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Tommy Refenes über Kopierschutz

Aus aktuellem Anlass könnte sich heute jeder über den verpatzten Start von Sim City hervorragend auslassen. Über 1,1 Millionen Menschen hatten sich das Spiel rechtzeitig gesichert, aber am Launch mit Serverproblemen zu kämpfen. Electronic Arts möchte die geprellte Spielerschaft nun mit Gratisspielen besänftigen, aber ob der nächste Start eines Sim City durch diesen Vertrauensbruch vorbelastet sein wird, bleibt abzuwarten.

Unter anderem mit diesen Gedanken beschäftigt sich auch Tommy Refenes in seinem Blog. Der Super Meat Boy-Entwickler befasst sich auch beruflich mit dem DRM, der Digitalen Rechteverwaltung. Er versteht nur zu gut, wieso Entwickler und vor allem Publisher ihre teuren Projekte mit aufwendigem Kopierschutz belegen. Super Meat Boy soll etwa 200.000 Mal illegal heruntergeladen worden sein. Das entspricht zehn Prozent aller verkauften Exemplare. Tommy Refenes jedoch sieht darin gar kein Problem.

Er schreibt, dass eine digitale Datei quasi unendlich oft dupliziert werden kann. Also besitzen Konzerne einen unerschöpflichen Bestand an Produkten, die sie verkaufen können. "Wenn man unendlich viele Exemplare hat und jemand eine Billionen davon stiehlt, hat man doch immer noch unendlich", schrieb Refenes. Das ist der große Unterschied zu einem Supermarkt. Stiehlt dort jemand ein Produkt, entsteht ein offensichtlicher Schaden. Bei digitalen Produkten ist das allerdings nicht so.

Aber den Verlegern geht es ja nicht einzig allein darum, große Mengen ihrer Produkte zu besitzen. Sie interessieren nur Verkaufszahlen. Und im Falle von Super Meat Boy wären das zwei Millionen verkaufte Exemplare und 200.000 gestohlene. Der Entwickler sieht diese Zahl jedoch aus einem anderen Blickwinkel. Die gestohlenen Waren können Verleger nicht in ihre Rechnung der verkauften Exemplare einbeziehen. "Es gibt keine Hinweise, die darauf schließen lassen, dass jemand, der dein Spiel geklaut hat, es auch gekauft hätte.", gab er zu bedenken. Es sei nicht möglich, "die Beweggründe einer Person zu verallgemeinern."

Die Produktion eines Kopierschutzes ist sehr aufwendig und kostet viel Geld. Letztendlich muss er dafür sorgen, dass Softwarepiraten die Spiele nicht illegal herunterladen. Wenn aber die Produktionskosten eines Kopierschutzes so teurer sind, dass sie die Menge verkaufter Exemplare (die der Publisher hinter den illegalen Raubkopien vermutet) nicht übersteigt, so hat dieser Vorgang seinen Sinn verfehlt.

Außerdem sieht Refenes im Internet selbst eine Gefahr für dieses Unterfangen. "In der Realität war das Internet effizienter darin, Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen, als Entwickler, diese zu erschaffen", schrieb der Blogger. Nach wenigen Tagen seien die meisten Dateien im Internet zu finden, wird diese Zeitspanne also dem Aufwand gerecht?

Refenes sieht Alternativen: "Leider gibt es keine Möglichkeiten, die Menschen aktiv daran zu hindern, Spiele illegal herunterzuladen. Aber ich glaube, sie werden weniger wahrscheinlich zu Softwarepiraten, wenn die Software genau das tut, was sie verspricht." Wenn die Vielzahl der Kunden unter dem Kopierschutz leiden, den einige schwarze Schafe verursacht haben, sorgt das für Unzufriedenheit unter den Spielern. "Oft führen die Bemühungen, Piraterie zu bekämpfen, nur zu Frustration der zahlenden Kunden", schreibt Refenes.

Sein Schlusswort gleicht einem Appell an alle Verleger: "Die Entwickler sollten ihre Aufmerksamkeit der zahlenden Kundschaft widmen und aufhören Zeit und Geld für die nicht Zahlenden zu verschwenden. Wenn wir unsere Kunden respektieren, werden sie auch unsere Arbeit wertschätzen und sie kaufen."

Im Falle von Sim City jedenfalls, scheinen sich seine Prognosen bereits zu bestätigen. Die Kunden haben das Vertrauen zu EA vorerst verloren. Und das wird dem Unternehmen auf Dauer mehr Geld kosten, als die Piraterie.

Tommy Refenes über Kopierschutz

Tommy Refenes ist links zu sehen, rechts ist sein Kollege Edmund McMillen. Die beiden sind die Entwickler von Super Meat Boy.

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