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Kritik

Dead Rising 3

Dead Rising 3 mag nicht die perfekte Werbung für Next-Gen-Gaming sein, liefert aber jede Menge Gründe, um eine Reise nach Los Perdidos anzutreten.

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Um es gleich zu sagen: Ich bin nicht so der Fan der ersten Dead Rising-Spiele. Ich hatte sehr viel Spaß mit der offenen Spielwelt. Liebte es, mit Hockeypucks Zombies abzuschießen und Scharen von Untoten mit Einkaufswagen umzunieten. Aber ich hasste die Art, wie das Spiel strukturiert war, speziell wie die Speicherpunkte umgesetzt waren. Und dann diese ärgerlichen Bosskämpfe. Wenn ich an die denke, schaudert es mich noch immer. Ich habe dem Game mehrmals eine Chance gegeben, vor allem, weil ich mit den ganzen Bastelwaffen so viel Spaß hatte. Aber jedes Mal war ich wieder enttäuscht .

So legte ich mit einer gewissen Beklommenheit die Disc von Dead Rising 3 ins Laufwerk der Xbox One. Nach etwa zwei Stunden hatte sich das Spiel mit seinen virusinfizierten Zähnen derart in mir verbissen, dass ich meine erste Schlussfolgerung überarbeiten musste. Und durfte. Die doch sehr spielerische und lebendige Ästhetik der Vorgänger ist erledigt. Vorbei ist die an Comics erinnernde Optik. Dead Rising 3 hat nun einen dreckigeren, atmosphärischen Look, ist aber am Ende durch und durch das Spiel, was man erwartet.

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Wir spielen die Rolle des Mechanikers Nick Ramos. Der Überlebende muss wie gehabt andere Glückliche vor den Zombies retten, im Rennen gegen die Uhr bestimmte Ziele erfüllen und dabei die Geheimnisse der Zombie-Invasion entwirren. Eine Vielzahl von Objekten aus der Spielwelt lassen sich als Waffe nutzen oder zu einer solchen umbauen. Häufig mit heftiger und fast immer komödiantisch einwandfreier Wirkung.

Trotz der realistischeren Optik wandert das Capcom-Spiel noch immer an der Grenze zur großen Albernheit.

Wo sich Dead Rising 3 am deutlichsten verbessert hat, ist beim Stil und dem neuen Speicherpunktesystem. Man kann überall und immer speichern, wobei die genaue Position nicht beibehalten wird. Man landet immer noch stets beim letzten Checkpoint. Es gibt aber alternativ Dixi-Klos zum Abspeichern - und es gibt viele von ihnen. Man fühlt sich aber nie unter Speicherdruck gesetzt, so dass sich das System jetzt viel fairer anfühlt.

Die Bosskämpfe sind subtil anders und dadurch viel besser. Es sind wie gehabt in der Regel Duelle gegen Psychopathen. Dieses Mal sind sie fast alle optional und müssen nicht für den Fortschritt durch die Haupthandlung erledigt werden. Wer bestimmte Irre in der offenen Spielwelt zu früh trifft, wird sie als harte, manchmal überwältigende Herausforderung erleben. Aber wenn man das Spiel einmal im Griff hat, gibt es nichts, das zu schwierig wäre. Der Sieg ist immer erreichbar. Dead Rising 3 liefert eine schöne Balance zwischen Herausforderung und Zugänglichkeit.

Trotz der realistischeren Optik wandert das Capcom-Spiel noch immer an der Grenze zur großen Albernheit. Die dunklere Atmosphäre ist cool, passt aber manchmal nicht richtig zu den offensichtlichen Lächerlichkeiten auf dem Bildschirm. Das Spiel ist deutlich erkennbar für zwei Gruppen von Spielern gemacht. Für diejenigen, die diese Verspieltheit der ersten beiden Spiele genossen haben und jene, die es etwas erwachsener mögen. Die meiste Zeit kann man Dead Rising 3 erleben, wie man will. Aber manchmal sind die Grenzen verwischt und man selbst steckt fest im Niemandsland zwischen den beiden Identitäten des Spiels.

In den meisten Fällen bringen neue Waffen Spaß und Vorteile, so dass sich das Erkunden der Spielwelt nach den Bauplänen lohnt.

Diese Dualität manifestiert sich am deutlichsten durch die Waffen und Fahrzeuge im Spiel. Dead Rising 3 spielt in einer kleinen Stadt, die in vier Bereiche geteilt ist, durch Highways verbunden. Es gibt keine Ladezeiten im Spiel selbst, aber wer stirbt, muss knapp 45 Sekunden Wartezeit ertragen, bis es weitergeht. Das kann schnell mal nerven. Die Navigation zwischen den verschiedenen Abschnitten der Karte erfordert zudem auf jeden Fall ein Fahrzeug .

Davon stehen viele mit flackernden Scheinwerfer herum, bereit zur Abfahrt. Mit Hilfe verschiedener Blaupausen und Kombo-Fähigkeiten dürfen wir bald beginnen, eigene Fahrzeuge zu erschaffen. Per Knopfdruck wird aus zwei Fahrzeugen eines, ganz einfach. Es gibt eine gute Auswahl an Optionen und wir bauen uns witzige Gefährte mit starken Waffen, die eine Spazierfahrt durch Zombiedemos zur reinen Freude machen.

Ebenso lassen sich Waffen kombinieren. Einige der Basteleien ergeben keinen rechten Sinn, ähnlich wie bei den Fahrzeugen. Aber es sind nur wenige und es ist ein kleiner Kritikpunkt. In den meisten Fällen bringen sie Spaß und Vorteile, so dass sich das Erkunden der Spielwelt nach den Bauplänen lohnt. Im Gegensatz zu Dead Rising 2 können wir jederzeit neue Waffen bauen in einem einfachen Kombo-Menü. Das liefert schneller viel mehr Möglichkeiten und erhöht den Spaßfaktor.

Beständig dürfen wir Erfahrungspunkte in die Förderung bestimmter Fähigkeiten investieren - dazu gehören auch die irren Gefährte, die wir uns bauen können.

Durch das Aufleveln bekommt Protagonist Nick ständig neue Möglichkeiten. Beständig dürfen wir Erfahrungspunkte in die Förderung bestimmter Fähigkeiten investieren. Dazu zählen Gesundheit, Inventar-Slots oder Nahkampf ebenso wie Kombo-Fähigkeiten für Fahrzeuge oder den Nahkampf. Das System bietet viel Flexibilität für Spezialisierungen. Wer das Spiel einmal abschließt, darf zudem im aufgelevelten Zustand erneut starten und weitermachen. Wie schon früher hat man im zweiten oder dritten Durchgang eine viel bessere Vorstellung davon, wo was auf der Karte ist und kann einen Vorteil aus diesem Wissen schlagen.

Die Geschichte wird in neun Kapiteln erzählt. Im normalen Story-Modus haben wir sieben Tage Zeit, das ist mehr als genug Zeit, um alles zu tun bevor man endgültig raus muss aus der Stadt. Für diejenigen, die eine Erfahrung eher wie beim ursprünglichen Dead Rising wollen, gibt es einen Albtraum-Modus. Hier wird die zur Verfügung stehende Zeit verkürzt wird und die Zombies sind stärker. Es ist im Grunde die alte Version des neuen Spiels, mit mehr Druck. Man wird Dinge verpassen, andere Überlebende werden sterben müssen, weil nicht genügend Zeit bleibt, um alle zu retten. Wer diese Art von Entscheidungen über Leben und Tod treffen will, hier geht das.

Im Laufe der Story trifft man auf eine illustre Mischung von Charakteren, von denen jeder eine Vielzahl von Aufgaben für Nick hat. In der Regel sind das Quests, für die wir in der Stadt herumstromern müssen. Die Geschichte ist ziemlicher Zombie-Standardkram hart an der B-Movie-Grenze. Aber sie ist irgendwie mitreißend und unterhaltsam. Es gibt echt lustige Momente und Nick wirkt wie ein sympathischer Charakter. Drehungen und Wendungen fehlen nicht und das letzte Kapitel ist besonders gut gelungen. Es gibt mehrere Enden in Abhängigkeit von den Entscheidungen, die wir vorher getroffen haben. Mein erstes Ende war dabei echt schwierig, aber brillant.

Die Framerate hat ihre Problemchen, fiel bei mir aber nie so weit ab, dass es die Spielfreude ruiniert hätte.

Wer ein Smart-Glass-Tablet oder -Handy benutzt, kann in Dead Rising 3 dessen Funktionen im Spiel nutzen. Es lassen sich so einfacher Wegpunkte auf der Karte setzen oder mal eben ein Luftangriff zur Unterstützung anfordern. Leider waren wir nicht in der Lage, diese Komponente voll zu testen. Für das Koop-Abenteuer ist sie sicherlich sinnvoll, aber auch das ließ sich leider nicht ausprobieren. Es sind zudem diverse Kinect-Funktionalitäten integriert. Wir können die Untoten anschreien über das Mikrofon des Sensors, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn ein Zombie auf dem Boden Nicks Fuß packt, müssen wir den Controller in der Hand schütteln, um ihn loszuwerden. Ist Kinect ausgeschaltet, ersetzt stumpfes Tastentippen mit Timer diese Funktion.

Da Dead Rising 3 ein Next-Gen-Launchspiel ist, kommt man nicht umhin, die visuelle und technische Seite des Spiels zu betrachten. Leider ist es in diesem Bereichen alles andere als tiptop. Die schmutzige Optik funktioniert, aber es sind viele vor allem visuelle Unvollkommenheiten zu entdecken in Los Perdidos. Es gibt Pop-ups, Probleme mit den Texturen und eine Menge kleiner Glitches wie komisch herumschwebende Gegenstände. Die Framerate hat ihre Problemchen, fiel bei mir aber nie so weit ab, dass es die Spielfreude ruiniert hätte. Insgesamt ist offensichtlich, dass nicht genug Zeit für das Aufpolieren des Endprodukts blieb. Wahrscheinlich war Capcom einfach gezwungen, den 22. November als Termin einzuhalten. Es wird sicherlich bald einen Patch geben, der Probleme bereinigen wird.

Noch ein Problem gibt es mit den Untoten. Es ist fast jederzeit eine beeindruckende Menge an Zombies auf dem Bildschirm, vor allem beim Fahren auf den Highways. Allerdings unterscheiden sie sich kaum voneinander, was einem angesichts der großen Zahl aber wiederum kaum bewusst auffällt. Was weniger entschuldbar ist, sind Zombie-Demos. Man kann diese großen Gruppen oft von weitem beobachten. Kommt man in ihre Nähe, erwachen sie plötzlich, um sofort Ärger zu suchen. Manchmal fühlt es sich an, als spielten sie Reise nach Jerusalem ohne Stühle. Diese Erlebnisse sind eine regelmäßige Erinnerung daran, dass es trotz der beeindruckenden Anzahl von Feinden auf dem Bildschirm immer noch sehr deutliche technische Grenzen gibt.

Trotz der genannten Mängel liefert Dead Rising 3 es spaßiges Spielerlebnis. Die Kleinstadt ist gerade groß genug, um die Dinge interessant zu halten. Los Perdidos mag kein bisschen so groß wie Los Santos sein, aber es gibt vieles im Zombie-Sandkasten zu tun. Für diejenigen, die eine Rückkehr zu den komödiantischen Vergnügungen der Vorgänger suchen, ist ebenso genug von dem ursprünglichen Geist spürbar, trotz des raueren Stils. Einige werden das neue Speicherpunktesystem und die erweiterte Zeit nicht zu schätzen wissen, aber die können ja direkt im Albtraum-Modus abtauchen. Dead Rising 3 mag nicht die perfekte Werbung für Next-Gen-Gaming sein, liefert aber jede Menge Gründe, um eine Reise nach Los Perdidos anzutreten.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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gelungene offene Spielwelt, die Waffen- und Fahrzeuge-Kombos, besseres Speicherpunktesystem, reichlich Zombies
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technische Probleme, leichte Identitätsverluste
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