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Leserkritik

Mr. Moskeeto

Von: rotfuchs   8. September 2009

Wenn etwas gibt dass ich im Sommer verabscheue, dann sind es diese kleinen Blut saugenden Biester. Insekten die Nachts alles dafür tun, um sich von nur ein bisschen nackter Haut ihren Tropfen roten Lebenssaft zu zapfen. Die Rede ist natürlich von Mücken, diesen kleinen Mistfiechern welche sich im Halbschlaf gerne mal mit einem leichten Surren ankündigen.

In Japan muss man die Idee einer Blutsaugersimulation ganz lustig gefunden haben, als man es 2001 unter dem Titel "Ka" auf den Markt brachte, kein Wunder in einem Land wo Gundam nie langweilig wird und sich selbst Zugfahrersimulationen gut verkaufen. Da sich in der westlichen Welt damals innovative Spielideen nicht richtig durchsetzen konnte, wollte auch kein Publisher es mit Ka versuchen. In der Fachpresse wurde das Spiel aufgrund der doch sehr eigenartigen Idee in höchsten Tönen gelobt, es entstand ein regelrechter Hype um Ka. Unterschriften wurden schließlich gesammelt, der Jugendsender Giga begann eine Mobilisierung der Videospieler, selbst etablierte Zeitschriften wie die play the Playstation machten mit.

Die große Nachfrage brachte den Publisher Eidos zu einem neuen Label, unter dem "Fresh Games" sollten alle mehr oder weniger innovativen Japanspiele auch in Europa einzug finden. Aus Ka wurde kurzerhand Mister Moskeeto oder in Kurzform Mr Moskeeto wie es hierzulande auf der Verpackung abgedruckt wurde.

Zugegeben, bei Mr Moskeeto handelt es sich nicht um eines dieser gemeinen Stechmücken. Stattdessen übernimmt man die Kontrolle von eine Art Robo-Insekt im Comic-Look, welches das gewonnene Blut in Behälter abfüllt. Gerade solche kleinen Details machen Mr Moskeeto interessant, so ist man nicht gleich beim ersten Treffer nicht gleich tot und besitzt außerdem noch nette Zusatzfunktionen. Wie in einem Kampfjet kann man seine Gegner anvisieren, eine futuristische Oberfläche zeigt die Entfernung zum Spiel. Sobald man sich dann in die richtige Position gebracht hat, wird zum Angriff geblasen und der Turbo eingeschaltet.

Natürlich ist das Primärziel die nackte Haut, in jedem Level gilt es eine gewisse Anzahl kleiner Behältnisse mit Blut zu füllen. Kaum ist das kleine Robo-Insekt am begehrten Ziel, setzt man mit R3-Stick zum Stich an, und saugt durch ruhige Kreisbewegungen das kostbare Lebenselixier. Wichtig dabei ist, dass man niemals zu schnell oder zu langsam arbeitet, ein Balken am linken Bildschirmrand informiert über den Gemütszustand des Opfers. Verschätzt man sich, gibt es einen geklatscht oder, was noch viel schlimmer ist, die Rollen vertauschen sich und aus dem harmlosen Opfer wird ein gefährlicher Angreifer. In diesem Fall bleibt nur noch die Flucht, sich unter einem Tisch oder hinter einer Stereoanlage zu verstecken, ist auch der Fluchtweg verbaut, bleibt nur noch die Auseinandersetzung mit dem Gegner.

Glücklicherweise haben die Entwickler im Ernstfall an alles gedacht, sollte man feststecken und keinen Ort zum verstecken finden, bleiben noch manche Zonen am Körper erreichbar, fliegt man diese im Kollisionskurs entgegen, wird der Angreifer wieder entspannt und ist bereit zur weiteren Blutabnahme. Wer an dieser Stelle an die erogenen Zonen eines Menschen denken muss, der hat vielleicht gar nicht Unrecht, sind doch manche Entspannungspunkte sehr interessant am Körper verteilt.

Aber nun endlich zur eigentlichen Geschichte im Spiel, diese ist in der Tat weder einfallsreich noch unterhaltsam. Mr Moskeeto ist im Sommer auf der Suche nach einer menschlichen Familie, von der er genug Blut saugen kann um für den Winter gut versorgt zu sein. Das Angriffsziel ist schließlich die Yamada Familie, mit Vater Kenichi, Mutter Kaneya und Tochter Rena. Freunde von Zwischensequenzen werden sich zudem nach jedem Level über eine kleine Familiensitzung in Spielgrafik freuen, in der man bis auf die Stirn und ein Teil des Gesichts, absolut nichts erwähnenswertes erfährt - außer vielleicht wie man sich über die nervigen Stiche am Körper ärgert.

Die verschiedenen Level sind relativ abwechslungsreich gestaltet, da wäre Tochter Rena im Bad, Vater Kenichi im Wohnzimmer oder Mutter Kaneya in der Küche. Alles im allen wird das Haut aber nie verlassen, das ganze Spiel über befindet man sich immer nur jeweils in einem Zimmer. Natürliche Grenzen wie Gardienen oder Türen hindern an der Flucht. Dafür findet man in den einzelnen Räumen diverse Möglichkeiten für die Interaktion mit der Familie. So kann man beispielsweise Kenichi mit einem beherzten Angriffsflug auf die Fernbedienung das TV-Programm vermiesen oder Rena mit der Stereoanlage beim einschlafen stören.

Für ein wenig Motivation sorgen die versteckten Extras im Spiel, so findet man in jedem Level noch einen weiteren Blutbehälter mit dem sich Bonuspunkte sammeln können, saugt man diesen ebenfalls voll, wirk Mr Moskeeto gegen Ende ein wenig überfüllt wenn nicht sogar vollschlank. Hat man genug Punkte gesammelt, sind am Moskeeto neben dem Standard-Kostüm noch weitere optische Veränderungen möglich. Es sollte allerdings nicht zu viel Hoffnung in diese Kleinigkeiten gesteckt werden, am Gameplay ändern sie herzlich wenig.

Gameplay ist ein gutes Stichwort, dieses ist bei Mr Moskeeto wahrlich einzigartig, kleine Mücken sind schnell und wenig. Im entferntesten Sinne kann man die Steuerung eines Helikopters erahnen, wobei auch dieser keine 180° Wende innerhalb weniger Sekunden zustande bekommt. Das Anvisieren der Opfer und anschließende Aussagen ist jedesmal ein herrliches Gefühl, obwohl es ein wenig enttäuschend ist dass nur wenige Stellen am Körper angezapft werden können. An Spannung darf es in Mr Moskeeto natürlich auch nicht fehlen, für jedes Level gibt es eine Zeitvorgabe, schafft man sich nicht rechtzeitig seine Blutvorräte an ist das Level verloren.

Die Soundkulisse im Spiel ist allerhöchstens noch Durchschnittskost, Hintergrundmusik gibt es keine, die Familie spricht in der europäischen Version nur Englisch Französich oder Spanisch. Die Geräuschkulisse ist sehr zurückhaltend und die englische Synchronisation mit japanischen Akzent annehmbar. Hat man sich erstmal mit der Steuerung vertraut gemacht, eignet sich Mr Moskeeto damit hervorragend zur Entspannung an einem langen Arbeitstag.

Einen Multiplayer gibt es ebenso wenig wie eine schöne Grafik zu bewundern. Zwar ist die Yamada Familie hübsch animiert, deren Zimmer sind aber sehr schlicht und langweilig ausgestattet - ganz zu schweigen von den verwaschenen Texturen. Mr Moskeeto war auf der Playstation2 schon kein Grafikwunder, eine bessere Optik als den PSone Spielen kann man aber durchaus erkennen. Die Grafik ist nur Mittel zum Zweck und passt vom Design einer japanischen Kleinhausfamilie ideal zum restlichen Spiel.

Niemals sollte man den Fehler machen und bei diesem Titel um mehr als ein Pausenfüller hoffen. Mr Moskeeto ist aufgrund des Gameplay eine faszinierende Erfahrung, über ein reines Arcade-Spiel mit Highscore Tabelle geht es aber nicht hinaus. Schon nach kurzer Zeit braucht man von dem Gesehenen eine Pause, die Räume ähneln sich sehr und das Prinzip bleibt immer gleich. Zusammen mit der langweiligen Geschichte gibt es praktisch keine Langzeitunterhaltung. Trotzdem habe ich den Kauf dieses Spiels nicht bereut, es bietet seinen ganz eigenen Unterhaltungswert, und ist zusammen mit Freunden ein riesen Spaß.

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Meinungen
  • Von: Christian Gaca / GR®
    11. September 2009, 08:58 Uhr
    Das hatte ich fast vergessen. DC oder? Ich hab' das leider nie selbst gespielt, weil meine Version in der Post verloren ging...
     
  • Von: rotfuchs
    14. September 2009, 21:32 Uhr
    Der Test ist über die PS2-Version, wurde seinerzeit genauso wie Mad Majestro von Eidos in Europa veröffentlicht. Es könnte auch eine DC-Version gegeben haben, die habe ich aber nie zu Gesicht bekommen.
     
  • Von: RevengerAK
    28. März 2012, 13:50 Uhr
    Dass spiel ist mir neu
     
 
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