Deutsch

Klick

Von hb am 9. November 2012 um 19:18

Klick. Klick. Mausrad. Klick. Nein, es handelt sich nicht um den Refrain zu meiner ersten Dreichfachplatin-Schallplatte, sondern um ein kurzes Abbild unseres Bewegungsschemas im Internet. Der digitale Konsumhunger will gestillt, ein bißchen zwanglose Konservation mit Freunden oder Interessensteilern geführt, dort und hier spielerisch Zeit vertrieben oder etwas bestellt werden. Klick, klick und nochmals klick.

Konzentrieren wir uns auf Inhalte. Die gibt es an jeder Ecke doppelt und sogar umsonst. Meist sind sie aber wirklich umsonst. Das Interessante - und gleichzeitig Verwunderliche - daran ist, daß es durch die unfaßbare Flut an Buchstaben und gesprochenen Wörtern beinahe unmöglich ist, etwas Verläßlichkeit zu finden. Wer aktuell ist, ist der König. Alles von gestern ist schließlich uralt schon längst gedanklich verdrängt. Neuigkeiten müssen her und zwar mit Überschall-DSL. Doppelklick.

Wer eine Sofortmeinung zu einem hyperaktuellen Inhalt aufbauen kann, ist natürlich gefragt. Juhu, ich habe einen Klick, einen Daumen nach oben, ein Pluszeichen mit fortlaufender Nummerierung oder ein Sternchen im virtuellen Klassenbuch. Ich bin beliebt. Ich erobere nun die Welt, ich will mehr Klicks. Meine Hände sind mein Werkzeug. Meine Popularität kennt keine Grenzen und braucht keinen Oberbefehlshaber namens Verstand. Meine Synapsen klicken ungehemmt vor Freude.

Die Zeit ist knapp. Deshalb findet man wirkliche Argumentationsketten oder fruchtbar geführte Debatten höchst selten. Smalltalk überall. Ein Gesprächssnack zum Mitnehmen, bitte. Logik und fundierte Meinungen sind für Noobs. Stattdessen wird lieber zum Klicken animiert. Klicke ich mich durch das scheinbar beliebteste Videoportal, finde ich kaum ein selbst produziertes oder geschnittes Video ohne den an Belästigung grenzenden Hinweis, ich solle doch den Kanal abonnieren. Und das, obwohl ich nach ein paar Sekunden noch nicht einmal beurteilen kann, ob mir der Inhalt zusagt. Hauptsache, es wird geklickt. Dann läßt sich dem geneigten Klicker eine stattliche Zahl präsentieren, die Popularität darstellen soll. Es muß ja zwangsläufig gut sein. Unter diesem falschen Verdacht wird weiter draufgeklickt. Ohne daß am Ende jeder weiß, warum überhaupt. Kostet auch nichts.

Im Online-Kosmos rollt nicht der sprichwörtliche Rubel sondern der Klick regiert - als Indikator. Und eben dieser vervielfältigt sich ab einem gewissen Punkt von ganz alleine, steht für Erfolg und läßt Einnahmen generieren. Eine eigentlich absurde Welt. Ein non-virtueller Laden kann sich von Besucherzahlen nichts kaufen, solange der Besucher nicht zum Käufer wird. Das Internet ist noch vergleichsweise jung, aber so jung nun auch wieder nicht. Und trotzdem gibt es ein gehemmtes Bewußtsein, welche Inhalte qualitativ und somit auch etwas wert sind. Die Netzwelt vermag es nicht, Lohnenswertes zu fördern, sondern konzentriert sich darauf nur noch mehr Auswurf und schnell konsumierbare Inhaltshäppchen zu produzieren. Ausnahmen von der Regel soll es auch geben, so sagt man. In diesem Sinne: Klick, boom, bang.

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