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Vorschau

Quantum Break

Wir haben Remedy in Finnland besucht, um das lang erwartete Sci-Fi-Actionspiel mit zugehöriger Fast-TV-Show ausgiebig anzuspielen.

Remedy ist ohne Frage eines ambitioniertesten Studios in Finnland. Seit 20 Jahren entwicklen sie in Espoo in der Nähe von Helsinki erfolgreich Videospiele - und jetzt steht das Team kurz vor der Veröffentlichung eines seiner größten Projekte. Ob Quantum Break, eine Art spiritueller Nachfolger von Max Payne und Alan Wake, die hohen Erwartungen erfüllen kann, war die zentrale Frage, die sich unser Redakteur Arttu Rajala auf dem Weg zum Studio stellte.

Der Besuch in Espoo fängt mit einer netten Überraschung an. Während der Begrüßungsrede wird bestätigt, dass die Gerüchte über eine PC-Version von Quantum Break wahr sind. Noch besser: Die PC-Spieler müssen nicht einmal länger warten, denn das Spiel wird am 5. April 2016 für Xbox One und PC veröffentlicht. Man braucht allerdings offenbar Windows 10, so ganz abschließend erklärt wird das nicht.

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Remedy will eine Qualität abliefern, die sich mit den prestigeträchtigsten Multimediaprodukten messen lassen kann.

Bevor ich zocken darf, gibt's eine Führung durch das Studio inklusive des eigenen Motion-Cap-Studios. Die Botschaft der Tour ist glasklar: Remedy will eine Qualität abliefern, die sich mit den prestigeträchtigsten Multimediaprodukten messen lassen kann. In vielen Fällen sind die gezeigten Methoden bei der Entwicklung denen des Filmemachens sehr ähnlich. Aber Remedy entwickelt auch eigene Werkzeuge für Gesichts- und Bewegungsanimationen und das Rendern der Filmsequenzen.

Alles auf der Tour ist durchaus beeindruckend und das ist natürlich auch gewollt - macht es aber einfacher zu verstehen, warum es so lange gedauert hat, Quantum Break fertig zu entwickeln. Creative Director Sam Lake erklärt, dass es Ziel gewesen sei, einen echten Hollywood-Blockbuster der Spiele zu erschaffen, der cineastische Erzählstrukturen mit einem actiongeladenen Spiel kombiniert. Lake gibt zu, das sei sehr gewagt, aber unterstreicht auch, dass Quantum Break alle Elemente hätte, um beides zu erreichen - eine hohe Qualität und innovative Ideen, um Live-Action in das Spiel zu integrieren.

Quantum Break wird in fünf großen Akten erzählt. Wir entdecken die Geschichte aus der Sicht von Jack Joyce (Shawn Ashmore) und versuchen, sowohl den Zusammenbruch der Zeit als auch seinen früheren Freund Paul Serene (Aidan Gillen) und seine skrupellose Firma Monarch Solutions zu überleben. Aber nach jedem Akt wechselt die Sicht auf die Seite von Serene - und wir lernen, dass nicht alles nur schwarz oder weiß ist.

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Als Spieler von Serene können wir zwischen möglichen Varianten der Zukunft wählen. Diese Entscheidungen müssen sehr vorsichtig getroffen werden.

Als Spieler von Serene können wir zwischen möglichen Varianten der Zukunft wählen. Diese Entscheidungen müssen sehr vorsichtig getroffen werden, denn sie führen die Zeitlinie in verschiedene Richtungen und beeinflussen sowohl das Spiel als auch die Live-Action-Szenen. Remedy zufolge war das ein Produktions- und Drehbuch-Alptraum: Die letzte Live-Action-Episode musste in sagenhaften 40 unterschiedlichen Varianten abgedreht werden.

Als Beispiel durfte ich die erste Verzweigung des Spiels erleben. Direkt nach dem ersten Akt und den Nachbeben des zeitsprengenden Unfalls. Paul Serene muss sich entscheiden, wie Monarch mit der Situation in der Öffentlichkeit umgehen wird. Die Alternativen sind "Hardline" oder "PR". Im ersten Fall würde Monarch versuchen, skrupellos alle Spuren zu beseitigen und nicht davor zurückschrecken, dafür Zeugen auszuschalten. Eine kurzfristig, effektive Lösung, die aber dafür sorgen würde, dass sich die Bürger von Riverport City gegen die Firma wenden. Die PR-Option würde Jack als Bösewicht diffamieren und für eine schnelle Verhaftung sorgen. Das aber lässt zu viele Beweise zurück, die Monarch mit den Zeitexperimenten verbinden. Glücklicherweise müssen diese Entscheidungen nicht blind getroffen werden. Dadurch, dass Serene dem Zeitbruch ausgesetzt war, können wir uns die Zeitlinien genau ansehen, bevor eine Entscheidung getroffen werden muss.

Nach der Wahl kriege ich eine der kontroversesten Sequenzen von Quantum Break zu sehen. Im letzten Jahr schien es noch so, als würde eine Art Fernsehserie das Spiel begleiten - das ist aber nicht der Fall. Stattdessen werden zwischen den Kapiteln Live-Action-Szenen gezeigt - als 20- bis 22-minütige Episoden. Der Fokus liegt zwischen den spielbaren Events auf Serene und hinter den Kulissen von Monarch. Ich wählte übrigens die "Hardline"-Option und als daraufhin viele Unschuldige sterben, fängt der Handlanger Liam Burke an, seine Loyalität und Zukunft bei Monarch in Frage zu stellen.

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Quantum Break ist ein gradliniger Third-Person-Shooter, der natürlich durch die zeitbeeinflussenden Superkräfte einige interessante Aspekte bietet.

Die Live-Action-Szenen sind verdammt gut gemacht und auf einer Ebene mit den meisten amerikanischen TV-Serien. Sie zeigen deutlich, wie gut das Casting von Quantum Break war. Besonders Aiden Gillen, besser bekannt als "Kleinfinger" Lord Baelish (Game of Thrones) und Lance Reddick (The Wire) machen ihren Job als Hauptantagonisten ausgezeichnet. Die Qualität der Schauspieler zeigt sich auch im Spiel selbst und die Gesichtsanimationen gehören zu den besten, die ich bisher in Videospielen gesehen habe. Ich muss zugeben, dass der Übergang zwischen Spiel und Live-Action schockierend war, auch wenn ich schon vorher davon wusste. Das Gamepad für relativ lange Zeit aus der Hand legen zu müssen, dürfte nicht jedem gefallen. Man kann die Sequenzen natürlich auch wegdrücken und später ansehen. Das erscheint mir persönlich allerdings überhaupt nicht sinnvoll. Denn sie zeigen eine völlig andere Seite des Spiels und sind eine wirklich tolle Ergänzung. Aber da werden die Leute wohl geteilter Meinung sein.

Und: Wie spielt sich nun das eigentliche Spiel? Ich durfte erstaunlich lange spielen und den kompletten ersten Akt ausgiebig erkunden - und dazu noch ein paar strategisch ausgewählte Szenen aus dem zweiten Akt. Ich will nicht zu viel verraten, denn Quantum Break lebt von seiner Story und je weniger man vorher weiß, desto besser. Das Spiel fängt ganz ruhig an der Riverport Universität an, wo wir die Hauptfiguren treffen und uns das Zeitreiseexperiment vorgestellt wird. Aber natürlich überschlagen sich schnell die Ereignisse und die Action geht los.

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Der Anfang hat ein schönes Tempo und die Tutorials stören kaum die Aufmerksamkeit. Quantum Break ist ein gradliniger Third-Person-Shooter, der natürlich durch die zeitbeeinflussenden Superkräfte einige interessante Aspekte bietet. Zunächst wirkt das Spiel wie ein deckungsbasierter Shooter, aber das täuscht. Hinter der Deckung zu kauern schützt einen kaum vor Beschuss. Die einzige Möglichkeit, sich vor Schaden zu schützen, ist in Bewegung zu bleiben und die speziellen Kräfte einzusetzen.

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Die Anspielsession, die Wendungen und die Live-Action-Szenen haben einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Die Leute bei Remedy haben mir erklärt, dass die Kämpfe so einfach wie möglich gehalten wurden, um die Spieler zu ermutigen, die Spezialfähigkeiten von Jack einzusetzen. Es gibt zum Beispiel keine einzelnen Knöpfe für Deckung, Ausweichrolle oder Schleichen. Stattdessen muss man seine Fähigkeiten einsetzen, um die Gegner in der Zeit einzufrieren, was dabei hilft, von Deckung zu Deckung zu sprinten oder ein schützendes Zeitfeld einzusetzen, das Angriffe abwehrt. Man hat kaum eine Chance, die Monarch-Soldaten ohne diese Kräfte abzuwehren und auf dem Schwierigkeitsgrad "Hart" waren sie so widerspenstig, dass manche der Journalisten das Spiel komplett neu starten mussten.

Zielen und Schießen fühlte sich ein bisschen merkwürdig an. Ich bin hohe Sensibilität gewohnt, aber in diesem Fall musste ich sie ein wenig runterschrauben. Sonst sind mir keine Probleme beim Gameplay aufgefallen. Die Action ist unterhaltsam und dynamisch, zudem gibt es leichte Puzzleeinlagen und ein paar Jump'n'Run-Elemente, bei denen man Jacks Zeitstopp- und Zeitrückspulfähigkeiten einsetzen muss. Die Menüs zeigen noch einige weitere Fähigkeiten für spätere Kapitel, die man mit Skillpoints aus den Leveln verbessern kann. Und es gibt natürlich allerhand Sammelbares zu finden.

Quantum Break wird eine extrem interessante Veröffentlichung. Die Anspielsession, die Wendungen und die Live-Action-Szenen haben einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Die lange Wartezeit und die Verschiebung hatten meine Vorfreude um einiges abgekühlt - aber das Preview-Event hat sie erfreulicherweise wieder ordentlich aufgeheizt. Remedy hat die Extrazeit scheinbar gut genutzt. Quantum Break ist eines der ambitioniertesten Videospielprojekte seit langer Zeit. Ein faszinierender Hybrid aus Sci-Fi-Action und Live-Action, bei dem es aber weiterhin schwierig ist vorherzusagen, wie sich am Ende alles zusammenfügen wird. Die Live-Action wird auf manche wie ein unnötiges Gimmick wirken. Remedy scheint das zu wissen und hat sich trotzdem dafür entschieden, neue Wege bei der Erzählstruktur zu gehen. Ich bin optimistisch und freue mich sehr auf das fertige Spiel.

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