FAR CRY 3
Die Online-Shooter-Szene ist derzeit der wohl am stärksten umkämpfte Bereich der Gaming-Industrie. Wir haben ausprobiert, wie Ubisoft mit Far Cry 3 eine Schneise in den Markt schlagen will mit dem in Schweden produzierten Multiplayer.
Es ist schwer zu erkennen, wo genau man eigentlich noch ein Publikum für einen Online-Shooter finden kann. Call of Duty: Modern Warfare 3 und Battlefield 3 hängen an der Spitze, Halo: Reach und Gears of War 3 haben weiter eine starke Fanbase. Allen diesen Top-Titeln mangelt es nicht an Qualität und die Entwicklung eines Spiels, das es mit ihnen aufnehmen kann, erfordert viel harte Arbeit, Innovation und ständige Verbesserung.
Das ist es, womit Ubisoft sein eigenes Studio Massive vor einigen Jahren beauftragte, als die Entwicklung des Mehrspielermodus für Far Cry 3 begann. Sie trafen damit nicht die selbstverständlichste Wahl. Denn Massive ist eher bekannt für seine Echtzeitstrategietitel wie Ground Control und World in Conflict. Das sieht auch Studiomanager David Polfeldt so: "Wir wurden eher als Strategie-Entwickler eingeordnet, bevor Ubisoft auf uns zukam."
Ob eingeordnet oder nicht, Massive erntete in der Vergangenheit viel Lob und Respekt für seine Multiplayer. Tatsächlich entwickelten sie sogar großartige teambasierte Mehrspielererlebnisse. Seit 2007 aber hat das Studio keinen eigenen Titel mehr veröffentlicht. Nach World of Conflict erschien nur dessen Erweiterungspaket Soviet Assault. In vielerlei Hinsicht ist Massive damit das bestgehütetste Geheimnis der schwedischen Spieleindustrie. Derzeit arbeiten rund 90 Entwickler an Far Cry 3. Der Rest der 230 Mitarbeiter werkelt an der Uplay-Infrastuktur und einem Geheimprojekt, bei dem es sich Gerüchten zufolge um ein Tom Clancy-MMO handelt.
Creative Director Magnus "Soundboy" Jansén sagt, dass „es bei Far Cry 3 vor allem um Teamarbeit geht." Das haben wir schon viele Male gehört, aber Far Cry 3 versucht, dieses Konzept auf eine unaufdringliche und interessante Art und Weise umzusetzen, die am besten mit der Buff-Idee in Rollenspielen verglichen werden können. In Far Cry 3 rüstet man den Charakter mit einem Battle Cry aus. Wir wählen zunächst unsere eigene Klasse und danach einen Cry. Diese Boni variieren, erhöhen etwa die maximale Gesundheit, geben extra Geschwindigkeit oder aktivieren eine Notheilung. Es gibt eine Vielzahl solcher Battle Cries und einige davon verwenden wir, sobald sie verfügbar sind (nach einem Einsatz müssen sie neu aufladen), andere heben wir uns lieber für Notsituationen auf.
Großartig ist, dass wir so automatisch verschiedene Kombinationen testen. Niemandem wird eine bestimmte Rolle aufgezwungen, der eigene Freiraum bleibt unangetastet. Nützlich beim Einsatz der Fähigkeiten ist ein Zähler in der oberen rechten Ecke des Heads-up-Displays, der uns die Spieler innerhalb des Radius unseres Battle Cries anzeigt. Ein Battle Cry dient auch der Unterstützung des Teams. Wir erhalten Teamplay-Punkte für die Nutzung eines Battle Cry, wobei sich die Punktzahl erhöht, je mehr Teammitglieder in unserem Umfeld den Effekt mitnutzen. Außerdem erhalten wir Punkte für die Heilung verletzter Kameraden und für die Markierung von Feinden. Während wir diese Punkte sammeln füllt sich eine Energieleiste auf der rechten Seite des Bildschirms. Die bildet drei Level ab und schaltet so nach und nach verschiedene Aktionen frei.
Im fertigen Spiel wird es viele verschiedene solcher Aktionen geben. In der von uns gespielten Demo-Version waren jedoch nur drei verfügbar. Die erste Aktion ist ein normaler Scan, der Gegner auf der Karte sichtbar werden lässt, auch wenn sie sich in Deckung befinden. Dann gibt‘s den Gasangriff, durch den die Gegner innerhalb eines bestimmten Bereiches für einen festgelegten Zeitraum verwirrt werden. Zu guter Letzt ist da noch der Bombenangriff mit Benzinfässern, die von einem Helikopter abgeworfen werden und im Kampfgebiet einschlagen. Das sorgt für einen etwas anderen Geschmack als die Abschussserien in Modern Warfare 3, eben weil sie nur an jene Spieler verliehen werden, die sich in Gruppenaktionen verdient gemacht haben.
Der Angriff mit chemischen Waffen wirkt dabei am spannendsten, sowohl im Bezug auf die Effektivität als auch das taktische Potenzial. Der Gasangriff infiziert nämlich jeden Spieler innerhalb des Angriffsradius. Dabei werden Gegner und Mitspieler nicht wie gewohnt mit roten und blauen Namen markiert, sondern alle Spieler erscheinen als schwarze Monster mit weißen Augen. Friendly Fire ist automatisch eingeschaltet und was folgt, ist völliges Chaos. Erinnern wir uns noch, wo unsere Kameraden sich befinden, können wir reagieren und lediglich die Gegner treffen. Starten wir jedoch blind den Angriff, laufen wir immer Gefahr, die eigenen Mitspieler abzuschießen.







