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Shock Tactics

Shock Tactics

Wir haben das Berliner Studio Point Blank Games besucht und deren im März erscheinendes Strategiespiel Shock Tactics angespielt.

Beim Berliner Entwickler Point Blank Games arbeiten sieben Menschen seit etwas über einem Jahr an der Veröffentlichung ihres ersten Spiels, dem Sci-Fi-Strategiespiel Shock Tactics. Der Titel schwimmt offenkundig im Fahrwasser der Xcom-Reihe, doch es ist eine deutsche Produktion mit eigenem Charakter. Shock Tactics erzählt die Geschichte eines aussichtslosen Freiheitskrieges zwischen Space Marines und einem fiesen Konsortium. Dieser ungleiche Konflikt erfährt eine Wendung, nachdem wir hochkomplexe Alien-Technologie auf einem unbekannten Planeten entdecken. Mithilfe dieser fremden Artefakte gelingt es den Space Marines endlich, sich der Tyrannei des Konsortiums zu widersetzen. Doch die geben so leicht natürlich nicht auf. Einen Innovationspreis gewinnt man mit diesem vergleichsweise generischen Szenario vielleicht nicht, allerdings umrahmt die Story ein solides Gameplay-Gerüst und letztlich ist das doch genau das, was eine gute Geschichte machen soll.

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Shock Tactics ist ein rundenbasiertes Strategiespiel mit Sci-Fi-Setting. Auf einer prozedural generierten Oberflächenkarte reist unser Team im ATV herum und sucht nach (nicht zufällig erstellten) Missionen. Da das Erkunden der Karte sowie das Bestreiten von Aufträgen immer Züge kostet, muss jede Aktion durchdacht werden. Nach einer gewissen Anzahl an Runden erscheint das feindliche Konsortium mit einer starken Invasionsarmee und das erklärte Spielziel ist es, diese Welle abzuwehren. Der Nebel des Krieges erschwert unser Vorankommen und generiert zusätzlich Zeitdruck. Wir dürfen einige Bergbauanlagen als provisorische Basen aufbauen, diese Komponente nimmt jedoch nicht sonderlich viel Platz ein. Dieses Element ist auf das Wichtigste reduziert und dient als Oberfläche für seichte Rollenspielunterhaltung, das Verwalten von Ressourcen und des Personals.

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Shock Tactics wurde in Unity programmiert, Point Blank Games haben da einige schicke Hingucker geschaffen.

Der Hauptbestandteil von Shock Tactics ist das taktische Gefechtsszenario. Dort sichern wir mit einer kleinen Eingreiftruppe aus bis zu sechs Kämpfern Ausgrabungsstätten und behaupten gefundene Ressourcen und Artefakte für uns. Später, wenn die Verstärkung des Konsortiums eintrifft, müssen wir die Abbauraffinerien verteidigen. Der taktische Kampfmodus soll etwa 80 Prozent der Spielzeit einnehmen, der Rest verteilt sich auf das Verwalten der Basis und die Fortbewegung auf der Weltkarte.

Das Gameplay kreist im Kern um das strategische Wirtschaften der Aktionspunkte, unsere Soldaten nutzen sie zum Ausführen von Befehlen. Vergleichbar ist das am besten mit Spielen wie Divinity: Original Sin. Eine große Neuerung für das rundenbasierte Genre gibt's allerdings: Wenn wir uns durch die taktische Gefechtskarte manövrieren und in der Bewegung einen Feind ausmachen, stoppt der aktuelle Befehl, und wir dürfen mit den verbleibenden Aktionspunkten unseren Plan anpassen.

Auch Shock Tactics nutzt das beliebte Deckungssystem, das aus diesem speziellen Genre mittlerweile kaum noch wegzudenken ist. Gleichzeitig versucht Point Blank Games ein überaus aggressives Spielerlebnis zu simulieren, denn der Spielfluss ist trotz der defensiven Natur überaus offensiv. Es gibt zum Beispiel ein Teleportgewehr, das Portale an verschiedene Flächen abfeuert. Der Soldat teleportiert sich noch in der gleichen Runde zu ebendiesen Positionen, gibt einen einzelnen Schuss ab und reist anschließend zur nächsten Fläche. Wenn wir bei der Planung Höhenvorteile und Flankenangriffe einberechnen, brechen wir damit selbst den härtesten Verteidigungsring in Windeseile.

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Wir werden nicht nur gegen das Konsortium und einige Weltraumpiraten kämpfen, sondern uns auch den Gefahren dieses neuen Lebensraumes stellen.

Fällt ein Verbündeter im Kampf, haben wir drei Runden Zeit, um ihm wieder auf die Beine zu helfen. Das hört sich vielleicht nach einer leichten Angelegenheit an, doch sobald sich die Teams aufteilen, wird das schnell sehr kompliziert. Das Schadenssystem basiert auf einem einfachen Dreieck: Explosionen richten doppelten Schaden gegen ungeschützte Lebenspunkte an, Laserwaffen vernichten Schilde am effektivsten und Plasmaangriffe pulverisieren selbst die stärkste Rüstung. Diese Waffenverstärkungen werden durch Alien-Technologie freigeschaltet, deshalb müssen wir in den Bergungsmissionen ein besonderes Auge darauf werfen.

Die Soldaten, mit denen wir spielen, teilen sich auf vier Klassen auf. Um ihr maximales Potenzial zu entfesseln, bedarf es viel Erfahrung plus der richtigen Ausrüstung mit entsprechenden Alien-Upgrades. Die ausgewählte Rüstung entscheidet dabei über eine der drei Basis-Fähigkeiten, die restlichen drei Talente schalten unsere Soldaten mit Erfahrung frei. Das Individualisieren der Soldaten nimmt eine wichtige Rolle in Shock Tactics ein, nicht nur, um die Figuren auseinander zu halten. Ein Sniper darf natürlich mit der dick-gepanzerten Rüstung rumlaufen, bringt seinem Team dann aber auch nur wenig, weil er dann eben nur sehr langsam durch die Karte läuft.

Während der Missionen erscheinen regelmäßig Verstärkungstruppen, die wir ausschalten müssen, bevor sie uns oder den hilflosen Arbeitern in den Rücken fallen. Gelegentlich müssen wir uns deshalb entscheiden, welche Ziele wir priorisieren: die Sicherung der Artefakte oder den Schutz der Verbündeten. Diese Entscheidungen sind schwerwiegend, aber meistens unumgänglich. Wer unentschlossen, langsam oder zu zimperlich vorgeht, verliert womöglich beides und geht am Ende leer aus.

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Nur etwa 20 Prozent des Spiels laufen auf der Weltkarte und in unserer Basis ab.

Der Planet, auf dem wir gelandet sind, ist kein friedfertiger Ort. Wir werden nicht nur gegen das Konsortium und Weltraumpiraten kämpfen, sondern uns auch den Gefahren dieses neuen Lebensraumes stellen. Es gibt drei Areale, die als Vorlage für diverse Industrie-Level genutzt werden. Darunter eine staubige Sandlandschaft, eine Salzwüste und die schwefeligen Burning Fields. Fauna und Flora reagieren äußerst empfindlich auf Eindringlinge und das bringt zusätzlichen Druck ins Spiel. Eine Eigenart ist der ständige Standortwechsel, der durch eine Vielzahl an Optionen provoziert wird und für das Überleben der Soldaten wichtig ist.

Oberflächlich betrachtet erinnert Shock Tactics wirklich stark an das bekannte Strategiespiel von Firaxis. Gameplay, Setting, Rollenspielfaktoren und nicht zuletzt auch der stete Erfolgsdruck sind alles Elemente, die Xcom-Fans wiedererkennen werden. Point Blank Games ist sich der Parallelen natürlich bewusst. Sie wissen auch, welch hohe Erwartungshaltung dieser spezielle Vergleich mit sich bringt. Sie treffen deshalb bewusst Designentscheidungen, die dem Spiel eine eigene Identität verleihen sollen. Selbst wenn dabei vielleicht nicht unbedingt die Zugänglichkeit für möglichst viele Spieler in den Vordergrund gerückt wird.

Nach meinem Besuch bei Point Blank Games bin ich unentschlossen. Nach etwas mehr als einer Stunde schien mir im Großen und Ganzen alles gezeigt worden zu sein, was das Spiel bietet. Die große Überraschung von Shock Tactics besteht darin, die Level zum ersten Mal zu entdecken und sich der unbekannten Gefahr zu stellen. Es gibt keine Funktion zum schnellen Speichern und Laden, um einen Fehler rückgängig zu machen - ein Speicherstand ist nur zu Beginn der Partie angesetzt. Das soll verschmerzbar sein, weil die Runden in der Regel eh nur zwanzig Minuten andauern, so die Entwickler. Ein zweiter Spieldurchlauf sei möglich, allerdings bringt der weniger Überraschung mit sich und wie lange das Spiel tatsächlich unterhält, ist eine andere Frage.

Shock Tactics wird am 20. März 2017 für PC erscheinen. Die von mir gesehene Spielversion lief okay, soll aber noch einige Überarbeitungen erhalten. Das Spiel macht einen guten Eindruck, aber das wird meiner Meinung nach nicht ausreichen, um sich in der Nähe von Xcom positionieren zu können. Ich finde das sehr schade, weil sich diese jungen Entwickler viele Gedanken gemacht haben und mehr als nur ein wenig Zeit in ihr Projekt steckten. Shock Tactics ist aber für Strategiefans einen Blick wert sein, immerhin bietet es einen alternativen Ansatz und teilt viele Gameplayelemente mit dem großen Vorbild. Als Debüt-Projekt taugt es allemal, hoffentlich wird es nicht das Letzte sein, was wir von Point Blank Games sehen.

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