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007 Legends

007 Legends

Es gibt sie zuhauf: Exzentrische Bösewichte, die mit ambitionierten Plänen die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Ihn gibt es allerdings nur einmal: 007, Geheimagent im Dienst ihrer Majestät, ausgestattet mit der Lizenz zum Töten, immer in Begleitung hinreißender Damen. In 007 Legends dürfen wir seine größten Abenteuer und Eroberungen noch einmal erleben.

"Sei bitte vorsichtig, James", ruft uns die hübsche Pam zu, kurz bevor wir aus dem Helikopter springen, um Drogenbaron Franz Sanchez das Handwerk zu legen. Der wird von einer Armee Leibwächter, Scharfschützen und Kameras bewacht - natürlich sind wir da vorsichtig. Kurz bevor wir beginnen, meldet sich dann noch M zu Wort und ermahnt uns, dass es hier nicht um Rache geht. Wenn wir allerdings Beweise finden, die Sanchez mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung bringen, sei es unsere Pflicht, ihn unverzüglich zu eliminieren. Hmm, der Mann ist ein Drogenbaron, der ein Kokain-Labor in einen Azteken-Tempel gebaut hat - da finden wir sicher einen Beweis.

007 Legends lässt uns fünf von Bonds größten Abenteuern nachspielen: Im Geheimdienst ihrer Majestät, Stirb an einem anderen Tag, Lizenz zum Töten, Goldfinger und Moonraker - und Anfang November per Download das auch das neue Bond-Abenteuer Skyfall. Die Charaktere sind alle sehr gut modelliert und werden (zumindest in der englischen Ausgabe) von den originalen Schauspielern gesprochen. Bond selbst wird in allen Teilen von Daniel Craig verkörpert. In den Episoden spielen wir jeweils die denkwürdigsten Aufeinandertreffen nach, wie die Schlacht um Fort Knox (Goldfinger) oder den Angriff auf das Berglabor von Blofeld (Im Geheimdienst ihrer Majestät). Wer die Filme nicht kennt, hier die Kurzversion: Bösewicht entführt hübsches Mädchen, wir töten Bösewicht und retten hübsches Mädchen.

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Alle Waffen sind gut designed, klingen toll und vermitteln ein realistisches Gefühl.

Die Einsätze sind ein Wechselspiel aus Schleichen, Informationsbeschaffung und knallharter Aktion. Ausgerüstet mit unserer Omega-Gadget-Uhr deaktivieren wir Kameras, orten Gegner oder knacken Schlösser - letzteres ist besonders schön gemacht. Der Kugelschreiber betäubt, schockt und lenkt Feinde ab. Mit dem Smartphone sammeln wir DNA-Proben und hacken technische Geräte. Das Hacken funktioniert über kleine Minispiele. Zuletzt können wir uns noch auf die Nahkampffähigkeiten von 007 verlassen, um einen Bösewicht schnell und leise um die Ecke zu bringen. Da die Körper liegen bleiben und nicht bewegt werden können, sollte man sich aber die Laufwege der Wachen einprägen. Ein Balken am oberen Bildschirmrand zeigt uns den Grad der Alarmbereitschaft der Gegner und sobald ein Schuss fällt, ist die Tarnung dahin. Je nach Auftrag ist das das Ende der Mission oder der Anfang der Ballerei.

Ballern macht Spaß. 007 Legends wartet mit einem beachtlichen Waffenarsenal auf, von der klassischen Walter P99 bis zum Präzisionsgewehr. Alle Waffen sind gut designed, klingen toll und vermitteln ein realistisches Gefühl. Bei Feuergefechten verbraten wir massenhaft Munition und da wir neben unserer Pistole noch zwei Gewehre tragen können, bieten die Kämpfe viel Abwechslung. Ein rudimentäres Deckungssystem erlaubt es uns, hinter Kisten versteckt das Feuer zu erwidern. Das funktioniert gut, bis auf die Granaten, die wir uns immer wieder selbst vor die Füße werfen. Einziges Problem ist die unpräzise Steuerung, an die man sich erst gewöhnen muss.

Die Künstliche Intelligenz der Gegner ist akzeptabel. Unsere Wiedersacher verschanzen sich, versuchen uns zu flankieren und werfen Granaten. Dabei brüllen sie sich gegenseitig Befehle oder Informationen zu, zum Beispiel dann, wenn wir verwundet sind. Dank Ragdoll-Effekt klappen sie unter Beschuss realistisch in sich zusammen oder fliegen rückwärts durch die Luft. Bei den Feuergefechten verzichtet das Spiel auf übermäßige Gewaltdarstellung. Der Ausgang der Boss-Endkämpfe hingegen ist teilweise recht unbarmherzig.

An bestimmten Waffenkisten können wir unsere Ballermänner und Gadgets aufrüsten. Dafür müssen wir Erfahrungspunkte einlösen. Diese erhalten wir durch das Erreichen von Bonuszielen. Hohe Treffergenauigkeit, zusätzliche Hintergrundinformationen, perfekt abgeschlossene Schleicheinlagen - all das wird belohnt. Neben unseren Waffen und Gadgets können wir mit den XP-Punkten auch Bonds Fähigkeiten verbessern, ihn widerstandsfähiger, geschickter und tödlicher machen. Am Ende jeder Mission informiert uns eine Statistik wie gut oder schlecht wir abgeschlossen haben.

Mit Boss-Endgegner und anderen miesen Handlangern liefern wir uns in regelmäßigen Abständen Faustkämpfe. Im Stil eines Quicktime-Events müssen wir schlagen, parieren und ausweichen. Diese Einlagen erfordern das Drücken vieler Tasten und sind am Anfang sehr verwirrend. Da die Tasten aber immer dieselben sind, unterscheiden sich die Kämpfe nicht voneinander und werden schnell stupide. Hier wäre ein klassisches Quicktime-System sicherlich besser gewesen.

Ein großes Manko des Spiels ist generell, dass es keine Lernkurve gibt. Wir werden ohne Gnade mitten ins Geschehen geworfen. Eben befinden wir uns noch mit einer schönen Frau beim Skifahren, dann explodiert plötzlich alles und in der nächsten Sekunde stehen wir auf Skiern, während Schneemobil-Gauner auf uns schießen. Das Zwischendurch kurz das Steuerungslayout aufgeblendet wurde, ist kaum realisierbar. Ähnlich verhält es sich bei den Schleicheinlagen. Da wir anfangs noch unsicher sind, werden wir sofort entdeckt und lösen die Situation mit Waffengewalt. Die Freude am Schleichen erleben wir erst gegen Ende des Spiels, nur um uns dann über die vielen verpassten Passagen zu ärgern. Da die Ladezeiten recht lang sind und wir nicht selbst speichern können, gibt es wenig Anreiz, eine verpatzte Schleicheinlage zu wiederholen. Im Menü können wir zwar ein umfassendes Tutorial zu jeder Situation und Aktion aufrufen, aber dadurch werden wir jedes Mal aus dem Spielfluss gerissen.

007 Legends
Gut gelungen ist indes die Stimmung des Spiels. Toll ist auch das seichte Drama um Bonds weibliche Protegés und der Geheimagenten-Charme insgesamt.

Gut gelungen ist indes die Stimmung des Spiels. Das liegt zunächst einmal an den exotischen Schauplätzen. Fort Knox, unterirdisches Geheimlabor, Aztekentempel in Mexiko - all diese Orte sind toll gestaltet und versprühen eine geheimnisvolle Atmosphäre. Hinzu kommen die schillernden Bösewichte mit ihren verrückten Plänen, das seichte Drama um Bonds weibliche Protegés und der Geheimagenten-Charme. Amüsant sind auch die Dialoge des Wachpersonals. Die Musik ist gelungen und fügt sich gut in die jeweilige Situation ein. Schade ist allerdings, dass Bond und die Welt immer in der gleichen Zeit spielt (obwohl zwischen den Episoden viel Zeit vergangen ist) und dass wir keine Chance erhalten, den alten Q kennenzulernen.

Gedämpft wird die Stimmung auch durch die veraltete Grafik. Besonders bei den Außenlevel macht sich das bemerkbar. 007 Legends sieht nicht hässlich aus und läuft sehr flüssig, aber der Mangel an Partikel- und Lichteffekten raubt den schönen Szenen leider viel Leben. Wenn die Kugeln fliegen und überall Granaten einschlagen, runden eine (zumindest teilweise) zerstörbare Umgebung und aufspritzender Dreck das Gesamtbild ab. Das Erscheinungsbild ist bunt, mit satten Farben, was zum Spiel passt. Die Texturen sind jedoch eher matschig und pixelig. Besonders bei den Lichteffekten versagt die Engine. So mussten wir die Schatten, in denen wir uns bevorzugt bewegen sollen, erst einmal finden.

Der Multiplayer überrascht mit bis zu zwölf Modi. Darunter finden sich die klassischen Sachen wie Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture & Hold, aber auch ein paar neue. Am interessantesten ist Golden Gun und Legends, wo wir als unser Lieblings-Bond Charakter spielen können. Da wir nach dem Tod sofort wieder einsteigen können, sind die Spiele schnell und kurzweilig. Alles in allem bietet der Multiplayer viel Abwechslung und Spielspaß.

Wir hatten teilweise sehr viel Spaß mit 007 Legends. Besonders die Aktion-Sequenzen und das tolle Waffengefühl haben es uns angetan. Oft waren wir jedoch auch am verzweifeln. Die Quicktime-Events, die langen Ladezeiten und die Situationen, wo einfach nicht klar, was wir tun sollen, haben ordentlich Nerven gekostet. Trotzdem ist das Spiel auch für Nicht-Bond Fans empfehlenswert. Man muss halt ein bisschen Ausdauer mitbringen.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
das Waffengefühl, die Schauplätze, die Gadgets
-
Quicktime-Events, schwammige Steuerung, durchwachsene Grafik
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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