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Theysen: "Das deutsche Adventure-Publikum ist anspruchsvoller"

King Art haben uns zuletzt The Raven gezeigt, dass sie ein Händchen für gute Geschichten haben. Wir haben mit Creative Director Jan Theysen über die Zukunft des Genres gesprochen.

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Für unseren großen Artikel Auf der Suche nach dem Abenteuer über das Adventure-Genre haben wir mit den großen deutschen Studios gesprochen - ausfragt wurde natürlich auch Jan Theysen, Creative Director und Studio-Chef von King Art. Im Interview hat er uns mehr über seine Vision verraten und wie die Bremer das Genre sehen und mitgestalten wollen.

Jan Theysen, Creative Director und Studio-Chef von King Art.

Warum hat es so lange gedauert, bis sich Entwickler in Deutschland dem Thema Adventures gewidmet haben?
Du meinst in den Achtzigern und Neunzigern? Danach war Deutschland ja eigentlich einer der wenigen Märkte, in denen es noch regelmäßig Adventures gab. Deck13 (Ankh, Jack Keane) und House of Tales (The Moment of Silence) haben Mitte der Nuller einige hervorragende Adventures gemacht, etwas später Animation Arts (Geheimakte: Tunguska) und danach Daedalic, wir und andere. Deutschland hatte bei der Renaissance der Adventure eine Vorreiter-Rolle!

Was sind die großen Vorbilder aus der Gamesbranche, wenn es um die Entwicklung von Spielen geht?
Für uns ganz klar Lucasarts. Mein Geschäftspartner Marc und ich kennen uns schon seit der Grundschule und haben als Kinder Monkey Island, Day of the Tentacle, Sam & Max und andere Klassiker verschlungen. Hin und wieder auch mal ein Westwood- oder ein Sierra-Spiel, aber Lucas Arts waren das Maß aller Dinge für uns. Wegen ihnen heißen wir auch King Art.

Ist es schwierig, als relativ kleines Studio in einem Nischenmarkt zu bestehen? Wie kann man überleben?
Die Überlegung ist, sich auf Genres zu konzentrieren, in denen man Top-Spiele machen kann. Wir könnten keine Top-Action-Adventure oder Top-Shooter machen. Die Konkurrenz ist zu groß und die Budgets zu hoch. Aber Adventures, Rundenstrategie, da können wir Spiele machen, die zu den besten des Jahres gehören.

Kingart setzt auf immer wieder neue Konzepte - im letzten Jahr kam etwa Episoden-Adventure The Raven heraus.

Was macht den deutschen Markt so besonders?
Gefühlt haben die Deutschen nie aufgehört, Adventures zu spielen. Es gibt einen harten Kern erfahrener Adventure-Fans, die sich genau auskennen. International hört man viel öfter Dinge wie: "Sowas habe ich ja ewig nicht mehr gespielt! Wie geil!" und die Leute freuen sich, nach Jahren mal wieder ein Adventure zu spielen. Das deutsche Adventure-Publikum ist da anspruchsvoller. Gleichzeitig ist die Adventurefan-Dichte in Deutschland höher als in den meisten anderen Ländern. Es gibt aktive Communities, Fan-Treffen und so weiter. Nichts motiviert mehr, als Spieler persönlich kennenzulernen!

Welches ist euer erfolgreichste Adventure und wie oft hat es sich in Deutschland bzw. weltweit verkauft?
The Book of Unwritten Tales 2. Genaue Zahlen zu nennen ist etwas schwierig, da das Spiel mittlerweile in einigen Bundles war und durch die Insolvenz unseres damaligen Publishers einige Zahlen im Nirvana verschwunden sind. Im Erscheinungsjahr 2009 war es das mit Abstand erfolgreichste deutsche Adventure und dürfte auch international vielleicht noch der erfolgreichste deutschen Titel sein. Die Verkaufszahlen bewegen sich im mittleren sechsstelligen Bereich, wobei ein Gros der Verkäufe auf Bundles, Steam-Sales usw. zurückgeht (also nicht zum Vollpreis).

Derzeit basteln die Bremer mit erfolgreicher Unterstützung von Kickstarter an einem Nachfolger von The Book of Unwritten Tales.

Wo gibt es Wachstumschancen für Adventures? Wie können Adventures in zehn Jahren noch relevant sein?
Es wird eine Diversifizierung geben. Es wird weiter ganz klassische Adventures geben, es wird Mischformen geben (Survival-Horror-Adventures, RPG-Adventures) und es wird mehr interaktive Filme geben. Ich persönlich mag die klassischen Adventures, könnte mir aber auch gut vorstellen, mal eine Mischform zu machen.

Ist The Walking Dead noch ein Adventure?
Ein klassischen Point & Click-Adventure natürlich nicht. The Walking Dead geht eher in Richtung interaktiver Film. Ich finde das in Ordnung. Einigen Spielern ist das Puzzeln und Rätsel lösen in Adventures am Wichtigsten, anderen die Story. Es gibt Raum für beides.

Wie geht es weiter mit King Art - gerade auch nach dem durchaus beachtlichen Erfolg von Battle Worlds: Kronos?
Im letzten Monat wurde unser zweiter Kickstarter erfolgreich abgeschlossen, dieses Mal - wie passend! - für The Book of Unwritten Tales 2. Nebenbei arbeiten wir weiter an kostenlosen Updates für Battle Worlds: Kronos und denken gerade über das nächste Projekt nach, das wir gerne zusammen mit der Community machen würden. Wir sind große Fans von Crowdfunding und hoffen, noch einige Spiele auf dieser Art finanzieren zu können. Infos zum nächsten Projekt gibt es noch nicht. Nur so viel: Es wird kein Adventure. Daran arbeiten wir ja schon.