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Kritik

Arma 3

Es ist Bohemia Interactives große Stunde. Mit Arma 3 betritt eine der besten Militärsimulationen die Bühne - leider ist die wieder nicht ganz makellos.

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Mir hat sehr gefallen, was Arma 2 sich vorgenommen hatte. Es war kompliziert und ein extrem ambitioniertes Hardcore-Spiel, das Militärgefechte realistisch darstellen wollte. Es hatte viele richtig gute Ideen, doch die wurden leider nicht ganz makellos umgesetzt. Ich liebe es für das, was es versucht hat, aber innerlich habe ich mir immer eine rundere Version gewünscht.

Bohemia Interactive haben nicht aufgegeben. Sie haben weiter an ihrer Vision gefeilt und man sieht leicht, wie sie die Makel von Arma 2 ausgebügelt und eine fließendere Mechanik implementiert haben, ohne dabei die ursprüngliche Vision eines realistischen Militärshooters aufzugeben. Auch Arma 3 ist noch immer ein Spiel, bei dem eine einzige Kugel den Unterschied machen kann und zwei Treffer einfach zu viel sind. Die Verliebtheit zum Detail ist erstaunlich und es ist die Ruhe vor dem Sturm, die am Ende doch die besten und intensivsten Erfahrungen liefert.

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Ähnlich wie der Vorgänger geht auch Arma 3 auf sicheren Abstand zu anderen Militärshootern und fokussiert sich auf die tatsächliche Simulation der Kriegsführung. Als Soldat, der für die NATO, CSAT, AAF oder FIA kämpft, finden wir uns mitten auf einigen der gefährlichsten Schlachtfelder wieder und sitzen in der ersten Reihe im Schauerkabinett der Brutalität. Das Tempo ist größtenteils langsam, Transporte zwischen den Action-Sequenzen dauern teilweise Minuten und die Feuergefechte finden aus großen Distanzen statt. Krasse Nahkampf-Action? Fehlanzeige! Stattdessen erhalten wir das Truppen-Kommando und geben unsere Anweisungen über das gezwungenermaßen komplizierte Interface weiter - gebraucht werden dafür übrigens mehr als die Hälfte der Tastatur-Knöpfe.

Arma 3Arma 3
Auch Arma 3 ist noch immer ein Spiel, bei dem eine einzige Kugel den Unterschied machen kann und zwei Treffer einfach zu viel sind.

Das Hauptproblem und Teil des Reizes, der den Titel ausmacht, ist die steile Lernkurve. Und es gibt sie nicht ohne Grund. Wir müssen hart arbeiten, um die umfangreichste Militärsimulation auf dem Markt zu begreifen. Wie schon im Vorgänger habe ich viel Zeit damit verbracht, herauszufinden, welche Taste sich am besten für welches Kommando eignet. Viele Spieler werden sicher auf das System für Truppenkommandos verzichten, wenn sie erst einmal realisieren, wie komplex es ist. Und das ist Arma 3 ganz komprimiert: Das Spiel bedarf des Nachdenkens und einer Menge Geduld, damit man es am Ende wirklich wertschätzt. Wer aber die Zeit investiert, wird mit einer völlig neuen Spielerfahrung belohnt.

Arma 3 war bereits in der Alpha- und Betaphase anspielbar. Eine gute Wahl, denn so konnten die Entwickler frühzeitig auf das Feedback der Community reagieren. Das Ergebnis ist größtenteils erstaunlich. So lassen sich zum Beispiel alle Bildschirminformationen ausblenden. Ebenso einstellbar ist die Intelligenz der Verbündeten und Feinde. Damit wird Arma 3 einem wesentlich breiteren Publikum zugänglich und gibt uns zu einem gewissen Grad die Möglichkeit, unsere Spielerfahrung selbst zu gestalten.

Apropos Intelligenz: Die Soldaten auf beiden Seiten hatten im Vorgänger in diesem Bereich einigen Nachholbedarf. Sie starben einfach zu schnell. Hier gibt es eine Menge Verbesserungen, besonders wenn wir die geistigen Fähigkeiten manuell hochstufen. Computergesteuerte Soldaten bewegen sich wesentlich logischer und bleiben meistens nicht still am selben Ort stehen, nur um sich dann dreimal ins Bein schießen zu lassen. Finden sie sich an ungünstigen Positionen wieder, entfernen sie sich schnell. Treffen wir auf zwei größere Schwadrone von Feinden, erleben wir häufig, wie diese uns geschickt versuchen zu flankieren. Viel wichtiger ist aber die Röntgenansicht, mit der die Feinde ausgestattet wurden, um uns leichter zu entdecken. Um den direkten Vergleich zwischen beiden Teilen zu erleben, werfe ich noch einmal Arma 2 ein - und bin verblüfft. Arma 3 ist wirklich wesentlich unterhaltsamer und liefert ein deutlich runderes Paket.

Arma 3
Treffen wir auf zwei größere Schwadrone von Feinden, erleben wir häufig, wie diese uns geschickt versuchen zu flankieren.

Allein der Umfang des Spiels ist sehr ordentlich. Dabei ist die Hauptkampagne beim Erscheinen des Spiels noch nicht einmal mit dabei und wird erst später in Form von drei Episoden nachgeliefert. Arma 3 hat trotzdem schon jetzt viel zu bieten. Es gibt einen dicken Mehrspielermodus, einen umfangreich ausgestatteten Editor (und dazu Mods, die unkompliziert aus dem Hauptmenü geladen werden können), ein Dutzend Beispielkarten, Herausforderungen und Tutorials. Letztere vermitteln einen ersten Eindruck von dem, was uns erwartet: Artillerie-Angriffe, Helikopter, Unterwasser-Action und Fahrten. Hoffentlich ist das alles in der Kampagne vernünftig eingearbeitet.

Die meiste Zeit verbringt man aber ohnehin im Multiplayer - und der ist wirklich besonders. Alles aus dem Spiel findet sich hier wieder und schnell wird klar: Hier will und muss man viel Energie investieren als Spieler. Denn das Erarbeiten von Strategien mit vollkommenen Fremden im Koop-Modus ist eine unheimlich belohnende Erfahrung. Es ist eben ein Spiel, das mit dem Grad des eigenen Einbringens steht und fällt. Und bisher habe ich einen sehr guten Eindruck. Man hält vor Spannung den Atem an, schreit aus Frustration und weint vor Enttäuschung. Toll.

Gerade in den Koop-Modi ist Arma 3 am unterhaltsamsten, denn sie wurden wunderbar umgesetzt. Weil wir schon durch den Treffer einer Kugel sterben können, ist absolutes Teamwork unglaublich wichtig. Wenn ihr ein paar geduldige Freunde habt, solltet ihr Arma 3 auf keinen Fall verpassen. Zur Auswahl stehen klassische Modi wie Deathmatch, Varianten teambasierter Action und Capture the Flag. Sobald sich die kreativen Modder an die Arbeit gemacht haben, werden die Modi sicher mehr Inhalte bieten. Ein beliebter Modus, der wieder dabei ist, heißt Wasteland. Geboten wird hier Survival in Teams im Kampf gegen Soldaten, die vom Computer oder einem anderen Spieler gesteuert werden.

Arma 3
Beeindruckender Umfang: Es gibt einen dicken Mehrspielermodus, einen fett ausgestatteten Editor (und dazu Mods, die unkompliziert aus dem Hauptmenü geladen werden können), ein Dutzend Beispielkarten, Herausforderungen und Tutorials.

Der interessanteste Teil des Paketes ist zweifellos der Editor, mit dem wir Arma 3 auseinander nehmen und nach eigenem Gutdünken wieder zusammensetzen. Wie erfolgreich das Ergebnis sein kann, bewies DayZ, das aus Arma 2 entstand. Die verbesserten Werkzeuge werden nun sicher neue und aufregende Konzepte hervorbringen. Es braucht nur ein paar Tasten und schon lassen wir die Welt an unserer Kreation im Steam Workshop teilhaben. Aber: Auch der Editor ist nicht ganz unkompliziert, zumindest gilt das für Neueinsteiger.

Deshalb ist dieser Teil des Spiels auch nicht ganz so leicht zugänglich, und selbst nach ein paar Stunden im Tutorial fühlt es sich an, als müsste man ein ganzes Gebirge überwinden. Vielleicht hat man bei der Entwicklung auch die bereits existierenden Arma-Modder im Hinterkopf gehabt. Wer lieber spielt statt gestaltet, greift auf die Werke anderer Spieler zurück. Es gibt nur wenige Spiele, die so treue und enthusiastische Fans haben wie die Arma-Reihe. Deutlich wird das bereits an mehr als 1600 Mission, die bis zum Zeitpunkt dieser Kritik erschaffen wurden. Ich habe mich an schnellen Fahrzeugrennen, Nachtmissionen und Helikopter-Crashs erprobt und schamlose DayZ-Klone entdeckt. Doch genau hier, an dieser Stelle, wird die Arma-Erfahrung weiter wachsen. Es ist schon jetzt aufregend zu überlegen, wohin sich das noch entwickeln könnte.

Rein visuell weist Arma 3 den Vorgänger klar in seine Schranken. Mehr noch, es schickt ihn beschämt in die Ecke. Teilweise ist Arma 3 wirklich wunderschön. Den Texturen fehlt zwar manchmal die hohe Auflösung, aber was das Licht, die Animationen und Charaktermodelle angeht, sieht es richtig gut aus. Der beste Teil des visuellen Pakets sind ohne Zweifel die Umgebungen, denn die sind sowohl abwechslungsreich wie auch elegant gestaltet worden. Wer schon von den Umgebungen in Arma 2 beeindruckt war, den wird der Anblick förmlich wegblasen. Zu entdecken gibt es zwei Inseln. Altis ist die etwas größere von beiden und umfasst 270 Quadratkilometer. Stratis ist etwas kleiner. Doch was auch passiert und wann wir auch spielen, es bleibt nie das Gefühl, an unsichtbaren Wänden zu scheitern. Der Entdeckerdrang kann hier voll ausgelebt werden.

Arma 3
Rein visuell weist Arma 3 den Vorgänger klar in seine Schranken. Mehr noch, es schickt ihn beschämt in die Ecke.

Arma 3 ist wesentlich unterhaltsamer als der Vorgänger. Das liegt zum Teil an der Symbiose aus tollen Effekten, einer dichten Atmosphäre und deutlich verbesserten Klangwelten. Vergessen sind zum Glück die fürchterlichen Synchronsprecher. Die Tatsache, dass Bohemia die Grundsteuerung seit Arma 2 stetig verbessert hat, kann gar nicht genug betont werden. An einigen Stellen erscheinen die Veränderungen klein und subtil, aber sie sind immer gut durchdacht. Wir werden nicht darauf beschränkt, zu stehen, liegen oder zu liegen. Vielmehr gibt es Positionen zwischen den bereits bekannten - und die sind erstaunlich nützlich. Wir können sogar unter Wasser schwimmen und auf Fische schießen. Erwähnte ich schon die Ragdoll-Physik? Nein. Sie war eine dringende Erweiterung innerhalb der Serie. Arma 3 fühlt sich lebendiger, dynamischer und aufregender an als jeder vorherige Teil.

Ein großes Problem, dass uns in den vorherigen Titeln begegnet ist, war der Mangel an technischer Finesse. Abstürze, grafische Ausreißer und eine ungleichmäßige Framerate waren an der Tagesordnung. Arma 3 macht auch hier vieles besser und während meiner bisherigen Spielzeit, habe ich nur einen Absturz und wenige Bugs erlebt. Doch leider bleiben Performance-Probleme. Besonders im Multiplayer ist die Framerate instabil, da müssen die Entwickler noch mal ran. Durch den großen Umfang des Spiels übersehen wir aber gern ein oder zwei Fehlerchen, denn sie zerstören das Spielerlebnis nicht. Aber es gibt noch Luft nach oben für Verbesserungen.

Arma 3 ist kein fehlerloses Spiels. Ehrlich gesagt hat es sogar ziemlich viele kleine Makel, aber sie werden durch die wahnsinnigen Ambitionen der Entwickler völlig überschattet. Der Titel folgt derselben Formel wie schon die Vorgänger und macht deutlich, dass die Spielerfahrung mehr ist als ihre einzelnen Bestandteile. Die Steuerung, die steile Lernkurve und die Performance sind drei wichtige Gebiete, in denen ich gerne weitere Verbesserungen sehen würde. Aber ich möchte noch einmal betonen, dass der gebotene Inhalt trotzdem beeindruckend ist. Es ist Bohemia Interactives große Stunde und ihr neuestes Werk strahlt mit einer sehr starken 8/10. Arma 3 ist ein großer Sprung nach vorn, aber der Weg muss weitergehen. Wäre eine unterhaltsame Kampagne dabei und gäbe es keine lästigen Performance-Probleme, die Note wäre sicher höher ausgefallen. Es ist ein mutiges und ambitioniertes Spiel, das nicht nur das beste seiner Art ist, sondern auch ein netter Tempowechsel bei immer ähnlicher werdenden Spielen.

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Arma 3
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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großartige Atmosphäre, riesiges Mod-Potenzial, starker Mehrspielermodus, beeindruckende Grafiken und Sound, Liebe zum Detail
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übertrieben steile Lernkurve, keine Kampagne beim Launch
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