figuren haben individuelle Motive und Ziele, die sich manchmal auch entgegen laufen. Jeder Origin-Charakter ist zudem individualisierbar, abgesehen von der Vertonung, dem Namen und kleineren visuellen Details. Und natürlich bleibt der Rote Prinz äußerlich immer rot.

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Im Kampf müssen wir Fähigkeiten und verschiedene Effekte miteinander kombinieren, um die Oberhand zu behalten.

Die lange Kampagne vom zweiten Teil spielt einige Jahrhunderte nach Divinity: Original Sin. Die magische Quellmagie ist mittlerweile von der stärksten Kraft im Land als illegal deklariert worden und es ist verboten, davon Gebrauch zu machen. Unsere Figuren wachen in einer Gefängniszelle auf einem Boot für Kriminelle auf, die der Magie beschuldigt werden. Das Schiff befindet sich auf den Weg zum Fort Joy und dient als Tutorialgebiet, in dem wir uns mit den anderen Figuren Charakteren machen. Sobald wir die Insel erreicht haben, können wir uns mit diesen Persönlichkeiten zusammentun, was uns diverse spielerische Möglichkeiten bietet, der Festung zu entkommen. Sobald sich das Spiel mit den folgenden Missionen öffnet, erwarten uns kommende Abenteuer.

Larian hat die komplexe Fantasiewelt originell genug gestaltet, um immer wieder mit unseren Erwartungen zu brechen und niemals das Gefühl aufkommen zu lassen, dass wir etwas bereits gesehen hätten. Wirklich jeder Charakter hat eine Daseinsberechtigung und eine Hintergrundgeschichte (oder ist darin zumindest involviert), denen wir lauschen können. Moralische Dilemmas spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in Divinity: Original Sin II, da jede getroffene Entscheidung mitunter fatale Konsequenzen nach sich ziehen - wenn nicht gleich, dann folgen sie mit Sicherheit später.

Die Kampagne und die parallelen Origin-Erzählstränge sind ordentlich gewürzt und bieten diese Wiederspielbarkeit, die schon dem Original anhaftete. Es gibt sogar echte Konflikte zwischen den Alter-Egos des oder der Spieler (das Spiel ist nämlich komplett Koop spielbar) Vor allem die zweite Option bietet viele „Es kann nur Einen geben"-Szenarios. Die Welt ist bis an den Rand gefüllt mit Details, die die Geschichte akzentuieren. Charaktere mögen generell vielleicht etwas zu standardisiert wirken, doch die Umgebungen hinterlassen visuell einen wirklich fantastischen Eindruck. Die komplette Farbpalette kommt in Divinity: Original Sin II zum Einsatz und ungelogen - Larian hat hier ein wahres Meisterwerk für Top-Down-Erfahrungen gezaubert. Allerdings wurde die Welt so umfangreich gebaut, dass man sich manchmal wünscht, die Kamera noch etwas weiter herauszoomen zu können.

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