Silent Hill: Downpour
Man war ein bisschen unzufrieden mit der Entwicklung von Silent Hill bei Konami. Einerseits sollte sich die Serie natürlich weiterentwickeln, aber auf der anderen Seite schien sie mit jedem weiteren Teil bedeutungsloser zu werden. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Mercury Steam für Castlevania: Lords of Shadow überließ man Silent Hill dem tschechischen Studio Vatra Games.
Rache ist ein langer, ein tragischer Weg. Wo er enden soll, fragt uns das Spiel und greift damit auf, was es thematisch bearbeiten will. Silent Hill: Downpour, das zumindest legen uns die ersten Stationen im Spiel nahe, will mit uns wieder die Tiefen der menschlichen Psyche ergründen, uns austesten und zweifeln lassen. Und dabei schien es am Anfang noch so anders, denn eingeleitet wird der aktuelle Teil ausgerechnet mit einem Musikstück von Korn. Ein krasser Bruch, die Band scheint so überhaupt nicht zum sonst eher gemächlichen Soundtrack zu passen.
Doch zu früh sollten Vatra Games nicht verurteilt werden. Denn der Titel ist zwar ein Bruch, aber ein ganz logischer. Die Silent Hill-Serie hat sich inzwischen so sehr verändert, sie kann gar nicht mehr zu ihren Ursprüngen zurück und sollte es auch nicht. Aber sie sollte sich dessen besinnen, was die ersten Teile so erfolgreich gemacht hat. Und dabei bewiesen die Tschechen scheinbar ein glückliches Händchen.
Unser Hauptcharakter ist Murphy Pendleton. Das klingt ziemlich gewöhnlich, aber schon die Einführung zeigt uns, dass dieser Typ keineswegs normal ist. Was auch immer vorgefallen ist, es muss heftig gewesen sein. Murphy wirkt völlig verstört, seine Persönlichkeit aus der Spur geraten. Das Gesicht ist gezeichnet von Elend, sein Körper kräftig, aber trotzdem wirkt Murphy schwach. Ekel, Hass, diese Gefühle steigen während der ersten Szenen in uns auf. Dieser Typ, was hat ihn nur so werden lassen? Was ist passiert?
Wie wir Silent Hill kennen, wird die Antwort darauf keine einfache sein. Und tatsächlich deutet es sich an, dass diesmal wieder richtig tief gebohrt werden soll. Silent Hill: Downpour ist wieder wunderbar subtil, es ist die Atmosphäre, mit der uns Vatra Games fesseln wollen und nicht die Action. Obwohl alles überzeichnet ist, wird vor allem mit uns und unseren Gedanken gespielt. Wir haben am Anfang beispielsweise die Gelegenheit, eine Entscheidung zu treffen - retten wir eine Frau oder nicht? - und sind uns sicher, dass die Antwort uns später noch einmal vor die Füße fallen wird.
Es sind so viele keine Details, die uns den Wahnsinn vor Augen führen. Das muffige, verstaubte, das über allem liegt. Es ist der typische Nebel, der uns nur vage erkennen lässt, was da in der Ferne auf uns wartet. Und es sind vor allem konstruierte Situationen, die unser Kopfkino anwerfen. Auf dem Dach der Tankstelle liegt ein Rollstuhl. Wir wissen nicht, wie er dahin kommt, aber der Fakt, dass er dort liegt, verstört uns. Und zu allem Überfluss, dreht sich das Rad noch. Dieser Ort hat ein Geheimnis, so viel ist sicher und seine mysteriösen Bewohner helfen kaum bei der Lösung, sondern werfen anfangs nur weitere Fragen auf.
Das beste aber ist die Rückkehr zur individuellen Spielerfahrung. Es gibt wieder einen separaten Schwierigkeitsgrad für den Action- und den Puzzle-Anteil. Jeder kann also selbst entscheiden, worauf er Wert legt. So können wir schon im Einstieg erst Kopfnüsse erleben, aber auch die Action kommt nicht zu kurz. Waffen liegen überall herum, aber nutzen sich mit der Zeit auch ab. Viel herumtragen dürfen wir nicht mit uns, so dass wir uns genau überlegen sollten, ob wir eine starke, aber kaputte oder doch lieber eine unverbrauchte, aber schwache Waffe mit uns führen.
Und es gibt weitere kleine Änderungen. Das Öffnen der Tür zum Beispiel passiert nicht automatisch, sondern muss mit dem Analogstick selbst vollführt werden - wie schnell wir das machen, hängt ganz von uns ab. Und das führt zu dem wohl wichtigsten Punkt, an dem sich jeder Horror-Titel abarbeitet. Wenn nicht mit simpler Action und Splatter gearbeitet wird - und gerade die letzten Teile setzten vermehrt auf solche Effekte - dann muss man sich auf die Erfahrung auch einlassen können und sich etwas fallen lassen.
Nichts sollte komplett unlogisch erscheinen, aber wird dürfen nicht alles hinterfragen. Unser erster Ausflug in die weiterhin bestehende Parallelwelt, in der alles rostbraun, laut und beängstigend erscheint, kann sehr harmlos werden, wenn wir bei Tageslicht mit leiser Musik und sachlichem Gemüt spielen. Spaß aber macht es erst, wenn man sich dem widersetzt. Dann ist er da, der Horror, die Angst und das beklemmende Gefühl, nicht zu wissen, wo man ist und wo verdammt nur der Ausgang ist. Doch auch abseits davon haben wir ein gutes Gefühl, dass sich Vatra Games sehr genau damit auseinandergesetzt haben, wie sie Spannung erzeugen. Nachdem wir wieder in der Realität zurück sind, spricht Murphy davon, dass er den Verstand verliert. Wir können nur bestätigend nicken, uns ging es genauso.
Technisch wirkt Silent Hill: Downpour trotz der gelungen Gesamtatmosphäre zunächst noch ein wenig durchwachsen. Es gibt großartige Momente und gerade manche Gesichtszüge sind fantastisch getroffen. An anderen Stellen wirkt der Titel wiederum noch etwas altbacken. Allerdings ist die vorliegende Version auch nicht mehr frischeste, so dass bis Ende Februar durchaus auf ein ganzheitlich gutes Erlebnis gehofft werden darf. Zumindest beim Soundtrack machen wir uns keine Sorgen - trotz des ungewöhnlichen Titelsongs wird es im Spiel selbst mit Sicherheit keine enttäuschten Gesichter bei der musikalischen Untermalung geben. Das bis jetzt gehörte unterstreicht fabelhaft die düstere Stimmung und jagt einem sogar das eine oder andere Mal einen deutlichen Schauer über den Rücken.
Der Tapetenwechsel bekam der Serie offenbar ziemlich gut. Was wir bisher von Silent Hill: Downpour spielten, lässt uns zuversichtlich auf das fertige Spiel im Februar hoffen. Obwohl man sich an den Stil der letzten Titel hält, steht wieder die Spannung im Mittelpunkt. Es sind kleine subtile Details, die uns so in den Wahnsinn treiben. Und das beste ist: Der Schwierigkeitsgrad für Action und Rätsel ist wieder separat auswählbar.
- System:PS3, Xbox 360
- Genre:Horror
- Entwickler:Vatra Games
- Publisher:Konami
- Spieler offline:1
- USK:Ab 18
- Termin:30. März 2012
- Deadly Premonition: Director's Cut PS3
- Silent Hill Origins PS2/PSP
- Silent Hill 3 PS2
- Silent Hill 2 PS2
- Alone in the Dark Multi
- Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch Nintendo 3DS
- Silent Hill: Book of Memories PS Vita
- Silent Hill HD Collection PS3/Xbox 360
- Aliens: Colonial Marines Multi
- Resident Evil 6 Multi

Kinect und Xbox One-Controller angespielt

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