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Kritiken
Metroid: Samus Returns

Metroid: Samus Returns

Mercury Steam hat mit der Neuauflage des Game-Boy-Klassikers ein tolles Metroidvania geschaffen, doch insgesamt fällt das Spiel leider ein bisschen aus der Zeit.

  • Text: Martin Eiser

Diese fiese, kleine Metroid-Mutation kommt direkt auf mich zu. Sie will mich rammen, aber den Angriff blocke ich locker aus der Hüfte mit Samus' neuer Nahkampf-Technik. Die Kamera dreht sich für einen kurzen Moment ganz leicht von der 2D- in die 3D-Perspektive und ich feuere so viele Raketen auf das Biest, wie ich nur kann. Der Action-Grad, der in solchen Moment ordentlich anzieht, gehört zu den ganz großen Stärken von Metroid: Samus Returns. Vor allem die Bosskämpfe sind durch solche Elemente herrlich in Szene gesetzt und geben der angestaubten Spielidee ein modernes Antlitz.

Metroid: Samus ReturnsMetroid: Samus Returns
Wer die linke Schultertaste drückt, kann in jede Richtung schießen. Wir sollten häufig davon Gebrauch machen.

Metroid: Samus Returns basiert nämlich auf Metroid II: Return of Samus, das Anfang der Neunziger Jahre für den Game Boy erschien. Das zugrundeliegende Metroidvania-Konzept ist aber immer noch ziemlich zeitlos. Diese Spiele legen einen großen Fokus auf die stückweise Erkundung einer umfangreichen, zusammenhängenden Welt mit vielen geheimen Orten. Und für den Namen standen die beiden bekanntesten Vertreter Pate: Metroid von Nintendo und Castlevania von Konami. Für die Genre-Liebhaber von Mercury Steam war dieses Projekt ein großes Ding. Nach Castlevania: Lords of Shadow durfte der spanische Entwickler nun auch ein Metroid-Spiel entwickeln - auch wenn es nur die Neuauflage eines Klassikers ist.

Der Begriff „Remake" ist übrigens etwas untertrieben. Es ist genau genommen eine Neufassung. Neben kleineren Ergänzungen wie einer Karte und der Einbindung von ein paar Fähigkeiten, die erst im später veröffentlichten Super Metroid aufgetaucht sind, gibt es brandneue Techniken für Samus Aran. Die Weltraum-Kopfgeldjägerin kann beispielsweise die Zeit verlangsamen oder besonders harte Gegner mit einem Dauerfeuer durchlöchern. Solche Lösungen sind sauber integriert und hier und da notwendig, um voranzukommen. Wer das Original aber nicht kennt, dem wird es eh nicht auffallen, dass diese Möglichkeiten komplett neu sind.

Mein Lieblingsfeature ist die Möglichkeit, in alle Richtungen feuern zu können. Wir müssen dafür einfach nur die linke Schultertaste gedrückt halten und können punktgenau zielen. Dazu sei aber erwähnt, dass es sich um keine Spielhilfe handelt, denn ohne diese Möglichkeit würden wir ziemlich alt aussehen. Metroid: Samus Returns ist wirklich fordernd und kein Spiel für Anfänger. Der Schwierigkeitsgrad zieht phasenweise immer wieder merklich an. Denn während unsere Waffen und unsere Ausrüstung besser werden, stellen sich uns gelegentlich auch immer stärkere und fiesere Gegner in den Weg.

Metroid: Samus ReturnsMetroid: Samus Returns
Dieses Abenteuer hier fühlt sich zwar ohne Zweifel wie Metroid an, doch auch etwas blutarm und seelenlos.

Anfangs begegnen wir beispielsweise schalenlose Tiere, die leichtes Kanonenfutter darstellen. Später gibt es eine Art mit Panzer, die noch dazu unter Beschuss das Tempo erhöht. Noch einmal gemeiner wird diese Art durch eine giftige Schleimspur, die das Schneckenwesen hinter sich herzieht. Greifen wir von vorn an, rast sie auf uns zu. Greifen wir von hinten an, flüchtet sie und erschwert durch den Schutzmechanismus die Verfolgung. Unterm Strich hätte ich mir aber etwas mehr Variation bei den Gegnern gewünscht. Aber das ist wahrscheinlich der saure Apfel, in den wir bei einem Remake dieser Vorlage beißen müssen.

Und genau dieser Umstand wird Metroid: Samus Returns auch noch an anderer Stelle zum Verhängnis. Die Reihe hatte noch nie eine besonders ausufernde Handlung. Aber für Metroid: Zero Mission auf dem Game Boy Advance - das Remake des ersten Spiels der Reihe - wurde die Geschichte auch ein wenig ausgeschmückt, denn wir sollten uns besser in Samus Aran hineinversetzen können. Dieses Abenteuer hier fühlt sich zwar ohne Zweifel wie Metroid an - es gibt all die bekannten Features aus Metroid und Super Metroid - aber gleichzeitig wirkt der Titel trotz der großartigen Präsentation über weite Strecken blutarm und seelenlos. Vor 25 Jahren mag das ok gewesen sein, aber von einem modernen Spiel erwarte ich heute einfach mehr.

Womöglich ist die dünne Hintergrundgeschichte auch der Grund, warum mir vor allem die ersten Stunden unglaublich träge vorgekommen sind. Wir dezimieren etwa 15 bis 20 Stunden lang die Population der gefährlichen Metroid-Spezies in den verwinkelten Gängen des Heimatplaneten ohne motivierende Handlung. Die setzt erst im Finale wieder ein. Immerhin nimmt Metroid: Samus Returns aber nach dem ersten drögen Drittel spielerisch an Fahrt auf. Mit jeder neuen Fähigkeit steigen die Interaktionsmöglichkeiten und damit auch der Spielspaß. Es gibt eine Fülle an Rätseln und kniffligen Geschicklichkeitspassagen, um an wertvolle Erweiterungen für die Energieleiste oder Spezialwaffen zu kommen. Und auch die großen Bosskämpfe erfordern Köpfchen, um die Angriffswellen des Gegners zu überstehen und die Schwachstellen zu finden.

Metroid: Samus ReturnsMetroid: Samus Returns
Das zugrundeliegende Metroidvania-Konzept ist aber immer noch ziemlich zeitlos.

Metroid: Samus Returns ist am Ende wahrscheinlich genau das geworden, was die Entwickler erreichen wollten. Es ist eine umfassende Neuauflage des Klassikers, die zwar etliche neue Spielmechaniken einführt, aber das ursprüngliche Spielgefühl beibehält. Wer schon sehnsüchtig auf eine neue Metroid-Erfahrung im alten Stil gewartet hat, der wird genau das bekommen. Aber trotz aller Neuerungen und obwohl ich ein großer Freund der 2D-Metroidvania-Titel bin, fühlt sich das Spiel für mich ein bisschen altbacken an. Das Genre ist nicht tot, dazu gibt es viel zu viele moderne Vertreter, wie Axiom Verge oder Ori and the Blind Forest. Und Metroid: Samus Returns ist auch keinesfalls schlecht. Es ist nur ein wenig aus der Zeit gefallen.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Neue Spielmechaniken fügen sich sehr gut ein; Probleme des Originals wurden beseitigt; hübsche Präsentation; fordernder Schwierigkeitsgrad.
-
Erste Hälfte des Spiel ist etwas lahm; etwas mehr Handlungsbrocken wären wünschenswert gewesen; Frust und Lust können sich zu häufig abwechseln.
overall score
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