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Milchmädchenrechnung #5

Angeblich sollen wir überrascht sein, wenn wir wüssten, wie viele Spiele nicht durchgespielt werden. Im Rahmen der Games Developers Conference wurden nämlich die "erschütternden" Zahlen bekannt, die anhand von Erfolgen bei Steam messbar wurden. Ich war ehrlich gesagt eher positiv überrascht. Die erste Episode der ersten Staffel von The Walking Dead haben lediglich 66 Prozent beendet. Allerdings haben immerhin 39 Prozent das Staffelfinale erlebt. Unterwegs gingen also nur wenige Spieler verloren. Eigentlich eine ganz gute Quote.

Wobei wahrscheinlich für einige die Frage offen bleibt, warum sich 34 Prozent überhaupt erst ein Spiel kaufen, das sie dann eigentlich nicht wirklich anrühren. Das können ja kaum alles enttäuschte Konsumenten sein. Die Antwort darauf ist aber im Grunde ziemlich leicht und hat etwas mit dem Videospiel-Altersheim zu tun, von dem wir bei Gamereactor auch immer träumen. Die ganzen tollen Spiele, für die wir leider keine Zeit haben, die werden wir später dort nämlich alle spielen. Und The Walking Dead war immerhin eines der wichtigsten Spiele im letzten Jahr. Da schlagen einige zu, die das Adventure haben wollen, aber nicht zum Durchspielen kommen.

Interessant ist auch der Vergleich zwischen Mass Effect 2 und Mass Effect 3. Der Vorgänger erreicht noch eine Durchspielquote von 56 Prozent. Das Finale wollten dann nur noch 42 Prozent der Leute wirklich sehen, die es gekauft und begonnen haben. Einerseits ist ein Spiel wie Mass Effect natürlich sehr umfangreich und daher wirklich nicht für jeden gemacht. Da aber natürlich auch dieser Titel angepriesen wurde, haben sicherlich einige Leute zugeschlagen, die dann am Ende doch weniger Interesse daran hatten, als ursprünglich angenommen. Ähnlich erklären sich Bioshock Infinite (53 Prozent) und Batman: Arkham City (47 Prozent).

Sehr erfreulich sind wiederum die 47 Prozent von Portal. Der Titel ist inzwischen so günstig zu haben und wurden schon so oft verramscht, dass er sicherlich auf vielen Systemen zu Hause ist. Dazu sind die Puzzleaufgaben sehr fordernd und keinesfalls ein Spaziergang zum nebenbei Durchspielen. Am unteren Ende bewegen sich dann The Elder Scrolls V: Skyrim (32 Prozent) und Borderlands 2 (30 Prozent). Solche Monsterspiele mit so viel Inhalt und Möglichkeiten zum Entdecken benötigen aber wiederum viel Zeit. Die niedrige Quote von rund einem Drittel daher auch eher zu erwarte.

Für einen Entwickler kann das natürlich hart sein. Zwei Drittel haben das Ende nicht gesehen und damit nicht erlebt, wie viel Liebe und Schweiß bis in die letzte Sekunde geflossen sind. Allerdings ist nichts davon vergeudet, denn Trost sollte in dem Fall das Drittel spenden, das bereit war, so viel Zeit zu investieren, um es bis zum Ende durchspielen. Und eben jene Spieler sind es auch, die eine Serie groß machen. Wer nämlich ein großes Abenteuer bis zum Schluss erlebt, der hatte definitiv Spaß dabei und seinen Freunden vorschwärmen, wie toll es war.

Das einzig interessante an dem Ergebnis ist die Bedeutung für Zusatzinhalte. Wer ein Spiel nicht abschließt, wird sich wahrscheinlich auch nicht für zusätzliche Inhalte interessieren. Wer aber 100 Stunden in Skyrim oder Borderlands investiert, der wird gerade nach weiteren Geschichten lechzen und alles aufsaugen, was man ihm vorwirft. Oberflächlich betrachtet überraschen mich die Zahlen also wenig. Im Detail aber könnte das durchaus interessant sein. Dafür allerdings sind weitere Details zu den jeweiligen Gesamtverkaufszahlen, gewährten Rabatten und ähnlichen Informationen nötig.

Milchmädchenrechnung #5

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