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Guten Morgen, liebe Updates

Von hb am 22. November 2012 um 03:49

Aufstehen. Kurz auf den Lokus. Ein Zigarettchen rauchen. Fünf neue Updates installieren. Einen Schluck trinken. Immer das gleiche morgendliche Ritual, um die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Äh Moment, stop. Updates?

Genau. Software. Die Haustiere der Binärwelt. Und ihr täglich Futter sind die passenden Aktualisierungen. Es bedarf nur einer Internetverbindung und schon verwandelt sich das gerne benutzte zierliche Programm in ein gefräßiges Tamagotchi. Aus dem elektronischen Helfer und treuen Wegbegleiter wird ein sich immer wieder erneuernder Vielfraß. Und schlußendlich wohl ein Bandbreite verschlingender Weltenfresser. Schöne neue Welt...

Anstatt mir als Guckloch in virtuelle Weiten und fremde Kulturen zu dienen, wird mein Anschluß zum Höllentor umfunktioniert. Eins, das sich vollautomatisch öffnet und schließt. Wer seine Updates manuell runterlädt, ist ein Langweiler. Ein richtig konservativer Knochen. Schmeckt "denen da draußen" natürlich überhaupt nicht. Was tun? Beim nächsten Update dem geneigten hastigen Klicker eine Checkbox präsentieren, wonach künftig automatisch Aktualisierungen eingespielt werden. Tja, einmal hastig weitergeklickt und man ist in der Maschinerie gefangen.

Ich befinde mich in so einer Art Krieg. Scheinbar nichts Ernstes, ohne Verletzungen und so. Es findet nur auf meinem System ein Wettrüsten statt. Verbesserte Programmversionen, Fehlerausbesserungen und so Zeugs. Vor ein paar Jahren schien mir das noch ein ganz natürlicher Prozeß zu sein. Ein wenig Evolution auf Softwareseite. Neuerdings aber werde ich literarisch zugeschissen mit Updates. Es vergeht ja kein Tag mehr, an dem nicht eine Anwendung nach etwas schreit und auf sich aufmerksam macht. Faszinierend, wie ständig ein Browser und ein Abspielprogramm mir vorgaukeln wollen, sie würden den Arbeitsspeicher besser ausnutzen oder dessen Auslastung reduzieren. Würde man dem glauben können, dann bräuchten diese beiden Exemplare längst keinen Arbeitsspeicher mehr...

Damit sich der gemeine Anwender nicht für dumm verkauft vorkommt, greift man mancherorts in die Trickkiste. Statt wie üblich von Version 2.1.1 auf 2.1.2 zu aktualisieren, wird direkt Version 3.0 rausgeschmissen. Wirkt ja gleich anders. Weiter fortgeschritten. Und sich unweigerlich der Perfektion nähernd. Bin schon mächtig gespannt auf Firefox 100. Bei dem angeschlagenen Tempo kann es nicht mehr lange dauern. Insgeheim scheint meine geheime Passion zu sein, alle paar Stunden eine Aktualisierung einzuspielen. So auch vor einigen Tagen, als ich mich um mein Browser-Baby gekümmert habe. Version geprüft, Daten geladen, neugestartet. Es war scheinbar ein Quantensprung in Sachen Technik. Denn das Kind war plötzlich nicht mehr 15 sondern 16. Spaßeshalber habe ich dann Sekunden später programmintern nach Updates gesucht - genau wie kurz zuvor. Eigentlich hatte ich also den letzten Schrei bereits installiert. Mit dem Ergebnis, daß ich nochmal ein Pupsupdate gefunden habe.

Wo soll das denn enden? Aktualität ist so inflationär mißbraucht worden, daß eigentlich nichts mehr aktuell sein kann. Ganz speziell und ein Triebmotor des Rüstungswahnsinns sind ja, äh, also diese äh...ps. Aber dafür ist jetzt keine Zeit mehr, ich kann den Blog dann später updaten.

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