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Kritiken
Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutants in Manhattan

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutants in Manhattan

Leider wurde das vielversprechende Konzept völlig verschwendet - und was unverschämt gut hätte sein können, wird in Kürze auf den Wühltischen zu finden sein.

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Einige Leute meine, man lernt nichts, wenn man Videospiele konsumiert. Nun, diese kühne These lässt sich anhand von Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutants in Manhattan leicht entkräften. Vor dem Konsum des Lizenzspiels des ehrwürdigen japanischen Studios Platinum Games hatte ich keine Ahnung über den vollem Umfang von den endlosen, identischen Labyrinthen in der Kanalisation unter den Straßen von Manhattan. In der Tat waren es so viele und sie waren so lang und derart identisch, dass ich bei mehreren Gelegenheiten komplett den Überblick verloren habe, wo ich war und wie weit ich gekommen bin.

Ich verbrachte fast eine halbe Stunde in Tunneln, die an den Level The Libary erinnern sollten, diese so berüchtigte Mission aus Halo: Combat Evolved, der absolute Höhepunkt des intuitiven Leveldesigns. Klar, ich spekuliere natürlich rum, aber ein großer Teil des Problems mit diesem Spiel ist, dass Activision unbedingt wollte, dass Platinum Games das Spiel passend zum Start des Films Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows fertig kriegt.

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Grundsätzlich bettelt das Game nach einem Koop für vier Spieler, um dann eine vielfältige Auswahl an Feinden zu versohlen - das geht aber nur online.

Nicht, dass beide Werke irgendwie wirklich zusammengehören würden. Das Spiel ist eher an die IDW-Comicreihe angelehnt, aber es spielen zweifellos die gleichen vier mutierten, Pizzas liebenden großmäuligen Ninja-Schildkröten die Hauptrollen. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass es Geld zu verdienen gibt, indem man auf den Schwingen des Spielfilms mitreitet. Im Ergebnis - und das ist schade, weil es eines der besten Beat'em-ups hätte werden können - findet sich nun ein stressiges und verwirrendes Spiel. Schade, denn Third-Person-Schlägereien mit Ninja Turtles und Platinum Games hörte sich nach einem Spiel aus dem Himmel an.

Grundsätzlich bettelt das Game nach einem Koop für vier Spieler, um dann eine vielfältige Auswahl an Feinden zu versohlen. Es hätte in Trendsetter wrden können, wie es einst Batman: Arkham Asylum für eine besondere Art von Action-Adventure wurde. Aber das schnelle Geld war hier wohl dieses Mal wichtiger. Also kloppe ich nun nahezu immer wieder identische Feinde in nahezu immer wieder identischen Tunnelsystemen platt. Und frage mich, ob die nächste Begegnung anders sein wird als die davor. Trotz einiger wirklich coole Animationen, den Doppelsprünge und der reaktionsschnellen Steuerung wirkt das grundlegende Zwei-Tasten-System von Platinum Games irgendwie kaputt und unbefriedigend. Die meisten Schlachten enden in geistlosem Tastenhämmern.

Noch schlimmer ist das System für Gegenangriffe, das Splinter uns in einer ruhigen Yoda-Art zu lehren versucht. Durch Timing und einen Triggerdruck zur richtigen Zeit sollen wir die Angriffe der Gegner in unseren Konter-Vorteil ummünzen können. Aber es ist schwierig, genau zu wissen, wann man den Konter überhaupt aktiviert hat. Das System ist einfach nicht zuverlässig und zeugt von lieblosem, ja schlechtem Design.

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Recycling ist sehr beliebt und sinnvoll im Jahr 2016, aber in der Videospiel-Welt ist es selten eine gute Idee.

Alles deutet darauf hin, dass Platinum Games eine solide Grundlage für das Spiel gemacht hat, aber einfach keine Zeit blieb, darauf etwas aufbauen zu können. Meine Vermutung: Sie haben es einfach aus der Tür geschoben - ist ja nur ein Lizenzspiel, pfeif drauf! Ein weiterer Hinweis darauf, dass dies der Fall sein könnte, ist das Zusammenspiel zwischen den vier Schildkröten, das wir so noch nie zuvor in diesem Genre gesehen haben. Eine gute Strategie ist es, mit Donatello zu starten und mit seiner Superattacke die Feinde weich zu klopfen, bevor man zu Raphael wechselt und seine mächtige Attacken gegen die härtesten Gegner nutzt. Dann schnell zu Leonardo tauschen, der eine gute Reichweite und Stärke hat, um die restlichen Feinde zu töten. Schließlich gibt es noch Michelangelo, der die Superattackenleiste von allen wieder füllt, bevor die nächste Welle von Feinden auftaucht. Es ist ein durchaus spannendes ordentliches System, aber ich vermute, dass so viel Zeit in die dessen Ausarbeitung geflossen ist, dass es einfach nicht mehr genug Zeit und Ressourcen für abwechslungsreiche Level, spaßige Gegner oder sinnvolle Inhalte gab.

Auch die Bosskämpfe deuten genau auf diesen Umstand hin, denn sie werden einfach mal locker wiederverwendet. Recycling ist sehr beliebt und sinnvoll im Jahr 2016, aber in der Videospiel-Welt ist es selten eine gute Idee. Und wen jeder Boss mehr als einmal in einem eher kurzen Spiel auftaucht, ist das auch kein gutes Zeichen. Das Spielerlebnis wird in der Tat so frustrierend nach einer Weile, dass ich vergesse, dass die Bosse beim ersten Mal echt Spaß machten mit einer intensiven Steigerung des Tempos. Je mehr Schaden sie nehmen, desto wütender macht sie das. Design und Animationen sind durchweg erstklassig und tragen zu einem epischen Gefühl bei, wenn wir Bebop und Rocksteady das erste Mal wiedertreffen.

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Insgesamt hat es etwa sechs Stunden gedauert, die neun Missionen zu spielen - und selbst das fühlte sich etwas in die Länge gezogen an.

Obwohl einige Elemente der klassische Turtles-Reihe genommen wurden, um die größten Fans der Serie abzuholen, wurde ansonsten nicht viel Liebe investiert. Auch die Story, in der Krang und Shredder in Manhattan wüten, kann nicht helfen, so angespannt gewollt wie sie sich anfühlt. Ein wenig mehr Erzählung hätte es lohnender machen können, das hier zu spielen. Aber so bleibt nur das Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern. Insgesamt hat es etwa sechs Stunden gedauert, die neun Missionen zu spielen - und selbst das fühlte sich etwas in die Länge gezogen an. Es gibt keine Möglichkeit, einen lokalen Koop zu spielen, was absolut toll war in den älteren Turtles-Games. Bei der online verfügbaren Multiplayer-Option fühlt es sich an, als ob das Spiel nicht skaliert und alles daher zu einfach ist. Es gibt auch ein System zum Aufleveln der Spielfiguren, das aber weder zum Schildkröten-Universum passt und zweitens komplett unstrukturiert ist.

60 FPS schafft das Game auch nie - und das war schon Standard für Werke von Platinum Games mit ausgefallenerer Grafik. Letztlich wird Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutants in Manhattan nicht durch gute Bosskämpfe, prächtige Animationen und die meist gute Steuerung gerettet. Es ist ganz einfach ausgedrückt kein gutes Spiel. Es fühlt sich unfertig an. Leider wurde das vielversprechende Konzept völlig verschwendet - und was unverschämt gut hätte sein können, ist stattdessen ein Spiel geworden, das in Kürze auf den Wühltischen zu finden sein wird.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
+
Nette Animationen, gute Steuerung, schöne bosskämpfe
-
Recycling bei Bossen, Gegnern und Leveldesign, frustrierende Struktur, Konter-System kaputt, wenig Inhalt, kaum Variation
overall score
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