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Bayonetta

Geschrieben am 2. September 2009
Autor: Martin Eiser

Wenn Japaner von Europa träumen, dann von Deutschland. Sie pilgern zu Tausenden nach Neuschwanstein und knipsen sich dort ihre Finger wund. Nehmen wir ein bisschen von diesem verschrobenen Europabild, addieren Sexappeal und legen einen fetten Action-Prügel-Beat drunter, dann wird daraus die wunderschöne Symphonie von Bayonetta.

Erotik und Videospiele, eine Geschichte voller Missverständnisse. So mancher Hersteller sucht mit großen Brüsten das schnell verdiente Geld. Vergleichen wir es mit Musik, produziert er aber im besten Fall einfach nur Modepüppchen wie Rihanna, kleine Lichter eben. Capcom ließ es mit Vanessa Z. Schneider in P.N.03 zwar ordentlich knistern, landete dank des Gameplays am Ende aber trotzdem nur bei einer Mehr-schein-als-sein-Madonna. Auch das aktuelle Werk von Platinum Games sah zunächst wie ein Hack'n'Slay von vielen aus. Am Ende könnte sich dahinter aber tatsächlich ein weiblicher Messias verbergen. Schluss mit Flittchen, her mit Bayonetta.

Namensgeberin Bayonetta erwacht nach fünfhundert Jahren Schlaf in einer für sie ungewohnten Umgebung. Doch statt fit und ausgeruht in einen neuen Tag zu starten, fehlt ihr jede Erinnerung daran, wer sie ist. Erst im Verlauf des Spiels werden wir erfahren, in welchem Dilemma sich das Teufelsweib befindet. Ganz im Trüben fischen wir natürlich auch anfangs nicht.

Bayonetta ist eine waschechte Hexe im besten Alter, groß gewachsen, gut gebaut. Eher der Gothic-Typ. Sie trägt langes, nachtschwarzes Haar, welches auf magische Weise ebenfalls die Funktion der Körperbekleidung erfüllt. Hauteng sitzt ihr Anzug und eine schmale Brille ziert das Stubsnäschen. Der Blick einladend, herausfordernd. Ihre unfassbar langen, schlanken Beine werden durch hochhackige Stiefel samt befestigter Schusswaffen gekrönt. Perfektion auf die beste Art und Weise. Ja! Ja, Bayonetta! Bitte sei unsere Meisterin! Wir wollen dir dienen! Nein, halt. Stopp. Pause. Erst einmal innehalten.

Weiter mit Fakten: Wir wissen, dass es in der Vergangenheit zwei Clans gab, die sich gegenseitig akzeptierten und für Gleichgewicht in der Welt sorgten. Doch etwas passierte, dass diese Harmonie zerstörte. Die hübsche Bayonetta weiß noch nicht so recht, welche Rolle sie dabei wirklich spielt, aber lässt sich das natürlich nicht anmerken. Sie ist nicht auf den Mund gefallen, stolziert geradezu lässig durch eine Art Paralleldimension.

Gleichzeitig existiert in einer weiteren Dimesion der Mensch Luca, der die arme Bayonetta für den Tod seines Vaters verantwortlich macht. Er kann sie nicht sehen, spürt aber die andere Dimension. Er ahnt nicht, dass unsere großherzige Lady mit dem Kampf gegen surreale Wesen seine Haut rettet. Wesen, die laut Produzent Yusuke Hashimoto Heiligen und Göttern entlehnt sind, ohne konkrete Referenzen zu haben.

Keine konkreten Referenzen, das gilt auch für den Spielinhalt. Platinum Games wollen das Action-Genre voranbringen und bezeichnen Bayonetta als ein Climax-Action-Game. Größer, schneller und auch besser sollen die Kämpfe sein. Und tatsächlich bekommen wir in einem Demolevel zu Gesicht, was Hashimoto groß und gewaltig nennt. Bayonetta bewegt sich ahnungslos durch eine Kathedrale, als ein riesiger Drachen seinen Kopf durch die Wand rammt. Er kann Bayonetta nicht erhaschen und reißt das gesamte Gebäude in die Luft. Atemberaubend!

Während wir noch ganz benommen sind, vollführt die Hexe im Kampf beeindruckende Bewegungen und streckt den Drachen am Ende mit einer Abschlussattacke nieder, die sich gewaschen hat. Bei dieser Attacke verwandelt sich Bayonettas Haar in ein monströses, unfassbar mächtiges Werkzeug. Sie greift die gesamte Kathedrale, löst sie vom Kopf des Drachen und schleudert sie mit voller Wucht zurück. Wow.

Ob das mit rechten Dingen zugeht? Wir haben selbst Hand angelegt, um zu überprüfen wie geschmeidig Bayonetta sich wirklich anfühlt. Dabei fällt uns sofort ihr bezaubernder Hintern auf, der elegant vor unseren Augen hin und her wippt, aber ebenso die intuitive Steuerung. Im Schlagabtausch mit einigen kleineren Gegnern werden erste Moves und Kombos ausprobiert. Fußtritte, Waffeneinsatz, Angriffe aus dem Sprung heraus - locker läuft alles von der Hand. Unserer Liebesmüh steht auch die Kamera durchaus zur Seite. Und wer nicht völlig ungeschickt ist, aktiviert zur Abwehr im richtigen Moment die "Witch Time", um die Zeit zu bremsen.

Immer wieder lassen sich Angriffe clever kombinieren. Ist ein Gegner betäubt, darf Bayonetta ihn "bestrafen". Durch rasches Drücken der entsprechende Taste erhöht sich Belohnung am Ende des Kampfes. Wir streifen weiter und laufen über eine Brücke. Plötzlich beginnt alles zu wachkeln und ein riesiger Gegner taucht neben uns auf. Ein wenig erinnert sein massiver Kopf aus Stein an den griechischen Gott Zeus. Ganz der Choleriker, reißt er die Brücke mal eben in die Luft. Schwenkt sie, als wäre es Spielzeug. Climax-Action-Game, da spüren wir es wieder. Es sind diese Momente, in denen wir wissen, warum Bayonetta niemals nur eine bloße Kopie von Devil May Cry ist.

Und das liegt nicht nur daran, dass Bayonetta selbst unter anderem eine Frau ist. Sie ist mehr als das, sie ist ein wildes Tier. Vor allem, wenn sie als Panther umherstreift, um vor gefährlichen Situationen schnell zu fliehen. Sie verdreht uns den Kopf. Besonders in Momenten, in denen sie im 360-Grad-Modus die Wänden entlang läuft, so lange sie darauf Lust hat. Sie ist und bleibt die Einzige für uns. Und das liegt nicht daran, weil kein anderer Charakter spielbar sein wird. Es hat auch nichts mit fehlendem Mehrspielermodus und fehlendem Online-Content zu tun. Sie ist in dem was sie macht einfach verdammt gut. Wir lieben sie.

Bayonetta ist Sex, keine Frage. Sie drängt damit aber nicht in den Vordergrund, sondern spielt charmant mit ihren Reizen. Zum Beispiel dann, wenn sie ihre Brille mit dem Waffenlauf wieder nach oben schiebt und dabei verführerisch in unsere Augen schaut. Kein Unterschichten-Pop, sondern ein großer Hit. Zu 80 Prozent ist der Titel bereits fertig und soll Anfang des kommenden Jahres erscheinen. Bis dahin wird wohl noch ein bisschen Feintuning an den Waffen vorgenommen. Denn es wird zwar etliche verschiedene im Spiel geben, aber keine ist ultimativ. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Die zwölf Stunden Spielzeit, die uns versprochen werden, gehen auch in Ordnung. Solange sie nur vollgepackt und intensiv sind. Sorgen macht uns lediglich dieser Mann, Luca. Eine besondere Beziehung verbindet ihn mit Bayonetta. Hoffentlich nicht zu besonders, schließlich wir wollen sie für uns ganz allein haben.

Das Genre hat schon viele Hochs und Tiefs erlebt. Mit der bezaubernden Bayonetta kommt die Sonne wieder durch. Wir hoffen für Platinum Games, dass die Unterhaltung nicht nur kurzweiliger Natur ist, sondern ein ganzer Sommer auf uns wartet.

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