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Die Zukunft des Horrors in Videospielen

Es ist ein Genre, das sich ehrwürdig an seinen Wurzeln orientiert, doch wohin führt es die Spiele mit diesem Fokus?

Ein Großteil des Horrors in Videospielen beruht darauf uns als Spieler schwach und verletzlich zu halten. Ein Beispiel dafür ist die Kameraführung der frühen Resident Evil-Teile, die mindestens ebenso viel Anteil am Schrecken des Titels hatte, wie die Thematik des Spiels. Der Ruf des sogenannten ''Jump Scares'' wurde in den vergangenen Jahren oftmals in den Dreck gezogen, im richtigen Moment eingesetzt können sich diese jedoch sehr effektiv beweisen. Ein Beispiel für einen guten Umgang mit diesem Stilmittel ist die Fahrstuhlszene aus Dead Space, bei der wir als Spieler zuerst in falscher Sicherheit gewogen werden, bis uns der Entwickler daraus wieder herausreißt. Im Anschluss spüren wir durch das gesamte Spiel über eine gewisse Anspannung - jedes Mal wenn wir einen Fahrstuhl betreten, oder einen Raum, den wir zuvor bereits als sicher empfunden haben. Das raubt einem unglaublich Nerven.

Dead Space und das originale Resident Evil sind fantastische Vertreter des Genres.

Im Allgemeinen gestalten sich Horrospiele grundsätzlich anders als Horrorfilme, einige Parallelen gibt es zwischen den beiden Medien aber natürlich trotzdem. Der wohl größte Unterschied ist die interaktive Erfahrung. Fast schon ein Paradox, denn ein Großteil der Horrorspiele beruhen darauf, dass wir als Spieler die Kontrolle übernehmen. In den vergangenen Jahren gab es reichlich positive Veränderungen im Bereich der Horrospiele. Ein gutes Beispiel hierfür ist das im Januar veröffentlichte Resident Evil 7: Biohazard, das mit dem neuen Ableger zu seinen gruseligen Ursprüngen zurückkehrte. Auch die Indie-Szene hat uns allerlei innovative Konzepte beschert. Frictional Games' Penumbra-Serie, Amnesia und auch Soma haben im Laufe der Jahre dazu beigetragen, eine Nische für atmosphärische Horrortitel aufzubauen. Zudem gibt es ja noch Red Barrels Outlast-Serie oder The Creative Assemblys Alien: Isolation, das uns eindrucksvoll präsentierte, wie sich ein starkes Konzept das gesamte Spiel ziehen kann.

Eine der größten Enttäuschungen bildete Konami, die dem Reboot Silent Hills den Stecker zogen. Mithilfe der atmosphärischen P.T. Demo gewann der Fall massig Aufmerksamkeit, doch die Frage danach, ob wir vom Publisher wohl jemals wieder einen neuen AAA-Titel im Silent Hill-Setting sehen werden, bleibt unbeantwortet. Ein trauriger Gedanke wenn man bedenkt wie viel Einfluss die Serie auf das Genre ausübte, auch wenn sich der Effekt über die Jahre an Auftrieb verlor. Trotz eingestellter Entwicklung hinterließen Guillermo del Toro und Hideo Kojima mit P.T. einen bleibenden Eindruck und inspirierten eine Vielzahl von neuen Indie-Projekten. Mit dem auf Eis gelegtem Dead Space, einer schwindenen Aussicht auf ein neues Alan Wake und der geringen Chance auf eine Fortsetzung zu Alien: Isolation, müssen wir uns auf Resident Evil und The Evil Within verlassen, wenn es um den AAA-Horrormarkt geht. Auch Until Dawn sollte hierbei nicht vergessen werden.

Insgesamt sprechen wir hier natürlich nicht vom Massenmarkt, zumindest nicht wenn wir das Feld auf atmosphärischen, geschichtsbasierten Erfahrungen reduzieren und die Zombiegemetzel-Spiele außen vor lassen. Im Laufe der Jahre sahen wir zudem viele Mainstream-Konzepte, die sich zwar nicht als Horrospiel identifizierten, jedoch definitiv Einflüsse des Genres in sich trugen. Spiele wie Bioshock oder The Last of Us meisterten diese Mischung und auch die Gears of War-Serie strahlte eine unheimliche Aura aus, wenn das Gameplay ein wenig ruhiger wurde.

Titel wie Bioshock und The Last of Us haben dem Genre der Horrorspiele ebenfalls geholfen.

In Horrorfilmen funktioniert vor allem die Einführung von unheimlichen Elementen an familiären Orten sehr gut. Die Sicherheit eines Familienhauses, das von einer bösen Puppe, einem Serienmörder oder ähnlichem heimgesucht wird, etwa. Hierbei kommen Videospiele oftmals ins straucheln, da der Hauptanreiz des Mediums oftmals darin liegt fantastische Welten zu entdecken. Eine Implementierung familiärer Objekte und Szenarios könnte den Spielern dabei helfen besser in die Welt des Spiels einzutauchen.

Eine weitere Hürde stellt der Multiplayer-Modus dar. Als Resident Evil einen Koop-Modus einführte, zerstörte dies fast das gesamte Franchise. Warum können wir uns nicht einfach zusammen gruseln, wie in einem Kino? Das Erlebnis den Schrecken gemeinsam zu erleben kann viele Dinge verstärken, während das geteilte Zusammenspiel oftmals die Atmosphäre des Spiels zerstört. An diesem Problem hängen sich die Veteranen von Payday und Payday 2 mit ihrem neuen Projekt, dem kooperativen Horrorspiel GTFO auf. Bisher wurde das Spiel nur angekündigt, die Idee selbst fasziniert uns trotzdem. Wenn die Entwickler es schaffen das Konzept gekonnt umzusetzen, könnte es ein massiver Erfolg werden.

Hier könnte uns vor allem die neue Technologie dabei helfen, das Genre neu zu definieren. Es ist leicht zu erkennen, dass im Bezug auf die virtuelle Realität vor allem das Konzept eines Horrorspiels von Entwicklern vorgezogen wird. Resident Evil 7: Biohazard entpuppte sich als erstaunlicher Erfolg auf der PSVR und wir haben bereits einige andere Spiele gesehen, die es schafften uns in VR zu gruseln. Das Medium erlaubt uns mehr Kontrolle, während jedoch darauf geachtet werden muss, dass dem Spieler diese nicht zu sehr genommen wird.

Mit Resident Evil 7: Biohazard konnte Capcom dieses Jahr vielen Spielern das Gruseln lehren.

Ein weiterer Aspekt der den Bereich der Videospiele in den kommenden fünf Jahren revolutionieren könnte, ist die fortgeschrittene künstliche Intelligenz. Wird es in Zukunft möglich sein, dass eine KI die Kontrolle der Entwickler über einzelne Situationen überflüssig macht? Die augmentierte Realität, also die Fähigkeit eine Horrorerfahrung in unserer realen Welt anzusiedeln, ist ein weiterer Punkt in der Entwicklung des Genres, der nur logisch ist. Ein bisschen erinnert uns das ganze an Psycho Mantis' Kampf in Metal Gear Solid. Vielleicht war es damals einfach nur leichter uns zum Gruseln zu bringen, doch die Fähigkeit die virtuelle Realität mit unserer zu vermischen trägt ein unglaubliches Potential für Videospiele in Sachen Horror in sich.

Doch nicht nur die Technologie bringt das Genre voran. Neue Ideen, Thematiken und Szenarios müssen erforscht werden. Wir müssen nur einen Blick auf American Horror Story im Fernsehen werfen, um zu sehen, dass es noch so viel mehr außerhalb der Klischees zu entdecken gibt. Es gibt vieles von dem wir unsere Inspiration ziehen können, doch eines müssen wir uns fragen: Ob wir uns wirklich gruseln, oder doch lieber einfach nur Zombies zertrampeln wollen...